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Eigentum und Produktion am Beispiel der Freien Software
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Maintainer: Stefan Merten, Version 2, 27.07.2002  Druckversion
Projekt-Typ:
Status: Archiv

Eigentum und Produktion am Beispiel der Freien Software

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Vorbemerkung: Der vorliegende Text versteht sich als Teil eines Work in Progress. Er versucht bestimmte Gedankengänge, die im Projekt Oekonux gewachsen sind, auf das in der Überschrift genannte Thema zu fokussieren und einige neue Gesichtspunkte herauszuarbeiten. Er kann einige Aspekte nur anreißen und er versteht sich keinesfalls als abgeschlossen. Ziel wäre vielmehr die Anregung einer Diskussion.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) ToDo: Bemerkungen zu Durchkapitalisierung und Machtlosigkeit

Begriffsklärungen

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Vor einer direkten Befassung mit dem Thema dieses Textes möchte ich gerne die Begriffe klären, die verwendet werden. Neben der Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses scheint mir dies auch die Möglichkeit zu geben, diese teils sehr alten Begriffe in einem neuen Licht zu betrachten, das in einer emanzipatorischen Vision auf eine neue Vergesellschaftungsform jenseits alter Konfliktlinien hindeutet.

Individuelles Eigentum

Eigentum als formales Konstrukt

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Der Begriff Eigentum ist an sich schon ein sehr vielschichtiger Begriff. Eine eingehende Betrachtung des Begriffs kann im Rahmen dieses Textes nicht geleistet werden. Wichtig ist jedoch, daß Eigentum eine soziale Form ist, die nicht ohne eine formale Festlegung auskommt. In der bürgerlichen Gesellschaft wird diese Festlegung i.d.R. in Verträgen festgehalten. Die Notwendigkeit einer formalen Festlegung deutet aber schon an, daß es sich beim Eigentum nicht um eine selbstverständliche soziale Praxis handelt. Vielmehr ist es eine Form, die notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden muß.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Mit Blick auf eine emanzipatorische Vision ist es sinnvoll, dem Eigentum den Begriff Besitz entgegenzustellen. Im Gegensatz zum Eigentum beschreibt Besitz ein Verhältnis zwischen Menschen und Dingen, das einer bestimmten sozialen Praxis entspricht: Ein Mensch be-sitzt genau dann etwas, wenn eine direkte Nutzung des Dings durch die BesitzerIn erfolgt.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Aus diesem kleinen Unterschied ergeben sich erhebliche Konsequenzen. So ist die Menge von Dingen, für die ein einzelner Mensch als EigentümerIn auftreten kann, nicht nur grundsätzlich unbegrenzt, sondern auch jenseits vertraglicher Festlegungen nicht unbedingt ersichtlich. Die Menge von Dingen, die ein Mensch direkt nutzt, ist hingegen nicht nur verhältnismäßig begrenzt, sondern auch im sozialen Kontext vergleichsweise einfach erkennbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Ein Beispiel aus unserer alltäglichen Lebenspraxis macht diese Unterscheidung augenfällig: Die MieterIn einer Wohnung ist deren BesitzerIn, da sie die Wohnung direkt nutzt. Die VermieterIn ist hingegen die EigentümerIn der Wohnung, die nur indirekten Nutzen aus der Wohnung zieht - eben die Miete.

Eigentum wozu?

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Wollen wir den Begriff Eigentum in einer emanzipatorischen Vision verwenden, so ist zu klären, welchen konkreten Nutzen Eigentum eigentlich hat. Nur so können die wünschenswerten Teile eines solchen Begriffs in eine neue Vergesellschaftungsform hinübergenommen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Naheliegend ist der Nutzen der Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten, die durch Eigentum gegeben sind. Per Definition vergrößert Eigentum die Handlungsmöglichkeiten der EigentümerIn, weil es ihr mehr oder weniger unbeschränkte Verfügungsmöglichkeiten über das Eigentum gewährt - bis hin zur Zerstörung des Eigentum. Eine Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten ist aber zunächst stets eine Erweiterung von Freiheit, so daß diese Qualität von Eigentum in einer emanzipatorischen Vision erhalten bleiben muß.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Auf der anderen Seite schränkt Eigentum natürlich auch Handlungsmöglichkeiten und damit Freiheit ein - nämlich gerade für die Nicht-EigentümerInnen. Wenn eine EigentümerIn die Verfügungsgewalt über ein Eigentum hat, so hat sie damit natürlich auch die Möglichkeit andere von der Nutzung des Eigentums auszuschließen.

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Dieser Ausschluß der Nutzung durch andere kann einerseits inhaltliche Gründe haben. Dies ist inbesondere dann gegeben, wenn die direkte Nutzung des Eigentums - der Besitz also - nicht anders als durch Ausschluß anderer gewährleistet werden kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Andererseits gibt es aber auch indirekte Gründe, die einen Nutzungsausschluß der Nicht-EigentümerInnen für die EigentümerIn attraktiv machen. Die bürgerliche Gesellschaft ist geradezu darauf gegründet, durch Ausgrenzung der Nicht-EigentümerInnen deren Bedürfnisbefriedigung unter Bedingungen zu stellen. Bei Waren schlägt sich dies im Kaufpreis nieder, der als Bedingung für die Übertragung des Eigentums gestellt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) ToDo: Link zu Lizenzen, die keine Eigentumsübertragung darstellen, sondern lediglich ein Nutzungsrecht einräumen?

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Zusammen mit der formalisierten und in auf Eigentum gegründeten Gesellschaften mit Gewalt bewehrten Eigenschaft der Unbegrenztheit, eignet sich Eigentum hervorragend, um neben einer direkten Nutzung auch indirekte, entfremdete Nutzungsarten zu ermöglichen.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Das Beispiel der Mietswohnung zeigt dies: Während die MieterIn eine direkte Nutzung der Wohnung betreibt, hat die VermieterIn nur ein entfremdetes, nämlich geldförmiges Interesse an der Wohnung. Dieses entfremdete Interesse ist aber der zentrale Antrieb für den Erwerb von Eigentum.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Mit dem Entfremdungspotential von Eigentum geht ein erheblicher Teil der negativen Eigenschaften einher, die in einer emanzipatorischen Vision überwunden werden müssen.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) In der bürgerlichen Gesellschaft wird Eigentum insbesondere dazu eingesetzt, um Knappheit zu erzeugen. Besonders augenfällig wird dies heute in den Debatten um geistiges Eigentum. Während durch die historisch neue Möglichkeit der digitalen Kopie Informationen heute praktisch zum Nulltarif beliebig reproduzierbar sind, müssen sie zur Erhaltung der Wareneigenschaft künstlich verknappt werden - denn nur knappe Güter können sinnvoll verkauft werden und erst dadurch Wareneigenschaft bekommen. Scheint bei Gütern mit nennenswerten Produktionskosten eine Verknappung noch durch die stofflich gegebene begrenzte Verfügbarkeit gerechtfertigt, so ist im Fall der Verknappung digitaler Kopien offensichtlich, daß die künstlich herbeigeführte Knappheit ausschließlich entfremdeten Geldinteressen dient.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Neben der Verknappung begünstigt die durch Eigentum mögliche Entfremdung aber noch einen weiteren, subtileren Aspekt. Die EigentümerIn ist nicht mehr primär an den stofflichen Qualitäten des Eigentums interessiert; vielmehr dienen diese nurmehr als Vehikel für die entfremdete Nutzung als Ware. Auf einem Markt, auf dem sich nur WarenanbieterInnen treffen, wird also tendenziell nicht die maximale, sondern nur noch die für eine Vermarktung gerade eben nötige stoffliche Qualität von Gütern erreicht. Für eine emanzipatorische Vision ist aber die Orientierung auf eine maximale Güterqualität unabdingbar, so daß auch von dieser Perspektive her eine Überwindung der Entfremdungspotentiale von Eigentum angezeigt ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Steht der direkte Nutzen eines Gutes zur Debatte, so ist die direkte NutzerIn zweifellos diejenige, die dies am besten beurteilen kann - auch wenn sie die entsprechenden Gütereigenschaften vielleicht nicht immer selbst erzeugen kann.

Besitz als emanzipatorische Form von Eigentum

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Verstehen wir Besitz also als das, was der direkten Nutzung durch die BesitzerIn unterliegt, so beinhaltet es die positive Eigenschaft von Eigentum (Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten), während es die negativen Qualitäten (Einschränkung von Bedürfnisbefriedigung der Nicht-EigentümerInnen, Entfremdungspotential mit Tendenz zu Verknappung und suboptimaler Qualität) vermeidet. In der Konsequenz können wir also unter emanzipatorischem Blickwinkel Eigentum als das verstehen, was wir heute als Besitz kennen.

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Ob es sich bei solchem Eigentum um individuelles oder kollektives Eigentum handelt ist nach diesen Definitionen unerheblich. Wenn von einer direkten Nutzung ausgegangen wird, dann unterscheidet sich kollektives Eigentum von individuellem dadurch, daß es der direkten Nutzung einer Gruppe von Menschen unterliegt anstatt eines einzelnen Individuums.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Allerdings tritt bei kollektivem Eigentum Konfliktpotential auf, da die Individuen des Kollektivs unterschiedliche Ansichten über die bezogen auf die kollektive Nutzung je angemessene Behandlung des kollektiven Eigentums haben können. Diese Frage liegt im Bereich der Konfliktlösung in Kollektiven und ist eine eigene Diskussion wert. Festzuhalten bleibt aber, daß das Konfliktpotential in den meisten Fällen erheblich entschärft sein dürfte, wenn entfremdete Nutzungen des kollektiven Eigentums gar nicht erst möglich sind, sondern es nur noch um eine Optimierung des konkreten Nutzens geht.

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Im Sinne einer emanzipatorischen Vision ist es also zunächst sinnvoll, auf den aus der bürgerlichen Gesellschaft tradierten Begriff Eigentum zu verzichten, und stattdessen vielmehr auf den aus einer sozialen Praxis gewachsenen Begriff Besitz einzugehen. Dies fällt deswegen leicht, weil Besitz die für eine emanzipatorische Vision wesentlichen Qualitäten des Begriffs Eigentum umfaßt, während es andere, eher hinderliche Qualitäten vermeidet.

[Alle Kommentare ausblenden] (25) ToDo: Besitz und Verantwortung => Stellt sich automatisch ein

[Alle Kommentare ausblenden] (26) ToDo: Wenn Knappheit überwunden wird, wird Eigentum überflüssig.

Vergesellschaftete Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (27) Ist Eigentum ein recht vielschichtiger Begriff so scheint der Begriff Produktion wesentlich leichter greifbar zu sein: Vorgänge, in denen Naturstoffe oder Vorprodukte in andere Produkte umgewandelt werden. Dabei ist es von einem sachlichen Standpunkt aus unerheblich, wer bestimmte Teile einer Produktion konkret zuwege bringt (Maschine, Mensch oder auch ein Naturprozeß). Weiterhin ist es unerheblich, ob es sich bei dem Produkt um ein stoffliches oder geistiges Produkt handelt.

