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Oekonux & Alternative Ökonomie - die etwas andere Alternative Ökonomie
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Maintainer: Annette Schlemm, Version 1, 03.06.2001  Druckversion
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Alternative Ökonomie

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Das schöne Wort "Alternative" ist so geräumig, dass sich sehr viele Vorstellungen und Konzepte darin wiederfinden können. Innerhalb des Kapitalismus wurden immer wieder Wirtschaftskonzepte realisiert, die dem Grundprinzip des Kapitalismus, Kapital zu vermehren, d.h. primär auf Profite zu zielen, entgegen gerichtet sind. Allgemeine Merkmale solcher Alterna-tiver Ökonomiekonzepte sind nach Schwendter (Schwendter 1986a, S. 210) Gebrauchswertorientierung und die Möglichkeit eines basisdemokratischen, weniger arbeitsteiligen Pro-duktionsprozesses.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Die Alternative Ökonomie ist noch in den kapitalistischen Markt eingebunden und versucht, ihn quasi mit seinen eigenen Mitteln niederzukonkurrieren. So bestand z.B. noch 1979 die Hoffnung, dass im Jahr 1990 bereits 8 – 10% des Bruttosozialprodukts im "alternativen Sektor" erzeugt werden würde (nach Schwendter 1986b, S. 287).

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Der Hauptfaktor für die Entstehung und das Wachstum der Alternativen Ökonomie besteht in der Zunahme der Erwerbslosigkeit (Schwendter 1986a, S. 261) – wie auch heute zur Entstehung der "Lokalen Ökonomie". Alternative Ökonomie wurde zur Grundlage individueller Reproduktion vorwiegend im Subkulturbereich (Schwendter 1975/86, S. 62).

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Ihre ökonomische Überlebensfähigkeit beruht auf den Vorteilen:

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Da sich die Alternative Ökonomie innerhalb der kapitalistischen Wert-Vergesellschaftung verortet, besteht auch für ihr "subkulturelles Kapital" (Schwendter 1975/86) die Notwendigkeit einer erweiterten Akkumulation. Diese ist das Hauptproblem der Alternativen Ökonomie – lange verdeckt dadurch, dass die Akkumulation häufig durch eine Umverteilung von Revenuen erfolgt, die nicht im alternativen Produktionsprozeß selbst erzielt werden (Schwendter 1975/86, S. 67).

[Alle Kommentare ausblenden] (6) "Doch auch das Produkt des subkulturellen Einzelkapitalisten ist dem Warencharakter unterworfen, bei Strafe des sonstigen Untergangs seiner Produzenten. Das Schicksal der Unentgeltlichkeitsprojekte bezeugt dies: sie landeten dann doch im verschleierten Äquivalentenaustausch oder in der Pleite." (Schwendter 1975/86, S. 63)
Daraus ergeben sich prinzipielle Systemgrenzen alternativer (subkultureller) Ökonomie, die Schwendter ausführlich diskutiert. Das Aufzeigen dieser Grenzen soll, wie Schwendter (Schwendter 2001, S. 22) ergänzt, nicht resignativ verstanden werden, sondern führt zur Er-kenntnis, dass eine "vehemente politische Unterstützung" für eine gesamtgesellschaftliche Durchsetzung gebraucht würde.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Inzwischen sind viele Hoffnungen verflogen und die Warnung, der alternativökonomische Be-reich wirke eher als "Reparaturwerkstatt des Imperiums" (Sana 1997, S. 121) denn als Alternative, ist angesichts der neoliberalen Wirklichkeit mit nichtabgesicherten Arbeitsverhältnissen und vielen kleinen "Selbständigen", besonders Frauen, aktueller denn je.

Gemeinwesenökonomie

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Das Konzept der Gemeinwesenökonomie unterscheidet sich von den anderen alternativökono-mischen Konzepten dadurch, dass diese Ökonomie sich nicht mehr in den "heutigen Markt" gebunden sieht (Möller 1997, S. 18). Es versteht sich auch explizit als nicht-patriarchal. Gemeinwesenorientiertes Wirtschaften will mit möglichst wenig Arbeit die individuelle und gemeinsame Bedürfnisbefriedigung im Lebensumfeld vor Ort sichern (Möller, Peters 1998, S. 29). Damit wird die alternative wirtschaftliche Orientierung von Individuen und Kleinkollektiven auf regionale Gemeinwesen ausgedehnt, weil relativ vollständige Reproduktionsgesamtheiten (auch im ökologischen Sinne) im Blickpunkt sind. Die Gemeinwesenökonomie beinhaltet Selbstversorgung, wird aber noch ergänzt durch Erwerbsarbeit.

