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Hinter dem Castor steht das Systeme
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Maintainer: Jörg Bergstedt, Version 1, 22.05.2001  Druckversion
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Hinter dem Castor steht das System! Der Widerstand gegen den Castor gilt dem System!

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Der Castor fährt nicht nur, weil Grüne so schlapp sind. Weil Trittin und Schröder nur früher gegen die Atomkraft kämpften, als sie wenig zu sagen hatten. Weil Gutachten gekauft sind und überall Lügen und Betrug herrschen. Das alles stimmt auch, aber es ist nicht der Grund. Sondern: Der Castor kann rollen, weil wir in einer Welt leben, in der es Herrschaft und Verwertungslogik gibt, allen voran in der Form von Markt und Kapital.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Markt und Verwertung haben die Gesellschaft und unser Leben bis in die letzte Ecke erfaßt. Alles wird verwertet, alles der Logik von Verwertung und Profit unterworfen. Alles, was verwertbar ist, wird verwertet: Arbeitskraft, Kreativität, Boden, Wasser oder Luft, neuerdings die Gene, Krankheit und Gesundheit, Gedanken und Ideen. Und eben auch irgendwelche herumstehenden Atomkraftwerke. Ohne Verwertungs- und Profitlogik würde kein Castor fahren. Aber er würde auch nicht fahren ohne die Herrschaft, hier den Staat, der Verwertung und Profit sichert, aber zudem eigene Logiken aufweist. Diese Facetten sind untrennbar mit der Herrschaft und damit auch immer mit Regierungen und Institutionen verbunden. Es gibt keinen guten Markt und keinen guten Staat. Eine dieser Logiken will ich nennen: Herrschaft bedeutet die Möglichkeit, die Folgen eigener Entscheidungen auf andere abzuwälzen. Und darum fährt der Castor. Müßten Konzerne und Regierungen die Brennstäbe im eigenen Garten lagern - es gäbe keine Atomkraft. Urangewinnung, Transporte, Uranverarbeitung und Wiederaufarbeitung - nix gäbe es ohne die Existenz von Herrschaft.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Verwertung und Herrschaft, Markt und Staat sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer behauptet, sie stünden einander gegenüber, hat eine falsche Analyse. Ohne die Büttel und ExekutorInnen der Enteignung, der öffentlichen Meinungsmache, inneren Sicherheit und sogenannten Rechtssprechung, ohne all diese Institutionen mit ihren Paragraphen oder Knüppeln in der Hand wäre auch Profit nicht möglich. Und der Castor würde nicht rollen. Herrschaft und Verwertung, Staat und Markt sind überall, sie sind die durchgreifenden Wirkungsmechanismen überhaupt. In ihnen und mit ihnen gibt es nichts Richtiges im Falschen.

Und darum möchte ich aufrufen ...

[Alle Kommentare ausblenden] (4) * zu einem Widerstand, der die Symbole angreift, aber die dahinterstehenden Mechanismen von Herrschaft und Verwertung benennt. * zu einem Leben und einer Politik, die sich lossagt von Staat und Markt. Sie sind keine Partner, sondern Gegner! * für einen politischen Stil, der in den Menschen die Verbündeten sucht und findet, nicht in FunktionärInnen, Parteien oder Institutionen.

Zu den Grünen:

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Wir stehen hier vor dem Parteitag der Grünen. Viele trauern den Grünen hinterher, erinnern an ihre Wurzel und beweinen den Verlust der Glaubwürdigkeit. Diese Analyse ist falsch. Es gibt keine Herrschaft ohne Kontrolleure und das Abschieben der Folgen. Es gibt keine Marktwirtschaft ohne Verwertung und Profit. Darum konnten die Grünen gar nicht anders. Sie sind ein Teil der Herrschaftssysteme und daher sind sie nicht nur den Machtmechanismen unterworfen - nein, sie reproduzieren sie selbst. Sie sind nicht Opfer, sondern Täter. Allen, die Teil von Herrschaft und Verwertung werden, würde das passieren. Und es passiert - überall. Wo immer sich Firmen, die mit Idealen starten, auf den Markt einlassen, werden sie selbst zu denen, die die Marktmechanismen durchsetzen. Wo immer sich Gruppen oder Institutionen der Herrschaft bedienen, mit dem Staat paktieren, reproduzieren sie deren Logiken selbst. Nein, die Grünen haben keine Fehler. Sie und alle anderen Teile der Herrschaft sind der Fehler. Und zwar von Anfang an. Es geht nicht darum, die Grünen aus der Anti-Atom-Bewegung zu verabschieden, sondern sich von der Idee zu verabschieden, daß emanzipatorische Politik mit Markt und Staat möglich sind! Aus dem Widerstand verabschiedet sich nicht erst, wer die letzten Ideale über Bord wirft, sondern wer selbst zum aktiven Teil von Markt oder Herrschaft wird - oder zu deren Bütteln und HelfershelferInnen.

Aber ich möchte noch etwas schlußfolgern:

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Wenn Staat und Markt der Grund und der Rahmen für Unterdrückung, Ausbeutung und Zerstörung sind, dann können die von ihnen und zu ihrem Schutz gemachten Gesetze nicht die unsrigen sein. Der Rahmen für unseren Widerstand kann nicht aus den Spielregeln derer bestehen, gegen die sich unser Widerstand richtet. Daher rufe ich auf zu allen kreativen, direkten, inhalts- und einfallsreichen und für das Leben, vor allem ein besseres und selbstbestimmtes Leben eintretenden Aktionen. Wählen wir unsere Formen selbst. Zeigen wir die Direktheit und Vielfalt, die in den Menschen auch tatsächlich schlummert, wenn sie nicht den Zwängen von Verwertung und Herrschaft unterworfen sind. Machen wir den Castor zu einer wirkungsvollen Aktion gegen die Atomkraft, gegen die dahinterstehenden Logiken und für eine Welt von unten. Stoppt Castor! Stoppt Herrschaft und Verwertung!




Quelle: http://www.opentheory.org/castor_kapitalismus/text.phtml
(Last Software Update: 06.01.2002, 21:20)