[Alle Kommentare ausblenden] (28) Sprechen wir von vergesellschafteter Produktion, so ist damit zunächst eine Produktionsweise gemeint, bei der nicht einzelne Menschen oder kleine Gruppen autonom die Produktion je ihrer Gütern regeln, sondern bei denen der Produktionsprozeß über die Gesellschaft verteilt ist. Hierbei gilt es mehrere Aspekte zu unterscheiden.

Ausführung der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (29) Die Produktion komplexer Produkte, wie sie auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung die Regel sind, wird nicht von einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen zuwege gebracht. Vielmehr fließt in komplexen Produkten eine Vielzahl elementarer Produktionsprozesse zusammen, die von ganz unterschiedlichen Akteuren beigesteuert werden. Heute sind die Akteure dabei durchaus über den gesamten Globus zerstreut.

[Alle Kommentare ausblenden] (30) Die ungeheure Arbeitsteiligkeit moderner Produktion ist ein unmittelbares Ergebnis einer ständig steigenden Komplexität des Gesamtproduktionsprozesses an sich. Diese steigende Komplexität ist ihrerseits ein Ausfluß der technischen Entwicklung, die immer zahlreichere und immer differenziertere technische Vorgänge ermöglicht, die für die Produktion relevant sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (31) Ein mögliches Ergebnis dieser Technikentwicklung ist die immer stärkere Automatisierung, in der Produktionsprozesse von Menschen auf Maschinen verlagert werden. Automatisierung kann überall dort stattfinden, wo die spezifischen Fähigkeiten von Menschen durch maschinelle Prozesse ersetzt werden können. Dieses Potential von Automatisierung erhöht die Handlungsmöglichkeiten von Menschen, da diese dann die Wahl haben, ob sie den automatisierbaren Prozeß selbst ausführen wollen, oder ob sie ihre Zeit und Energie lieber mit anderen Dingen zubringen wollen. Daher muß eine weitere Steigerung von Automatisierung in einer emanzipatorischen Vision von zentraler Bedeutung sein.

[Alle Kommentare ausblenden] (32) Weiter ist festzuhalten, daß die hohe Arbeitsteiligkeit eine ungeahnte Menge an Gebrauchswerten hervorbringt, die mit weniger Arbeitsteilung nicht erreicht werden kann. Die Arbeitsteilung ist dabei auch eine Folge der ständig steigenden Komplexität der gesamtgesellschaftlichen Produktion sowohl hinsichtlich der Vielzahl von Produktionsprozessen als auch hinsichtlich ihrer inneren Differenziertheit und Kompliziertheit. Aus diesem Grund kann eine emanzipatorische Vision einer vergesellschafteten Produktion nicht ohne guten Grund hinter den erreichten Grad an Arbeitsteiligkeit zurückfallen.

[Alle Kommentare ausblenden] (33) ToDo: Spezialisierung und Zentralisierung

Organisation der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Findet die Produktion eines Guts nicht in einer sozialen Einheit (z.B. Betrieb) statt, so benötigen die über die Gesellschaft verstreuten ProduzentInnen eine Organisation, die den konkreten Ablauf und das möglichst reibungslose Ineinandergreifen verschiedener Produktionen regelt.

[Alle Kommentare ausblenden] (35) In geldbasierten Gesellschaft geschieht diese, in einer arbeitsteiligen Produktionsweise objektiv notwendige Organisation durch die "unsichtbare Hand des Marktes", die sich allerdings bekanntlich nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, sondern vielmehr an Kapitalströmen orientiert ist. Folgerichtig funktioniert diese Organisation gar nicht, wenn in einer geldbasierten Gesellschaft der Faktor Geld aus dem einen oder anderen Grund herausgenommen wird. Tauschringe belegen z.B. eindrucksvoll, wie nach wie vor auf Tausch fixierte Geldmonaden eine echte Produktion in der Regel gar nicht und wenn dann nur auf niedrigstem Niveau hinbekommen.

[Alle Kommentare ausblenden] (36) Eine emanzipatorische Vision hätte also Lösungen für dieses Organisationsproblem zu benennen.

Entscheidung über die Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Der dritte Aspekt einer vergesellschafteten Produktion, der mit der Frage der Organisation zwar zusammenhängt, aber dennoch getrennt davon zu betrachten ist, ist die Frage, wer darüber entscheidet, was wann produziert werden soll. In einer emanzipatorischen Vision ist grundsätzlich davon auszugehen, daß die Produktion sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Entscheidungen über die Produktion müssen sich daher einerseits an den Nutzungsbedürfnissen der Menschen orientieren. Andererseits müssen sie die Bedürfnisse der Menschen in der Produktion selbst berücksichtigen.

[Alle Kommentare ausblenden] (38) Fallen entfremdete Interessen wie das Geldinteresse weg, so reduzieren sich die möglichen Konflikte in solchen Entscheidungsprozessen auf unterschiedliche Einschätzungen sachlicher Aspekte. Die Entscheidungen über den Einsatz z.B. von Naturressourcen wird dadurch sicher nicht wirklich leicht, aber sicher wäre schonmal viel gewonnen, wenn wir immer auf der sachlichen Ebene einer Entscheidung bleiben könnten und nicht sachfremde, entfremdete Interessen inhaltlich sinnvolle Lösungen blockieren würden.

Universelle Entwicklung der Individuen

[Alle Kommentare ausblenden] (39) Einfach ist die Antwort auf die Frage, was unter der universellen Entwicklung der Individuen zu verstehen ist: Selbstentfaltung.

[Alle Kommentare ausblenden] (40) Der Begriff der Selbstentfaltung geht dabei über den individualisierenden Begriff der Selbstverwirklichung hinaus, indem er ständig das gesellschaftliche Sein eines Menschen im Blick behält. Gleichzeitig ist Selbstentfaltung ein Wachstumsprozeß, der erst mit dem Tod des Individuums endet.

[Alle Kommentare ausblenden] (41) Die Inhalte von Selbstentfaltung - was also ein Individuum als Selbstentfaltung begreift - sind dabei so verschieden wie die Individuen selbst. Insbesondere ist es durchaus möglich, daß Tätigkeiten, die einem Menschen zuwider sind, anderen Freude bereiten und damit Teil ihrer Selbstentfaltung sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) Ein Teil von Selbstentfaltung ist die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln, da eine entfaltete Persönlichkeit ohne ein Bewußtsein von Verantwortung undenkbar ist. Aus einer solchen Annahme von Verantwortung wird auch die Erledigung ungeliebter Notwendigkeiten ein Teil von Selbstentfaltung - wobei dann die Abschaffung solcher Notwendigkeiten ebenso ein Ziel von Selbstentfaltung sein wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (43) ToDo: Ausführlicher

Universelle Entwicklung der Gesellschaft

[Alle Kommentare ausblenden] (44) Individuelle Selbstentfaltung so verstanden eröffnet in einer emanzipatorischen Vision die Möglichkeit einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder nicht mehr strukturell oder unmittelbar zwingen muß, sondern wo sich die individuelle Unterschiedlichkeit der Menschen zu einem komplexen Ganzen verwebt. In einer solchen gesellschaftlichen Formation wird die individuelle Selbstentfaltung genauso die Voraussetzung für die Entfaltung der Gesamtgesellschaft, wie die Entfaltung der Gesamtgesellschaft Lebensgrundlage und Mittel für die individuelle Selbstentfaltung bietet.

[Alle Kommentare ausblenden] (45) Eine Gesellschaftsformation in der das Gesamtinteresse und das individuelle Interesse so stark übereinstimmen, wird viele Probleme, die heute aus der (erzwungenen) Konkurrenz von Gesellschaftsmitgliedern erwachsen, gar nicht erst haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (46) ToDo: Herrschaftsmodell als universelle Entfaltung der Gesellschaft?

[Alle Kommentare ausblenden] (47) ToDo: Staat?

Bedingungen einer emanzipatorischen Vision

[Alle Kommentare ausblenden] (48) Nach diesen Begriffsklärungen möchte ich nun eingehender zum Thema des Textes Stellung nehmen. Dabei ist unter anderem zu erörtern, ob die oft angenommene Widersprüchlichkeit "von individuellem Eigentum und vergesellschafteter Produktion" überhaupt sein muß. Es könnte ja durchaus sein, daß Verhältnisse, die gerade auf der Vereinbarkeit von individuellem Eigentum und vergesellschafteter Produktion gründen, die Voraussetzung einer emanzipatorischen Vision auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (49) Als ständig wiederkehrendes Beispiel für ein modernes Phänomen, das einige dieser Verhältnisse keimförmig zeigt, soll in diesem Text die Freie Software dienen. Dazu zunächst einige Erläuterungen.

Freie Software

Zum Begriff Freier Software

[Alle Kommentare ausblenden] (51) ToDo: Füllen

Zur Geschichte Freier Software

[Alle Kommentare ausblenden] (52) ToDo: Füllen

Freie Software als Keimform

[Alle Kommentare ausblenden] (53) Wenn wir von dem Phänomen Freie Software als Keimform einer neuen Vergesellschaftungsform sprechen, so betonen wir damit, daß an diesem Phänomen Aspekte studiert werden können, die in ihrer Tendenz auf eine Überwindung überkommener Formen der Geldgesellschaft verweisen. Damit ist weder ausgesagt, daß Freie Software als solche die Geldgesellschaft überwinden kann, noch daß es einen irgendwie gearteten historischen Automatismus gibt, der die Menschen von politischem Handeln befreit.

[Alle Kommentare ausblenden] (54) Als Keimform zeigt Freie Software allerdings Formen menschlichen Handelns auf, die auf eine emanzipatorische Weise die Geldgesellschaft ganz praktisch in einigen Bereichen hinter sich lassen. Zwar gibt es viele historische Beispiele für Vorgänge, die ebenfalls die Geldgesellschaft hinter sich ließen, jedoch keines, das so unerwartet so erfolgreich geworden wäre und auch sonst so viele interessante Aspekte aufzuweisen hat:

[Alle Kommentare ausblenden] (55) * Freie Software hat als Produkt einen hohen gesellschaftlichen Nutzen sowohl was die pure Verfügbarkeit für viele Menschen betrifft als auch die konkrete Qualität, die in Freier Software oft steckt. Dies erhöht die Handlungsmöglichkeiten vieler Menschen erheblich.

[Alle Kommentare ausblenden] (56) * Freie Software wird von ganz normalen Menschen hergestellt, weil es zu deren unmittelbarer Selbstentfaltung gehört. Ideologische Überlegungen gehören dazu nur selten. Die Handelnden in diesem Prozeß sind also keine besseren, weiseren oder sonstwie übermäßig begnadeten Menschen. Oft sind sie aber auf ihrem Gebiet hervorragend.

[Alle Kommentare ausblenden] (57) * Die ProduzentInnen Freier Software organisieren sich nach je eigenem Gusto in verschiedenster, je ihren Bedürfnissen angepaßter Weise. Hier wird ganz selbstverständlich ein soziales Experimentierfeld genutzt, auf dem unterschiedlichste Formen nebeneinander existieren können.