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Sie ist nicht ganz deckungsgleich mit dem Konzept New Work, das außer den beiden Arbeitskomponenten Erwerbsarbeit und Eigenversorgung noch jenes Tätigkeitsspektrum aus-drücklich fordert, das nicht unbedingt für andere gemacht wird oder zur notwendigen Versorgung dient, sondern "nur" das ist, was die Person "wirklich, wirklich machen will.". Der Hauptfokus der Gemeinwesenökonomie ist jedoch – für Erwerbsarbeitsanteile wie auch die Selbstversorgung – darauf gerichtet, nicht für den anonymen Markt zu arbeiten, sondern für das "gemeinsame Eigene".

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Es besteht teilweise Klarheit über die Gefahr, als Entlastung für das Kapital in Krisenzeiten zu wirken (Möller, Peters 1998, S. 31). Bei Carola Möller ist die Abschaffung des Kapitals als Ziel noch nicht verloren gegangen: "Wir können das kapitalistisch-patriarchale Wirtschafssystem nicht abschaffen, wir können nur versuchen, eigene, in zunehmenden Maße vom heutigen sogenannten "freien Markt" abgekoppelte Wirtschaftskreisläufe aufzubauen, so dass wir den Kapital- und Geldmarkt heutiger Form immer weniger benötigen" (Möller 1996, S. 11).

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Die verwandte "Lokale Ökonomie" versteht sich stärker als Reaktion auf das Nichtfunktionieren der kapitalistischen Wirtschaft und als "Rekonstruktion der in die Krise geratenen Orte bzw. Regionen" (Birkhölzer u.a., 1996, S. 10) und strebt eine "Wirtschaft von unten" an. Hier ist die Alternative schon vom Konzept her sehr defensiv angelegt und deswegen besonders gut verträglich mit einer Integration in einen sich weiter aggressiv durch die Welt fressenden Kapitalismus.

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Das Konzept der Gemeinwesenwirtschaft spricht vom Umdenken und einer Änderung der "Orientierung" (von Profit- zu Gemeinwesenorientierung) und geht nicht auf kapitalistische Struktur der Gesellschaft ein (Wertvergesellschaftung...). Es ist unklar, ob wirklich die Hoffnung besteht, den Kapitalismus wenigstens tendenziell aufheben zu können, denn die die Gemeinwesenwirtschaft kennzeichnenden Merkmale beziehen sich durchaus noch auf Geld, Staat und bezahlte (neben unbezahlter) Arbeit. Woher Ressourcen und Produktionsmittel kommen, außer aus den für den Kapitalismus nicht mehr vernutzbaren Brachen, wird auch nicht thematisiert.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Durch die Orientierung auf Selbstversorgung wird Bezug genommen auf überindividuelle und überkollektive Gemeinwesen als Mindestgebiet wirtschaftlicher Tätigkeit. Dadurch ergibt sich eine inhärente Tendenz, die Reproduktion des Gemeinwesens als Eigenzweck zu verstehen, dem die Individuen sich – im eigenen Interesse natürlich – unterordnen müssten.

Barefoot-Economy

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Die Ziele der wirtschaftlichen Tätigkeit werden im Barefoot-Konzept (nach Braun 1998, S. 487) schon breiter abgesteckt als im Gemeinwesenkonzept. Die Barfuß-Ökonomie versteht sich direkt als Ökonomie des Widerstandes gegenüber dem marktwirtschaftlichen Konzept des Wirtschaftswachstums. Und sie hat ein umfassenderes Verständnis von Bedürfnissen. Diese umfassen neben Subsistenz, Schutz, gefühlsmäßige Beziehungen, Verständnis, Teilnahme, Muße und schöpferischer Tätigkeit neuerdings auch Identität, Freiheit und Transzendenz.

Selbstentfaltungs-Ökonomie

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Der durch die Diskussion der Produktionsweise von Freier Software entstandene Diskussionszusammenhang Oekonux (mit dezentral verteilter AutorInnenschaft) entwickelt eine noch weitergehende Vorstellung einer Freien Wirtschaft und Gesellschaft. Ich möchte dies hier im Kontrast zum Gemeinwesenkonzept genauer darstellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Zuerst möchte ich die Gemeinsamkeiten hervorheben:

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Diese Übereinstimmungen sollen spezifische Differenzen nicht verdecken:

[Alle Kommentare ausblenden] (32) Das soll nicht heißen, dass die Gedanken zu einer Selbstentfaltungs-Gesellschaft bereits vollständig ausgegoren seien. Wir haben uns noch vielen Fragen ausdrücklich zu widmen. Das Verhältnis von allgemeiner Reproduktion und Produktion im üblichen ökonomischen Sinne ist genauer zu diskutieren (vor allem in Hinsicht auf die von Frauen eingebrachten Aspekte). Die Ökologie-Frage ist mit dem obigen Vermerk auf ihr Enthaltensein in individuellen Bedürfnissen noch nicht abgearbeitet und auch das Verhältnis von materieller und immaterieller Produktion (bei Zunahme der Bedeutung der Informationssphäre) ist noch nicht ausreichend geklärt worden. Diese Texte hier in CONTRASTE sind teilweise eine erste explizite Bezugnahme auf solche Fragen, nachdem das Grundsätzliche auf ziemlich fundierter Grundlage ausgearbeitet wurde. Die weitere Arbeit wird weiter dezentral-vernetzt vor allem im Internet erfolgen und abhängig davon, wie viele Menschen sich mit welchen Beiträgen beteiligen, kann das Konzept weiter qualifiziert werden. wir laden herzlich dazu ein...

Weitere Fragen

[Alle Kommentare ausblenden] (33) Ich trage hier noch einige Fragen zusammen, die ich gern in OpenTheory speziell zur Diskussion stellen möchte (Vielleicht sind ja auch einige Fragen falsch gestellt...)

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Inwieweit umgeht das Konzept der Selbstentfaltungsökonomie die Probleme der Alternativen Ökonomie? (Selbstausbeutung, keine Akkumulation...) Reicht der Verweis auf Verwertungsfreiheit hier tatsächlich aus?

[Alle Kommentare ausblenden] (35) Braucht auch die Selbstentfaltungsökonomie zusätzliche "vehemente politische Unterstützung"? Oder ist sie ein Selbstläufer?

[Alle Kommentare ausblenden] (36) Sollten wir, bzw. wie können wir mit den sich herausbildenden Lokalen Ökonomien bzw. Gemeinwesenökonomien zusammen arbeiten?

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Inwieweit ist die Selbstentfaltungsökonomie anti-patriarchal? Ist sie das "von selbst", oder was ist dazu noch vonnöten?

[Alle Kommentare ausblenden] (38) Inwieweit sind jene Tätigkeiten mit berücksichtigt, die in der traditionellen Ökonomie unsichtbar bleiben und die vorwiegend von Frauen gemacht werden? (bis hin zum Kloputzen).

[Alle Kommentare ausblenden] (39) Wie geht die Selbstentfaltungsökonomie mit der Ökologie um? Reicht die Hoffnung darauf, daß in Freien Vereinbarungen alle von selber darauf achten?

[Alle Kommentare ausblenden] (40) Ist es wirklich gesichert, daß genug Menschen aus ihrer eigenen Selbstentfaltung heraus das Bedürfnis haben, sich um die Alten, Kranken, Schwachen, Kinder etc. zu kümmern?

[Alle Kommentare ausblenden] (41) Wie halten wirs mit dem Eigentum an Produktionsmitteln? Brauchen wir den Kapitalisten wirklich nichts mehr wegnehmen? Von Bits und Bytes können wir uns alle nicht ernähren, auch wenn deren Bedeutung relativ und absolut anwächst.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) weitere Fragen:...




Quelle: http://www.opentheory.org/andereoekonomie/text.phtml
(Last Software Update: 06.01.2002, 21:20)