[Alle Kommentare ausblenden] (58) * Ganz praktisch unterläuft Freie Software die Geldform - nicht aus karitativen Gründen sondern unter anderem weil die Geldform die Effizienz der Produktion schmälern würde. Hier ist deutlich zu erkennen, wie die Entwicklung der Produktivkräfte beginnt über die Produktionsverhältnisse hinauszuwachsen.

[Alle Kommentare ausblenden] (59) * Freie Software konnte sich in erheblichen Bereichen gegen einen etablierten Warenmarkt durchsetzen und die Entwicklung auf diesem Sektor ist noch lange nicht abgeschlossen. Insbesondere dieser Erfolg dürfte bislang noch keinem Produkt vergönnt gewesen sein, das auf ähnlichen Grundlagen wie Freie Software hergestellt wurde.

[Alle Kommentare ausblenden] (60) * Freie Software wird mit hochmodernen technischen Mitteln erstellt, die die Spitze der Produktivkraftentwicklung darstellen. Immer öfter wird die Produktivkraftentwicklung selbst sogar von Entwicklungen in der Freien Software vorangetrieben. Das Internet als ein Ausfluß Freier Entwicklung hat mittlerweile sogar schon für - mittlerweile zusammengebrochene - Hypes auf den Geldmärkten gesorgt.

[Alle Kommentare ausblenden] (61) * Die ProduzentInnen Freier Software kooperieren ganz selbstverständlich auf internationaler Basis. Dabei übertreffen sie locker die Bemühungen der mächtigsten Firmen der Geldgesellschaft, die mit der Zusammenführung unterschiedlichster Kulturen nach internationalen Übernahmen trotz teilweise erheblichem Mitteleinsatz oft riesige Schwierigkeiten haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (62) * Trotz des transkapitalistischen Gehalts Freier Software engagieren sich große Firmen wie IBM erheblich für dieses Entwicklungsmodell und staatliche Stellen von ganz unten (Kommunen) bis ganz oben (Bundestag) beginnen sich auf breiter Front für den Einsatz Freier Software zu interessieren. Gerade dieser Widerspruch scheint ein Hinweis auf die Keimformeigenschaft, da in ihr die ansatzweise die Synthese sichtbar wird, die eine Keimform aus These und Antithese der vorherigen Formation bilden muß, um erfolgreich als Muster für ein neues Modell gelten zu können.

Eigentum

[Alle Kommentare ausblenden] (63) In den folgenden Betrachtungen spielt die Unterscheidung zwischen individuellem und kollektivem Eigentum eine untergeordnete Rolle. Ich lasse sie daher beiseite.

[Alle Kommentare ausblenden] (64) Ich unterscheide im folgenden dagegen zwischen Informationsgütern und materiellen Gütern. Diese Unterscheidung kann zwar getroffen werden, seit die Menschheit existiert, jedoch ist die Bedeutung von Informationsgütern erst in unserer Zeit in ein entscheidend neues Stadium getreten.

[Alle Kommentare ausblenden] (65) Der eigenständige Charakter von Informationsgütern ergibt sich daraus, daß Informationsgüter zwar immer an ein materielles Substrat gebunden sind (z.B. Bücher, CDs, Gehirne), das Wesen des Guts aber nicht auf dieses materielle Substrat reduzierbar ist. Dies bedeutet insbesondere auch, daß das je verwendete Substrat austauschbar ist, solange die Information nur geeignet darauf repräsentiert werden kann. Mit der modernen Technikentwicklung entmaterialisiert dieses Substrat immer mehr. Beim Surfen durch das World Wide Web (WWW) ist - abgesehen von kurzlebigen Platten-Caches - spätestens nach dem Ausschalten des Surf-Computers die abgerufene Information wieder vollständig von jeglichem lokalen materiellen Substrat verschwunden. Selbst bei Mobiltelefonen ist das Substrat der Informationsübertragung nur noch mit aufwendigen Messungen überhaupt sichtbar zu machen.

Eigentum an Informationsgütern

Geistiges Eigentum in der Geschichte

[Alle Kommentare ausblenden] (67) Historisch ist das Konzept des Eigentums an Informationsgütern - besser bekannt unter der Bezeichnung geistiges Eigentum - relativ neu. Tatsächlich deutet vieles darauf hin, daß dieses Konzept erst entstanden ist, als Informationsgüter an materielle Güter nicht nur gebunden wurden, sondern diese auch auf einem Markt verkauft werden konnten. Hierzu gibt es Beispiele sowohl aus dem Bereich der Bücher als auch der Musikmedien (Schallplatten und ihre Vorläufer).

[Alle Kommentare ausblenden] (68) Das Interesse an dem Konzept des geistigen Eigentums liegt daher damals wie heute nicht so sehr bei den ProduzentInnen des geistigen Eigentums sondern vielmehr bei den Verlagen, die dieses geistige Eigentum aufbereiten, auf ein materielles Substrat übertragen und dieses Substrat vertreiben. Das Interesse der Verlage folgt unmittelbar daraus, daß dieses materielle Substrat als verkaufbare Ware dienen soll und daher sowohl das Substrat selbst als auch die auf ihm repräsentierte Information knapp sein und bleiben muß. Ist diese Knappheit nicht mehr gewährleistet, so ist die Verkäuflichkeit der Informationsware und damit die Profitgenerierung der Verlage bedroht.

[Alle Kommentare ausblenden] (69) Die ProduzentInnen hatten und haben dagegen im allgemeinen kein besonderes Interesse an einer Verknappung. Sie stellen ja im Gegenteil das Informationsgut im allgemeinen vielmehr zur allgemeinen Benutzung her. Besonders deutlich wird dies in der Wissenschaft, wo seit jeher der Fluß von Informationen in der Wissenschaftsgemeinschaft als Fundament für die Weiterentwicklung angesehen wurde. Jede Verknappung behindert diesen Fluß und damit die Weiterentwicklung der Wissenschaft. Eine Verknappung von Information ist auch nicht durch eine Begrenzung begründet, da Information im Gegensatz zu materiellen Gütern die Eigenschaft hat, durch Verbreitung nicht weniger zu werden: Das Wissen, daß in meinem Kopf ist, wird nicht dadurch weniger, daß ich es anderen mitteile. Genausowenig wird die Information auf einer CD dadurch weniger nützlich, daß eine Kopie von ihr angefertigt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (70) Natürlich müssen in der Warengesellschaft auch WissenschaftlerInnen und z.B. KünstlerInnen ein Einkommen haben. Es ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, daß dieses Einkommen unmittelbar an die Erzeugung von Informationsgütern gebunden ist. Tatsächlich werden WissenschaftlerInnen in der Regel nicht für bestimmte Einzelleistungen bezahlt, sondern werden für ihre wissenschaftliche Arbeit im Ganzen entlohnt. Historisch ähnelt dies den Mönchen, deren Versorgung durch das Kloster sichergestellt war. Deren individuelle Leistung bei der Erzeugung von Informationsgütern wurde dagegen als so irrelevant betrachtet, daß heute oft nicht mal mehr zu ermitteln ist, wer bestimmte Leistungen tatsächlich vollbracht hat.

Geistiges Eigentum heute

[Alle Kommentare ausblenden] (71) Betrachten wir die Entwicklung der Produktivkräfte, so läßt sich feststellen, daß die Bedeutung von Information immer stärker steigt. Dieser Trend, der von Marx als Verwissenschaftlichung bezeichnet worden ist, läßt sich in der Realität vielfach verorten: Eine moderne industrielle Produktionsstätte ohne Computer ist heute kaum noch vorstellbar - nicht zu reden von dem vielfältigen Geflecht von Lieferbeziehungen zwischen den Produktionsstätten.

[Alle Kommentare ausblenden] (72) Konsequenterweise verschiebt sich auch der Fokus bei den Eigentumsverhältnissen. Dabei verliert das Eigentum an materiellen Produktionsmitteln zunehmend an Bedeutung. Dies wird z.B. im Franchising sichtbar, bei dem nicht mehr konkrete Produktionsmittel im Vordergrund stehen, sondern nur noch Marken verkauft werden. Das Eigentum an Informationsgütern bzw. Informationswaren wird dagegen immer wichtiger. Es ist kein Zufall, daß die WIPO (World Intellectual Property Organization, http://www.wipo.org/) 1970 gegründet wurde, aber erst anläßlich des Copyright Treaty [http://www.wipo.int/treaties/ip/wct/index.html] 1996 sowohl an Bedeutung als auch an öffentlicher Wahrnehmung gewann.

[Alle Kommentare ausblenden] (73) Mit der digitalen Kopie betritt in dieser Situation eine technologische Entwicklung die Bühne der Geschichte, die mit ihren Möglichkeiten die Verbreitung (digitaler) Information so einfach macht wie nie zuvor. Auf der Grundlage der in den industrialisierten Staaten vorhandenen Infrastruktur ist das verlustfreie Erstellen von Kopien, mithin also die Reproduktion von Informationsgütern, mit vernachlässigbaren Kosten verbunden. Die besondere Eigenschaft von Informationsgütern durch Verbreitung nicht weniger zu werden, wird durch die digitale Kopie von einer grundsätzlichen Möglichkeit zur manifesten und alltäglichen Tatsache.

[Alle Kommentare ausblenden] (74) Dazu kommt, daß die digitale Kopie universell gegenüber den Inhalten ist, da immer nur gleichförmig Bits kopiert werden. Sie läßt sich hier mit dem Elektromotor als einer der entscheidenden Erfindungen der industriellen Ära vergleichen. Wie der Elektromotor maschinelle Bewegungsenergie überall da für jeden beliebigen Zweck verfügbar macht, wo Strom zur Verfügung steht, so ist mit der digitalen Kopie überall da die Reproduktion von Informationsgütern möglich, wo die entsprechenden Kopiereinrichtungen - d.h. Computer und ggf. Netzwerke - zur Verfügung stehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (75) Es liegt auf der Hand, daß hier ein Konfliktpotential entsteht. Auf der einen Seite sind die, die Verknappung von Informationsgütern benötigen, um die Wareneigenschaft der von ihnen gefertigten Informationsträger zu sichern. Diese Konfliktpartei braucht die durch geistiges Eigentum sichergestellte Verknappung überlebensnotwendig. Ein derzeit besonders öffentlichkeitswirksamer Konflikt spielt sich im Bereich der Musik ab, wo die Musikindustrie ein vitales Interesse daran hat, die überkommenen Formen von Erzeugung, Herstellung und Vertrieb von Musikwaren zu erhalten.

[Alle Kommentare ausblenden] (76) Auf der anderen Seite stehen einerseits die (potentiellen) NutzerInnen der Informationsgüter, die die Verknappung durch die Anbieter von Informationswaren als Preis erleben, der durch die Möglichkeiten der digitalen Kopie erheblich gesenkt werden könnte. Ein weiteres Beispiel sind hier die Raubkopien, die Software-Waren praktisch zum Nulltarif reproduziert.

[Alle Kommentare ausblenden] (77) Andererseits stehen auf der anderen Seite aber auch die ProduzentInnen der Informationsgüter selbst, die aus unterschiedlichen Gründen ein Interesse an der Verbreitung der Informationsgüter haben. In der Wissenschaft gibt es mittlerweile vielfältige Initiativen, die Ergebnisse wissenschaftlicher Tätigkeit allgemein zugänglich zu machen (s. z.B. die Public Library of Science [http://www.publiclibraryofscience.org/]).

[Alle Kommentare ausblenden] (78) Doch auch in Bereichen, in denen die digitale Kopie nicht unmittelbar eine Rolle spielt, gibt es Bewegungen, die die künstliche Verknappung von Information durch Patente und/oder Copyright-Regelungen zunehmend in Frage stellen. Bekannt geworden ist insbesondere das Beispiel der Herstellung von Generika (s. z.B. http://www.genericsnow.org oder http://www.accessmed-msf.org/). Hier wird die Information über die stoffliche Zusammensetzung eines Medikaments direkt für die Produktion des materiellen Guts eingesetzt, deren Kosten im Einzelfall relativ niedrig sind.

Freie Software und geistiges Eigentum

[Alle Kommentare ausblenden] (79) An vielen Stellen wird heute also die Legitimität zunehmend in Frage gestellt - kein Wunder, daß die entsprechenden Machtgruppen um so aggressiver auf einer Einhaltung des geistigen Eigentums bestehen. Gab schon bei Einführung des Patentregimes im 19. Jahrhundert heftige Diskussionen um diese Frage, so ist in der Tat heute immer weniger klar, inwieweit geistiges Eigentum einen positiven Beitrag zur Entfaltung der Menschheit leistet. Die heute durch technische Begrenzungen immer weniger begründete Verknappung dient allerdings der Sicherung der Profite einiger weniger.

[Alle Kommentare ausblenden] (80) Bei genauerem Hinsehen stellt sich auch das oft vorgebrachte Anreizargument als Scheinargument heraus: Wirklich innovative geistige Leistungen werden in aller Regel aus ganz anderen Motiven heraus vollbracht, als der Aussicht auf eine Vermarktung der in Warenform gegossenen Ergebnisse. Es gibt sogar Hinweise darauf, daß entfremdete Anreizsysteme wie Geld Motivation und damit kreative Leistung tendenziell gefährden (s. z.B. http://www.gnu.org/philosophy/motivation.html).

[Alle Kommentare ausblenden] (81) Mit der Freien Software ist seit knapp zwanzig Jahren nun ein Phänomen in der Entstehung begriffen, daß all diese Linien aufgreift und zu einer erfolgreichen Synthese vereinigt. Das staatliche Copyright-Regime wird bei Freier Software nur noch dazu benutzt, um es in sein Gegenteil zu verkehren: Copyleft. Das Konzept geistigen Eigentums ist für Freie Software insofern nicht mehr relevant, wie es zur Durchsetzung von Knappheit dient. Freie Software kann und soll vielmehr frei und ohne Behinderung fließen können. Dies umfaßt sowohl die direkt benutzbaren Programme als auch deren menschenlesbaren Quellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (82) Neben der Verfügbarkeit für potentielle NutzerInnen ist mit diesem Vorgehen auch ein maximaler Nutzen für die ProduzentInnen gewährleistet. Diese können auf freiwilliger Grundlage miteinander kooperieren und durch Code-Inspektion voneinander lernen, ohne daß sie durch eine künstliche Verknappung behindert würden. Sie tragen so gemeinsam zu einem ständig größer werdenden Pool Freier Informationsgüter bei, dessen gemeinsamer Nutzen ständig steigt.

[Alle Kommentare ausblenden] (83) Dadurch, daß künstliche Verknappung ausgeschaltet ist, gibt es auch keinen entfremdeten Nutzen mehr, der aus Freier Software gezogen werden könnte. Dies schlägt sich unmittelbar in der Produktqualität nieder, die gerade im Vergleich mit als Ware produzierter proprietärer Software oft in vielfältiger Weise höher ist. Augenfällig wird demonstriert, daß wenn entfremdete Gründe für eine Produktion nicht mehr existieren, der unmittelbare Nutzen eines Produkts der wichtigste Grund für seine Produktion wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (84) Auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung sind also sowohl die Handlungsmöglichkeiten von Individuen als auch eine überindividuelle Entfaltung maximal gewährleistet, wenn Informationsgüter allen Frei zur Verfügung stehen. Freie Software zeigt also keimförmig, wie im Bereich der Informationsgüter das Eigentum einer emanzipatorischen Vision aussehen muß: Es darf nicht existieren. Das Eigentumsregime in einer emanzipatorischen Vision hat im Bereich der Informationsgüter lediglich die künstliche Verknappung zu verhindern.

Eigentum an materiellen Gütern

[Alle Kommentare ausblenden] (85) Nun steht der Replikator, der beliebige materielle Güter auf Wunsch reproduzieren kann, im Gegensatz zur digitalen Kopie noch nicht zur Verfügung. Die technische Entwicklung auch auf diesem Sektor ist zwar teilweise nur noch schwer von Science Fiction zu unterscheiden - Maschinen, die Materie auf Atomebene gezielt manipulieren, gibt es immerhin schon -, bis zum universellen Materiekopierer ist aber noch ein weiter Weg.

[Alle Kommentare ausblenden] (86) Bis dahin unterliegen materielle Güter also anderen Gesetzen als Informationsgüter, da sie nicht mit wenig Aufwand aufgrund einer Vorlage reproduziert werden können. Könnten sie es, so wäre die Frage nach dem Eigentum an materiellen Gütern nicht mehr davon abhängig, wieviele Güter konkret zur Verfügung stehen. Vielmehr würden dann andere Faktoren wie Umweltverbrauch und ggf. Ressourceneinsatz entscheidende Faktoren werden.

Vorkommen, Begrenztheit, Knappheit

[Alle Kommentare ausblenden] (87) ToDo: Überarbeiten

[Alle Kommentare ausblenden] (88) Sprechen wir über Eigentum an irgendwelchen Gütern, so müssen wir immer auch über die Begriffe Vorkommen, Begrenztheit und Knappheit sprechen. Das Konzept des Eigentums macht wenig Sinn für Güter, die sowieso unbegrenzt zur Verfügung stehen: Das allgemeine Eigentum an Luft macht - bislang - noch keinen Sinn. Das Eigentum an Luft macht aber schon eher Sinn, wenn es sich um begrenzt vorhandene, spezielle Luft handelt - sei es Preßluft oder die gute Luft in einem Kurort. Aber wie sind die Verhältnisse genau?

[Alle Kommentare ausblenden] (89) Zunächst können wir das Vorkommen eines Guts betrachten. Hier ist das absolute Vorkommen gemeint, das jenseits menschlicher Existenz auf der Erde existiert. Die genaue Größe des Vorkommens eines Guts - insbesondere von Naturstoffen - kann dabei in den seltensten Fällen exakt bestimmt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (90) Tritt der Mensch hinzu, so ist ein Vorkommen begrenzt durch technische, soziale und andere Faktoren. Diese Begrenzungen, sind dabei nicht überhistorisch, sondern durch historische und gesellschaftliche Entwicklungen bestimmt. So ist z.B. Erdöl die meiste Zeit in der Geschichte des Menschen lediglich als Unrat betrachtet worden, während heute die begrenzte Menge an Erdöl zur Überlebensfrage eines bestimmten Zivilisationstyps wird. Das Verhältnis von Begrenztheiten zum absoluten Vorkommen ist einerseits durch die technischen Mittel bestimmt, die das Vorkommen real nutzbar machen (z.B. bestimmte Abbauverfahren bei Naturstoffen), andererseits kann es politische Entscheidungen geben, die die Nutzung erkannter Vorkommen verhindern (z.B. Schutz von Naturschutzgebieten).

[Alle Kommentare ausblenden] (91) Die Begrenztheit von materiellen Produkten ist wesentlich dadurch bestimmt, wieviele Produkte hergestellt werden können. In einer konkreten Situation spielt es weiterhin eine Rolle, ob die benötigten Produkte auch am gewünschten Ort zur Verfügung stehen. Da die Verfügungsmöglichkeit über Güter - der Besitz - für die Selbstentfaltung von erheblicher Bedeutung ist, ist die Begrenztheit von Produkten ein wichtiges Problem. Eine auf Selbstentfaltung ausgerichtete emanzipatorische Vision hat also das Problem zu lösen, wie Produkte in ausreichender Menge zu den Menschen kommen, die sie für ihre Selbstentfaltung benötigen. Die schiere Existenzsicherung muß hierbei als Teil von Selbstentfaltung gesehen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (92) Wie oben schon angedeutet ist Knappheit dagegen ein Begriff, der - zumindest in diesem Text - ein Entfremdungsverhältnis zum Nutzen des verknappten Guts beschreibt. Knappheit ist im Gegensatz zu Begrenztheit also ein Konzept, das in einer emanzipatorischen Vision keinen Platz hat. Als Quintessenz muß ein emanzipatorisches Projekt also die Knappheit beseitigen und Formen finden, wie mit weiter bestehenden Begrenztheiten umgegangen wird.

Eigentum und Automatisierung

[Alle Kommentare ausblenden] (93) Eine in der industriellen Phase sehr wichtige Größe für die Produktion war die Verfügbarkeit menschlicher Arbeitskraft. Daß diese Größe täglich unwichtiger wird, zeigen uns die epochalen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, bei dem menschliche Arbeitskraft auf historisch so hoher Stufenleiter durch Maschinen ersetzt wird, daß das gesamte, auf der Verwertung von Arbeitskraft gegründete System ins Wanken gerät.

[Alle Kommentare ausblenden] (94) Die Automatisierung von Produktion hebt also eine wesentliche Begrenztheit auf. Eine emanzipatorische Vision wird sie daher als Aspekt mit zentraler Bedeutung enthalten müssen. Spielt die Begrenztheit von Produkten eine immer kleinere Rolle, so spielt das Eigentum an ihnen ebenfalls eine immer kleinere Rolle. Dadurch wird ein Konfliktpotential entschärft, daß die bürgerliche Gesellschaft bis in ihre Wurzeln geprägt hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (95) Tatsächlich stehen schon heute im Bereich des Rapid Prototyping zunehmend Maschinen (Fabber) zur Verfügung, die eine Automatisierung materieller Produktion auf einem ganz neuen Niveau ermöglichen. Diese Maschinen materialisieren mit verschiedenen Verfahren direkt aus digitalen Daten materielle Werkstücke. In ihrer Unmittelbarkeit und Universalität übertreffen sie dabei CNC-Maschinen und Industrieroboter, die ja ebenfalls aufgrund digitaler Daten materielle Werkstücke fertigen, um einiges. Die Losgröße Eins ist hier das Prinzip.

[Alle Kommentare ausblenden] (96) Schon heute gibt es zahlreiche Firmen, die auf der Grundlage solcher Maschinen Lohnproduktion betreiben (siehe z.B. http://www.rpd-news.de/). Es wäre denkbar, daß solche Maschinen zukünftig so einfach bedienbar werden, daß der Betrieb solcher Maschinen auch für Privatpersonen oder Gruppen von Privatpersonen attraktiv wird. Damit würden sie dezentral über die Möglichkeit verfügen, Produkte herzustellen, die exakt auf ihren Zweck zugeschnitten sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (97) ToDo: Verhältnis zur Spezialisierung / Zentralisierung / Arbeitsteilung?

[Alle Kommentare ausblenden] (98) Bei diesem Typ der Produktion verschiebt sich der Schwerpunkt endgültig auf den Sektor der Information. Die Produktionsmaschinen sind lediglich noch ausführendes Organ der sie steuernden Computer und ihre Bedeutung ist gegenüber der komplexen Maschinerie der industriellen Ära wesentlich reduziert.

[Alle Kommentare ausblenden] (99) Damit verschiebt sich aber der Schwerpunkt auch der materiellen Produktion auf die Produktion von Informationsgütern, deren spezielle Eigenschaften wir oben untersucht haben. Konkret wäre im obigen Szenario vorstellbar, daß die BesitzerInnen der Fabber sich Freie Baupläne für ein gewünschtes Produkt über das Internet besorgen, ggf. mit Hilfe der heimischen Freien Simulations-Software eine individuelle Konfiguration vornehmen, und die Produktion dann veranlassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (100) Der verbreitete Besitz solcher Produktionsmittel wäre also in einer emanzipatorischen Vision ein wichtiges Ziel.

Vergesellschaftete Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (101) Wie bereits festgestellt ist eine vergesellschaftete Produktion auch in einer emanzipatorischen Vision von großer Bedeutung, da nur sie in der Lage ist, die Güter zu erzeugen, die auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung möglich und wünschenswert geworden sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (102) Das Beispiel der Freien Software zeigt in großartiger Weise, wie eine gesellschaftliche Produktion jenseits staatlicher oder geldförmiger Eingriffe nicht nur funktionieren kann, sondern auch heute schon bemerkenswert erfolgreich ist.

Ausführung der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (103) Freie Software wird von sehr vielen Leuten produziert, die irgendwo auf diesem Planeten leben und typischerweise einen Zugang zum Internet haben. Es handelt sich dabei durchaus nicht nur um ProgrammiererInnen, sondern eine Vielzahl von Fähigkeiten ist hier gefragt (z.B. für Dokumentation incl. Übersetzung, Gestaltung von Web-Sites oder Design).

[Alle Kommentare ausblenden] (104) Da diese ProduzentInnen in aller Regel nicht bezahlt werden, kommen als Motivation für ihre ja durchaus auch anstrengende Tätigkeit nur verschiedene Sorten von Selbstentfaltung in Frage. Die Freude daran, ein gutes Produkt zu schaffen, dürfte dabei eine der wichtigsten sein.

[Alle Kommentare ausblenden] (105) Deutlich ist hier zu sehen, wie bei einer veränderten Grundlage von Produktion sich die Ziele von Produktion verschieben. Während bei marktorientierter, mithin also entfremdeter Produktion lediglich die Verkaufbarkeit zählt, ist bei Freier Produktion wie z.B. Freier Software das unter emanzipatorischen Gesichtspunkten zu fordernde Ziel einer maximalen Produktqualität direktes Ziel der Produktion. Dies muß nicht verordnet werden, sondern stellt sich offensichtlich ein, wenn enthusiastische Menschen (Hacker), die Freie-Software-EntwicklerInnen oft sind, genügend Spielraum haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (106) Allen ProduzentInnen Freier Software ist gemeinsam, daß sie Art und Umfang ihrer Tätigkeit frei bestimmen. Niemand sagt ihnen, wann oder wo sie sich beteiligen sollen oder können. Da hier weder direkte noch strukturelle (z.B. geldförmige) Zwänge vorliegen, führt das natürlich auch dazu, daß wünschenswerte Entwicklungen unter Umständen nicht oder nicht wunschgemäß stattfinden. Allerdings kann aufgrund der offenen Struktur der Projekte, vor allem aber aufgrund der vorliegenden Quellen jedeR dazu beitragen, daß ihre Wünsche erfüllt werden. Dazu kann jedeR entweder selbst tätig werden, oder notfalls auch strukturelle Zwangsmittel wie Geld einsetzen, um von anderen das Gewünschte zu bekommen.

[Alle Kommentare ausblenden] (107) Anhand des Beispiels Freier Software kann geschlossen werden, daß eine emanzipatorische Vision die Ausführung von Produktion also denen überlassen sollte, die diese ohnehin übernehmen wollen. Aufgrund der individuellen Unterschiedlichkeit der Menschen und damit auch der individuell unterschiedlichen Arten ihrer Selbstentfaltung, sollten erhebliche Teile von bedürfnisbefriedigender Produktion auf diese Weise abzuwickeln sein. Das Ergebnis einer solchen Produktionsweise ist eine allseitige Emanzipation, da einerseits die Selbstentfaltung der ProduzentInnen zur Voraussetzung ihres Handelns wird, andererseits die Produkte die Selbstentfaltung anderer auf verschiedene Weisen fördern.

[Alle Kommentare ausblenden] (108) Die restlichen Anteile an Produktion, für die sich nicht automatische Menschen finden, die sie übernehmen wollen, die aber für die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse als notwendig erachtet werden, müssen möglichst beseitigt werden. Hierzu bietet es sich einerseits an, nach alternativen Wegen der Bedürfnisbefriedigung zu suchen, andererseits sollte die offensichtlich unangenehme Produktion so weit wie möglich automatisiert werden. Insbesondere letzteres ist wiederum eine Aufgabe mit erheblichem Selbstentfaltungspotential.

[Alle Kommentare ausblenden] (109) ToDo: Verbessern

Organisation der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (110) Die Aufgabe der Organisation eines großen Software-Projekts ist durchaus erheblich. Software erreicht leicht eine Komplexität, die anderen hochkomplexen industriellen Gütern wie z.B. Autos nicht nachsteht. Nun haben gerade die bekannten Freien-Software-Projekte wie Linux (der Kernel des Betriebssystems GNU/Linux), Apache (ein Web-Server) oder Gimp (ein Bildbearbeitungsprogramm) eine erhebliche Dimension und die einhergehende Komplexität ist nicht einfach im Griff zu behalten. Da Freie Software wesentlich unter Bedingungen der Selbstentfaltung entwickelt wird, ist es für die Entwicklung einer emanzipatorischen Vision daher spannend zu betrachten, wie die notwendige Organisationsleistung vollbracht wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (111) Zunächst muß festgehalten werden, daß die aktive Organisation eines solchen Projekts eine Herausforderung an sich bedeutet, die Menschen durchaus als Teil ihrer Selbstentfaltung begreifen können. In der Freien Software werden Menschen mit solchen Funktionen innerhalb eines Projekts als MaintainerInnen bezeichnet. Sie kümmern sich um den Zusammenhalt des Projekts und treffen auch schon mal Entscheidungen. Im allgemeinen sind die Entscheidungen allerdings keine Ergebnisse einsamer Geistesblitze der MaintainerIn, sondern spiegeln das Ergebnis einer Diskussion wieder, die unter den EntwicklerInnen und anderen Interessierten zum Thema stattgefunden hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (112) Da alle an einem Freien-Software-Projekt Beteiligten in der Regel freiwillig an dem Projekt teilnehmen, muß die MaintainerIn auch zumindest dafür sorgen, daß die EntwicklerInnen nicht einfach gehen. Sie muß also aus strukturellen Gründen dafür sorgen, daß die in einem Projekt getroffenen Entscheidungen einem möglichst großen Konsens entsprechen. Tut sie es nicht, so steht sie bald alleine da und dies ist für große Projekte das Aus. Ist die MaintainerIn also selbst an dem Erfolg des Projekts interessiert - wovon auszugehen ist, denn warum sollte sie sonst dabei sein -, so hat sie ein natürliches Interesse daran eine Führungsfunktion, die sie im Projekt ausführt, zur maximalen Zufriedenheit aller auszuführen.

[Alle Kommentare ausblenden] (113) Neben dem MaintainerInnen-Prinzip gibt es aber auch eine Reihe produktionstechnischer Hilfsmittel, die die Organisation einer verteilten Produktion vereinfachen. Diese sind durchaus nicht auf Software beschränkt, sondern sind für alle Produktionsprojekte von Interesse, die am Nutzen des Produkts interessiert sind und bei denen entfremdete Interessen wie Profit keine Rolle spielen. Besonders erwähnt werden sollen drei ineinandergreifende Methoden.

[Alle Kommentare ausblenden] (114) Eine Möglichkeit Komplexität zu reduzieren ist die Modularisierung. Damit wird die Komplexität, die ein monolithisches Ungetüm darstellen würde, aufgebrochen in viele kleine Teile, die für sich überschaubar sind. Damit reduziert sich die Gesamtkomplexität eines großen Projekts auf die je einzeln zu betrachtende Komplexität eines Moduls einerseits und die Verbindung der Module untereinander andererseits. In der industriellen Technik können wir solche Entwicklungen ebenfalls seit längerem beobachten, wo bei elektronischen Geräten oftmals nicht mehr einzelne Bauteile repariert werden, sondern ganze Baugruppen ausgetauscht werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (115) Eine Voraussetzung für Modularisierung ist die Existenz möglichst klarer Schnittstellen, die desto nützlicher sind, je stabiler sie sind. Die Schnittstellen bilden die Verbindung zwischen den einzelnen Modulen und beschreiben die technischen Parameter für die Kommunikation der einzelnen Module untereinander.

[Alle Kommentare ausblenden] (116) Auf einer etwas anderen Ebene dienen offene Standards ähnlichen Zwecken wie Vereinbarungen über Schnittstellen. Sie ermöglichen es ganz verschiedenen Projekten, sich mit ein und demselben Inhalt auf gleiche oder unterschiedliche Weise zu befassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (117) Das bekannteste Beispiel für solche offenen Standards dürfte die Sprache des Web HTML sein. Exemplarisch ist hier zu verfolgen, wie das internationale Gremium W3C (World Wide Web Consortium [http://w3.org]) sich um eine möglichst große Offenheit des Standards bemüht, so daß die NutzerInnen des Standards auf möglichst einheitliche Bedingungen treffen, auf deren Grundlage sie dann ihre Anwendungen aufsetzen können. Im Gegensatz dazu stehen Bemühungen kommerzieller Anbieter von Web-Software wie Microsoft oder Netscape den W3C-Standard mit eigenen Erweiterungen quasi zu verseuchen, um so einen Vorteil in der Konkurrenz herauszuschlagen. Es wird deutlich sichtbar wie das entfremdete Konkurrenzinteresse sich direkt bis in die Produktentwicklung niederschlägt und Nützlichkeitserwägungen eine untergeordnete Rolle spielen.

[Alle Kommentare ausblenden] (118) Den NutzerInnen von Microsoft Office dürfte ein weiteres Beispiel bekannt sein, wie offene Standards dem entfremdeten Geldinteresse zuwider laufen. Denn während sich inhaltlich seit langem kaum noch etwas verändert, gestaltet Microsoft mit (fast) jeder neuen Version seines Office-Pakets das Dokumentenformat inkompatibel um. Ziel ist es, daß die gesamte Microsoft-Kundschaft zum Kauf der neuen Office-Version genötigt wird, da die neuen Formate mit den alten Versionen desselben Pakets nicht zu lesen sind. Daß dies nicht so sein muß, hat Microsoft im Bereich der Textformate sogar selbst mit der Entwicklung des RTF-Formats bewiesen, daß von vorneherein als kompatibel erweiterbar ausgelegt war und bereits in seiner Grundform so reichhaltig war, daß es die allermeisten Anforderungen an ein modernes Textformat erfüllte.

[Alle Kommentare ausblenden] (119) Ein Vorteil dieser Produktionstechniken Modularisierung unter Verwendung von klaren Schnittstellen und offenen Standards ist neben der Komplexitätsreduktion, daß verschiedene Gruppen von EntwicklerInnen relativ unabhängig voneinander an einem gemeinsamen Großprojekt arbeiten können. Die Ergebnisse ihres Tuns sind über Schnittstellen und Standards miteinander verbunden, während die Interna ihres Moduls nach Außen hin nicht von Interesse sind und somit autonom in dem jeweiligen Teilprojekt entschieden werden können.

[Alle Kommentare ausblenden] (120) Neben der technischen Organisation ist aber auch interessant, wie sich Freie-Software-Projekte sozial organisieren. Der bei weitem größte Teil dieser sozialen Organisation findet über das Internet statt, wo vor allem Mailing-Listen (eMail-Verteiler, mit Hilfe derer sich angemeldete InteressentInnen mit einem gegebenen Thema befassen), Newsgroups (thematisch begrenzte Foren auf einer eMail-artigen Basis, zu denen der Zugang allerdings allen Internet-NutzerInnen jederzeit offen steht) und Chat-Möglichkeiten (gleichzeitige Kommunikation mehrerer Interessierter über IRC (Internet Relay Chat) oder Web-Interfaces). Allen Kommunikationsformen gemeinsam ist der lockere Ton, der nicht durch eine formale Steifheit oder formal-hierarchische Abgrenzungen gebremst wird. Das gemeinsame Interesse an der Sache führt zu einer nicht immer emotionsfreien, im wesentlichen aber ergebnisorientierten Vorgehensweise, in der Kreativität gefördert wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (121) Eine emanzipatorische Vision kann vom Beispiel der Freien Software also lernen, wie eine vergesellschaftete Form von Produktion auf einer emanzipatorischen Grundlage aussehen kann. Die Mittel und Techniken, die sich in der Freien Software als Folge eines Bedürfnisses nach Kooperation einerseits und Produktqualität andererseits ausgebildet haben, sind richtungweisend.

Entscheidung über die Produktion

Bedürfnisorientierte Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (123) In den Randbereichen Freier Software, in denen sie sich mit proprietär erstellter Software zu überschneiden beginnt, gibt es das Phänomen, das EntwicklerInnen aus entfremdeten Gründen Software entwickeln. Diese Gründe können dabei neben dem Gelderwerb z.B. auch in der Erstellung von Studienarbeiten o.ä. bestehen. In diesen Randbereichen kann die Entscheidung über die Produktion indirekt von Leuten gesteuert werden, die kein direktes Interesse an der Software selbst haben, sondern z.B. an deren Verkaufbarkeit interessiert sind. Es gibt in diesem Bereiche viele unterschiedliche Phänomene und die Diskussion darüber hat gerade erst begonnen. Eine These ist, daß die Qualität der so erstellten Freien Software tendenziell unter den entfremdeten Bedingungen ihrer Produktion leidet.

[Alle Kommentare ausblenden] (124) Im Kernbereich der Entwicklung Freier Software liegt die Entscheidung darüber, wer was wann produziert letztlich einzig bei den Individuen selbst. Dies ist eine unmittelbare Folge davon, daß es im Kernbereich der Freien Software kein (strukturelles) Zwangssystem wie z.B. Geld gibt, mit dem eine EntwicklerIn zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden könnte. Die Mühe, die in eine bestimmte Entwicklung gesteckt wird, muß letztlich immer auf eine Motivation direkt bei der EntwicklerIn stoßen, muß letztlich immer in irgendeiner Weise ihrer Selbstentfaltung dienen.

[Alle Kommentare ausblenden] (125) Da die Inhalte der individuellen Selbstentfaltung sehr vielfältig sein können, können auch die Motive für eine EntwicklerIn sehr vielfältig sein. Der persönliche Bedarf nach einem bestimmten Stück Software, die Lust daran, ein bestimmtes Programmierproblem zu lösen, der Wunsch, zum Pool Freier Software etwas beizutragen, aber auch das Interesse daran, ein für andere möglichst nützliches Produkt zu erstellen, sind mögliche Motive für die EntwicklerIn. Durch diese Vielfalt an Motivationslagen ist gewährleistet, daß in vielen Fällen die bestehenden Bedürfnisse nach Freier Software nach und nach gedeckt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (126) Eindrucksvolles Beispiel dafür ist die Entwicklung der Benutzeroberflächen von GNU/Linux. Galt GNU/Linux vor ein paar Jahren noch als kommandozeilenbasiertes Monster, so gibt es inzwischen mit KDE und Gnome zwei Desktop-Oberflächen, die proprietären Desktops in nichts nachstehen. Bestechend dabei auch, daß die umfangreichen Möglichkeiten, die die Kommandozeile unter Unix-Systemen bietet, nicht etwa verschwunden sind. Diese sind vielmehr nach wie vor für die zugänglich, die die höhere Leistungsfähigkeit dieses Instruments für ihre Zwecke weiter nutzen wollen.

[Alle Kommentare ausblenden] (127) An diesem Beispiel wie an vielen anderen ist erkennbar, daß die wichtigste Motivation für die Entwicklung Freier Software die Befriedigung von Bedürfnissen ist. Der Entscheidung über eine bestimmte Produktion liegt daher immer eine Bedürfnisbefriedigung zu Grunde, die aufgrund der Abwesenheit entfremdeter Motivationslagen sich lediglich aus dem konkreten Nutzen der Produkts oder aus der dafür notwendigen Tätigkeit selbst beziehen kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (128) Die emanzipatorische Forderung nach einer bedürfnisorientierten Produktion ist also bei Freier Software sowohl hinsichtlich der ProduzentInnen als auch der NutzerInnen der Produkte vorbildlich erfüllt.

Materieller Ressourcenverbrauch

[Alle Kommentare ausblenden] (129) Ein Problem, daß bei der Produktion Freier Software nur eine äußerst untergeordnete Rolle spielt, ist der materielle Ressourcenverbrauch. Als am Computer erstelltes Informationsgut ist Software allgemein relativ ressourcengünstig herzustellen - die notwendige Infrastruktur einmal voraus gesetzt. Die bei weitem wichtigste Ressource ist vielmehr die menschliche Kreativität gepaart mit einerseits Motivation und andererseits den sozialen Fähigkeiten, die für eine Team-basierte Tätigkeit günstig sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (130) Bei einer Produktion materieller Güter ist die Frage des Ressourcenverbrauchs aber durchaus nicht so einfach zum Tisch zu wischen und eine emanzipatorische Vision muß diesen Komplex zumindest thematisieren. Der Verbrauch von Energie soll hier unter den materiellen Ressourcenverbrauch gerechnet werden, obwohl er im engeren Sinne getrennt betrachtet werden müßte.

[Alle Kommentare ausblenden] (131) Wie schon bemerkt ist einer der fundamentalen Unterschiede zwischen Informationsgütern und materiellen Gütern der, daß letztere nicht ohne weiteres kopiert werden können. Während die Nutzung von Informationsgütern vielleicht deren materielles Substrat, nicht aber das Informationsgut selbst in Mitleidenschaft zieht, hat die Verwendung materieller Güter vielmehr zur Folge, daß deren Nutzen nach und nach vermindert wird - sie verbrauchen sich.

[Alle Kommentare ausblenden] (132) Nun könnte argumentiert werden, daß auch materielle Produkte lediglich Folge eines Prozesses sind, bei dem Information - nämlich die im Produktionsprozeß vergegenständlichte - eine wichtige Rolle gespielt hat und insofern die Unterschiede zwischen der Herstellung des materiellen Substrat eines Informationsguts sich nicht wesentlich von der Herstellung anderer materieller Güter unterscheidet. Zwar hat diese Argumentation viel für sich und müßte sicher noch eingehender untersucht werden, jedoch verschiebt sie das hier betrachtete Problem nur auf die Verfügbarkeit der Materialisatoren in Form von CD-Brennern, Industrierobotern oder Fabbern. Auch wenn wie andernorts schon ausgeführt die technische Entwicklung hier gewaltige Fortschritte macht, die auch für die Realisierung einer emanzipatorischen Vision von großem Nutzen sind, ist der materielle Ressourcenverbrauch zu berücksichtigen.

[Alle Kommentare ausblenden] (133) Letztlich reduziert sich die Frage nach der Entscheidung über den für eine bestimmte Produktion notwendigen materiellen Ressourcenverbrauch auf die Situationen, in denen Konflikte durch den Verbrauch materieller Ressourcen entstehen können.

[Alle Kommentare ausblenden] (134) Eine wesentliche Forderung wäre also zunächst ganz einfach, das Konfliktpotential schon dadurch möglichst klein zu halten, daß die vorhandenen begrenzten Ressourcen nicht mit dem Bedarf kollidieren. Dies bedeutet nichts anderes, als daß vorhandene Begrenzungen möglichst soweit gedehnt werden müssen, daß jeder vorhandene Bedarf gedeckt werden kann. In einer emanzipatorischen Gesellschaftsform sollte dies wesentlich leichter möglich sein, als in einer geldbasierten Gesellschaftsform, die auf der Verwertung von Knappheit beruht. Hierbei muß natürlich für jede Ressource eine umfassende Betrachtung ihrer Begrenzungen durchgeführt werden, die insbesondere auch ökologische Begrenzungen berücksichtigt.

[Alle Kommentare ausblenden] (135) Eine weitere konfliktvermeidende Strategie ist der Versuch, die Bedürfnisse auf eine Weise zu lösen, die nicht an die bestehenden Ressourcenbegrenzungen stößt. Dies kann durchaus möglich sein, da neben der gesellschaftlichen Bestimmung des Bedürfnisses selbst auch die nahegelegte Form seiner Befriedigung gesellschaftlich bestimmt und somit also änderbar ist. So ist ein Bedürfnis nach Mobilität zwar einerseits selbst schon gesellschaftlich bestimmt - u.a. durch die Notwendigkeit zur Mobilität zur Erreichung z.B. beruflicher Ziele - andererseits ist seine nahegelegte Befriedigung weitgehend durch gesellschaftliche Größen determiniert: Ob Auto oder öffentlicher Verkehr verwendet werden, hängt auch maßgeblich von der Verfügbarkeit der jeweils notwendigen Infrastruktur ab. Von den bestehenden Bedürfnissen selbst hat eine emanzipatorische Vision dagegen einfach auszugehen, denn eine Vision, die den Menschen ihre zulässige Bedürfnisstruktur vorschreibt, kann nicht emanzipatorisch sein.

[Alle Kommentare ausblenden] (136) Sind diese Strategien nicht dazu in der Lage, einen Konflikt aufgrund materieller Ressourcenbegrenzungen zu umgehen, so muß der Konflikt auf emanzipatorische Weise gelöst werden.

Konfliktlösung

[Alle Kommentare ausblenden] (137) Auch wenn durch z.B. die genannten Maßnahmen Konfliktpotential reduziert werden kann und auch wenn der gesamtgesellschaftliche Hintergrund eher auf (konfliktreduzierender) Kooperation statt (konfliktfördernder) Konkurrenz aufbaut, selbst dann sind im Zusammenleben zwischen Menschen Konflikte unvermeidlich. Eine emanzipatorische Vision muß sich also mit der Frage nach Konfliktlösungsstrategien befassen, die dem emanzipatorischen Anspruch gerecht werden. Solche Konfliktlösungsstrategien müssen eine Reihe von Eigenschaften haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (138) Emanzipatorische Konfliktlösungsstrategien müssen problemangemessen und lösungsorientiert sein. Dazu ist es notwendig, den Konflikt möglichst genau herauszukristallisieren, denn nur so ist es möglich, problemangemessene Mittel zu definieren und sich auf eine Lösung des Konflikts zu orientieren. Um den Sachverhalt, um den sich ein Konflikt dreht, möglichst gut einschätzen zu können ist eine möglichst hohe inhaltliche Kompetenz auf diesem Sektor überaus nützlich. Ist diese bei den Konfliktparteien nicht vorhanden, so sollte sie von Außen dazugeholt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (139) Zur Analyse eines Konflikts gehört es, die unterschiedlichen Interessen der von dem Konflikt Betroffenen offen zu legen. Je weniger entfremdete Motive (Geldinteressen, Machtkämpfe) in einen Konflikt hineinspielen, desto einfacher ist eine Konfliktlösung zu erreichen. Alle Arten von Störungen, die u.a. aufgrund von entfremdeten Interessen auftreten können, sollten getrennt von der eigentlich anstehenden Konfliktlösungen geregelt werden. Dadurch können neue Konfliktfelder identifiziert werden, die dann in einem ähnlichen, aber getrennten Prozeß bearbeitet werden können.

[Alle Kommentare ausblenden] (140) Möglichst gute Lösungen können nur dann erzielt werden, wenn der Konfliktlösungsprozeß ergebnisoffen ist. Wenn nur noch zwischen verschiedenen Alternativen entschieden werden kann, dann brauche ich keine Konfliktlösung mehr, sondern kann per einfachem Abstimmungsverfahren zwischen diesen Alternativen entscheiden. Zu unterscheiden sind hier Situationen, in denen schon vor dem Konfliktlösungsprozeß die Alternativen vorgegeben sind von solchen, wo Alternativen während eines Konfliktlösungsprozesses identifiziert werden. Während im ersten Fall eine wirkliche Konfliktlösung tendenziell verhindert wird, kann der zweite Fall das Ergebnis eines ausführlichen Konfliktlösungsprozesses sein.

[Alle Kommentare ausblenden] (141) Emanzipatorische Konfliktlösungsstrategien müssen gewaltfrei sein, denn wenn ich den Einsatz von Gewalt fürchten muß, dann bin ich in meinen Möglichkeiten von vorneherein beschränkt und damit schränkt sich auch der mögliche Lösungsraum automatisch ein. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, daß diese Forderung nach Gewaltfreiheit eine Verantwortung sowohl für das Kollektiv gegenüber dem Individuum bedeutet, als auch dem Individuum gegenüber dem Kollektiv. Gewaltfreiheit bedeutet hier auch, daß ein Konflikt tatsächlich bis zu seinem Ende ausgetragen wird und eine echte Konfliktlösung nicht durch unangemessen vorzeitige Lösungen vereitelt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (142) Selbstredend muß eine emanzipatorische Konfliktlösungsstrategie partizipativ sein. Nur wenn alle, die von einem Konflikt betroffen sind, die Möglichkeit haben sich zu äußern, ist sichergestellt, daß ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (143) Die Erfahrung zeigt, daß sich unter den genannten Bedingungen eine Konfliktlösungskultur ausbildet, die sowohl dem Kollektiv als auch dem Individuum gerecht wird und dies auch wahrgenommen wird. Eine solche Kultur ermöglicht letztlich Konsens, bei dem keinE Beteiligte mehr Einspruch gegen die letztendlich gefundene Lösung mehr erheben muß. Konsens ist aber sicher von allen bekannten Konfliktlösungsformen die emanzipatorischste.

[Alle Kommentare ausblenden] (144) Nun gibt es natürlich auch bei der Entwicklung Freier Software Konfliktmöglichkeiten. Zuweilen gibt es recht unterschiedliche Richtungen, in die sich ein gegebenes Projekt weiterentwickeln kann und natürlich ist es immer möglich, daß die an einem Projekt Tätigen unterschiedliche Ansichten über den "richtigen" Weg haben. Da in den meisten Fällen die EntwicklerInnen freiwillig in einem Projekt tätig sind, kann eine Konfliktlösungsform, die auf irgendeiner Form von Zwang basiert, mittelfristig nicht funktionieren - die EntwicklerInnen würden das Projekt einfach verlassen anstatt sich weiter dem Zwang auszusetzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (145) Freie-Software-Projekte müssen also Strategien gefunden haben, die einerseits die weitere Entwicklung des Projekts ermöglichen und andererseits die in dem Projekt Tätigen zumindest nicht so verärgern, daß sie sich abwenden. In den meisten Freie-Software-Projekten bilden sich Strukturen heraus, die sich um den Fortbestand des Projektes kümmern. Die Art der Struktur ist dabei sehr unterschiedlich und reicht von der EntwicklerInnengemeinschaft demokratisch gewählten Gruppen über Rotationssysteme bis hin zu sich historisch etabliert habenden Core-Teams oder auch einzelnen Personen. Allen gemeinsam ist aber, daß sie die Maintainerschaft für das Freie-Software-Projekt übernehmen, d.h. also genau die beschriebenen Konfliktlösungsformen exekutieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (146) Da die Tätigkeit in Freie-Software-Projekten in der Regel durch Selbstentfaltung und nicht durch entfremdete Interessen bestimmt ist, ist eine lösungsorientierte Herangehensweise an einen Konflikt naheliegend. Da i.a. die EntwicklerInnengemeinschaft selbst über die Konflikte innerhalb des Projekts entscheidet, ist die maximal mögliche Kompetenz automatisch vertreten.

[Alle Kommentare ausblenden] (147) Aufgrund der offenliegenden Quellen ist eine Ergebnisoffenheit allein dadurch gegeben, daß alle auf der existierenden Grundlage eigene Wege ausprobieren können. Im Extremfall können auf diese Weise sogenannte Code-Forks entstehen, bei denen sich Teile der EntwicklerInnengemeinschaft vom Rest abtrennen und fürderhin auf der bis dahin gemeinsam entwickelten Basis aufsetzend unterschiedliche Ziele anstreben. Der Erfolg der angewandten Konfliktlösungsformen zeigt sich übrigens darin, daß solche Code-Forks ausgesprochen selten vorkommen und oft auch nach einer Phase der Parallelentwicklung wieder zusammenfließen.

[Alle Kommentare ausblenden] (148) Nun ist über das Internet Gewaltausübung, wie wir es z.B. von staatlichen Repressionsorganen kennen, von vorneherein nicht möglich. Gewalt kann sich in einem Freie-Software-Projekt im wesentlichen durch persönliche Beleidigungen oder aber das Verwehren des Zugangs zu bestimmten Ressourcen bestehen (z.B. die Mailing-Liste der EntwicklerInnen). Zu den Sourcen als zentraler Ressource kann aber der Zugang nicht verwehrt werden. Eine funktionierende Maintainerschaft wird diese oder andere Gewaltmittel aber nur in Fällen einsetzen, in denen andere Mittel versagt haben. Die Maintainerschaft muß immer damit rechnen, daß einerseits die von der Gewalt betroffenen EntwicklerInnen sich vom Projekt abwenden, andererseits werden damit auch Beispiele gegeben, die auch die Motivation anderer EntwicklerInnen negativ beeinflussen kann, so daß auch die von ihnen eingebrachte Leistung sich vermindert.

[Alle Kommentare ausblenden] (149) Wie ganz allgemein Partizipation in Freie-Software-Projekten eine große Rolle spielt, leben die Konfliktlösungsformen geradezu von der Partizipation der Beteiligten. Erst wenn die Möglichkeit von Beteiligten besteht, ihre je spezifische Sichtweise und ggf. auch Lösungsvorschläge einzubringen, ist gewährleistet, daß deren Bedürfnisse sich in einer Lösung eines Konflikts wiederfinden können. Eine gute Maintainerschaft besteht darin, den während einer Diskussion des Konflikts sich abzeichnenden Konsens zu kristallisieren und damit seine Umsetzung einzuleiten. In den meisten Freie-Software-Projekten schließt diese Partizipation in gewisser Weise auch die NutzerInnen der Software ein, die sich nicht direkt an der Entwicklung beteiligen: Von ihnen entdeckte Fehler werden oft schnell behoben und deren Wünsche an eine bestimmte Software spielen bei der Weiterentwicklung eine mehr oder weniger große Rolle.

[Alle Kommentare ausblenden] (150) Wir können also auch in der Frage der Konfliktlösung uns die in der Freien Software gewachsenen Strukturen anschauen und als Modell für emanzipatorische Modelle verwenden. Für kleinere Konflikte klappt das vermutlich auch ganz gut, jedoch gibt es vermutlich einige Unterschiede zu gesamtgesellschaftlichen Großproblemen wie sie z.B. in der Bereitstellung großräumiger Infrastruktur (Straßen, Wasserversorgung, etc.) auftreten. Unterschiede zwischen den in der Freien Software entwickelten Ansätzen zu gesamtgesellschaftlichen Großproblemen könnten darin bestehen, daß die von einer Konfliktlösung Betroffenen und die jeweiligen ExpertInnen für das Sachgebiet weiter auseinanderfallen als dies bei der Freien Software der Fall ist. Gleichzeitig sind die ExpertInnen in der Freien Software auch in aller Regel diejenigen, die eine gefundene Lösung ausführen müssen. Auch dies ist bei gesamtgesellschaftlichen Konfliktlösungen eher selten der Fall. Hier muß überlegt werden, wie emanzipatorische Konfliktlösungsformen aussehen und vor allem real implementiert werden können.

Universelle Entwicklung der Individuen

[Alle Kommentare ausblenden] (151) In einer Gesellschaftsformation, die auf den Prinzipien der Entwicklung Freier Software beruht, ist die universelle Entwicklung auf drei Ebenen prinzipiell sichergestellt.

Individualisierbare Produkte

[Alle Kommentare ausblenden] (152) Produkte, die aus entfremdeten Zwecken wie dem Gelderwerb hergestellt wurden, verfolgen in erster Linie diesen entfremdeten Zweck. Es liegt in der Natur der Sache, daß seitens des Produzenten kein primäres Interesse daran besteht, den Nutzen des Produkts zu maximieren. Allseits bekannt sind beispielsweise Produkte, bei denen eine Reparatur unnötig erschwert wird - z.B. indem sie nicht zerstörungsfrei zu öffnen sind. Im Rahmen entfremdeter Produktion handelt es sich aber um eine logische Konsequenz, denn die Produktqualität muß ja gerade nur so hoch sein, daß die Verkaufbarkeit gewährleistet ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (153) Bei Produkten, die auf der Grundlage von Selbstentfaltung hergestellt werden, ist der Nutzen des Produkts oft ein wichtiges Ziel der Produktion. Dieser Nutzen hat dabei durchaus unterschiedliche Dimensionen. Ressourcenverbrauch während der Nutzung eines Produkts kann ebenso eine Dimension sein wie z.B. einfache Handhabung.

[Alle Kommentare ausblenden] (154) Als ein wichtiger Nutzen eines Produkts kann die Konfigurierbarkeit angesehen werden. Konfigurierbarkeit bedeutet, daß ich das Produkt an je meinen konkreten Zweck anpassen kann. Bei Software finden wir diese Konfigurierbarkeit in Form von Präferenzeinstellungen. Aber auch bei materiellen Produkten kann Konfigurierbarkeit den potentiellen Nutzen steigern. Optimal sind Produkte, die mit einer einfach zu benutzenden Basiskonfiguration ausgeliefert werden, die aber reichhaltige Konfigurationsmöglichkeiten für die NutzerInnen bieten, die diese benutzen wollen.

[Alle Kommentare ausblenden] (155) Da durch konfigurierbare Produkte Handlungsmöglichkeiten von Individuen erweitert werden, wird die universelle Entwicklung eines Individuums durch Freie Produkte, die diesen Nutzen besser unterstützen, begünstigt.

Automatisierung und Selbstentfaltung

[Alle Kommentare ausblenden] (156) Doch nicht nur den Produkten selbst ist ihr Herstellungszweck eingeschrieben. Auch den Produktionsmitteln selbst ist ihre vorgesehene Verwendung in entfremdeter Produktion teilweise überdeutlich anzumerken. Überall dort, wo Menschen nur als Verlängerung der Maschine tätig werden können, ist es offensichtlich, daß Menschen nur mit (strukturellem) Zwang wie Entlohnung dazu gebracht werden können, sich in einer Arbeit als Maschinenfortsatz selbst fremd zu werden. Dies gilt umso mehr, wenn solche Arbeit nicht direkt eigenen Zwecken dient und somit eine individuell einsehbare Notwendigkeit darstellt, sondern auch die Zwecke der Produktion von anderen gesetzt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (157) Nun sind wir heute aufgrund der Produktivkraftentwicklung an einer Stelle angekommen, wo Maschinen immer weniger Menschen zum Ausgleich ihrer eigenen Unzulänglichkeit benötigen. Standen noch in der letzten Generation Unmengen von ArbeiterInnen an Fließbändern um stupidste Arbeit zu verrichten, so werden diese stupiden Tätigkeiten heute nicht selten von Industrierobotern übernommen. Diese Entwicklung ist im Grunde genommen als riesiger emanzipatorischer Fortschritt zu werten, da Menschen unter emanzipatorischem Blickwinkel grundsätzlich zu schade für Tätigkeiten sind, die von Maschinen übernommen werden können. Leider haben sich die Produktionsverhältnisse nicht der Produktivkraftentwicklung angepaßt, so daß das emanzipatorische Potential der technologischen Entwicklung sich heute als Destruktivkraft in Form von Arbeitslosigkeit niederschlägt.

[Alle Kommentare ausblenden] (158) In einer Gesellschaftsformation, die wesentlich auf Selbstentfaltung der Individuen beruht, könnte dieser emanzipatorische Schatz nicht nur endlich gehoben werden, vielmehr bildet er die Grundlage für einen permanenten Ausbau dieses Potentials. Während in einer auf Arbeit beruhenden Vergesellschaftungsform die Vernichtung von Arbeitspotential bei Strafe ihres Untergangs nicht im Interesse der Arbeitsseite sein kann, wäre in einer aus Selbstentfaltung beruhenden Gesellschaftsformation das Interesse aller an einer möglichst weitgehenden Automatisierung gegeben. Die Menschen könnten also immer mehr von lästigen und unangenehmen Notwendigkeiten beFreit werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (159) Aber die Maschinen, die dies ermöglichen, bieten gleichzeitig ein erhebliches Kreativitätspotential. Die Flexibilität einer hochmodernen Produktionsmaschine macht erst dann Sinn, wenn sie kreativ genutzt wird. Die technischen Freiheitsgrade, die z.B. ein Roboterarm haben kann, übersetzen sich in gewisser Weise direkt in die Freiheitsgrade der Menschen, die etwas mit ihm anfangen möchten.

[Alle Kommentare ausblenden] (160) Dieses Kreativitätspotential ist aber nichts anderes als die Basis bestimmter Formen individueller Selbstentfaltung und damit der universellen Entwicklung des Individuums.

Selbstgesetzte Ziele

[Alle Kommentare ausblenden] (161) Zuletzt wird das individuelle Handeln nicht länger durch entfremdete Vorgaben bestimmt. Vielmehr ist jedes Handeln in einer auf Selbstentfaltung beruhenden Gesellschaftsformation auf je eigene Zwecke gerichtet. Diese Zwecke werden dabei letztlich immer vom Individuum selbst gesteckt. Eine universelle Entwicklung der Individuen könnte keine bessere Grundlage haben als diese.

[Alle Kommentare ausblenden] (162) Nehmen wir in den Blick, daß die universelle Selbstentfaltung der Individuen unabdingbare Voraussetzung dafür ist, daß diese sich maximal in einem gesamtgesellschaftlichen Rahmen einbringen können, so stellen wir fest, daß für eine emanzipatorische Vision die Selbstentfaltung der Individuen nicht nur ideologisch eine unhintergehbare Voraussetzung ist, sondern auch im direkten Interesse der Gesamtgesellschaft liegt.

Universelle Entwicklung der Gesellschaft

[Alle Kommentare ausblenden] (163) ToDo: Überarbeiten

[Alle Kommentare ausblenden] (164) In einer auf allseitiger Selbstentfaltung beruhenden Gesellschaftsformation stellt sich die Frage nach dem Herrschaftsmodell ganz anders als in Gesellschaftsformationen, die auf antagonistischen Widersprüchen gegründet sind. Die universelle Entwicklung der Gesellschaft ergibt sich hier tendenziell nicht mehr durch ein permanentes Aufeinanderprallen unauflösbarer Widersprüche, sondern ergibt sich organisch aus dem Wirken der Gesellschaftsmitglieder und den von ihnen gebildeten Einheiten.

[Alle Kommentare ausblenden] (165) Ist Selbstentfaltung zentral in das Konzept einer solchen Gesellschaft eingebaut, so ist die Anwendung von Gewalt tendenziell auch für die kontraproduktiv, die sie anwenden. Letztlich verhindert Gewalt ja gerade die Selbstentfaltung, die allen nutzt. In einer Gesellschaft, die auf antagonistischen Widersprüchen beruht, kann Gewaltanwendung dagegen eine rationale Vorgehensweise sein. Ähnliches gilt für andere Formen von Machtausübung. Die Notwendigkeit, Gewaltausübung zu kontrollieren wird von daher geringer werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (166) Davon zu unterscheiden ist ein Herrschaftsmodell, das eben nur noch in Extremfällen auf Machtausübung zu beruhen braucht und das vielmehr ausschließlich auf Repräsentation des Gesellschaftsganzen. Ein solches Herrschaftsmodell hätte beispielsweise sicherzustellen, daß die Kernelemente der Gesellschaftsformation nicht bedroht werden. Hier wäre die spezifische Herrschaftsform, die das MaintainerInnen-Prinzip in Freien Projekten darstellt, der Ausgangspunkt und es wäre genauer zu untersuchen.

[Alle Kommentare ausblenden] (167) Was in einer solchen gesellschaftlichen Formation aus dem Konzept des Staates wird, ist heute kaum abzuschätzen. Seine administrativen Anteile, die sich mit der Verwaltung von Infrastruktur befassen, müssen im Prinzip lediglich nach Selbstentfaltungsprinzipien umgemodelt werden. Die repressiven Anteile von Staat könnten dagegen nach dem eben erwähnten voraussichtlich weitgehend abgebaut, vielleicht sogar ganz in die Gesellschaft zurück genommen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (168) Eine wichtige Eigenschaft Freier Projekte ist deren grundsätzliche Offenheit gegenüber allen Interessierten. Die solchermaßen mögliche Partizipation geht weit über die demokratische Wahl von Abgeordneten hinaus. In entwickelten Demokratien können sich die WählerInnen lediglich in großen zeitlichen Abständen zwischen zwei bis fünf unterschiedlichen Programmpaketen / Parteien entscheiden - die sich oft genug als leere Wahlversprechen herausstellen. Es fällt ja geradezu auf, daß die mit dem Internet ungemein gestiegenen Möglichkeiten der Bürgerpartizipation von den demokratischen Parteien oder staatlichen Institutionen nicht oder nur sehr zögerlich aufgenommen werden. Warum gibt es kein Internet-Forum zu jedem der im Parlament diskutierten Themen? Warum wird diese Form des politischen Handelns nicht über die Medien einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht? Hier entblößt sich Demokratie als leere Versprechung.

[Alle Kommentare ausblenden] (169) Dagegen ist die Partizipation in Freien Projekten sehr viel unmittelbarer. Verbesserungen, Wünsche, Anregungen können jederzeit unmittelbar in das laufende Projekt eingebracht werden. Die Kommunikationsstrukturen stehen i.a. allen zur Verfügung, die diese nutzen möchten. Zwar gibt es keine Garantie für eine Berücksichtigung des eigenen Beitrags, aber die gibt es weder in der Politik noch in der Wirtschaft - wie beispielweise die zahllosen, Jahre alten Bugs in der Software von Microsoft beweisen. Es ist bei Freien Projekten aber nicht unüblich, daß gute Anregungen, etc. zügig in das Projekt integriert werden. Bug-Fixes liegen nicht selten nach wenigen Stunden vor.

[Alle Kommentare ausblenden] (170) ToDo: Kollektive Selbstentfaltung als Voraussetzung der individuellen Selbstentfaltung

Was tun?

[Alle Kommentare ausblenden] (171) Nachdem nun einiges zu den Bedingungen einer emanzipatorischen Gesellschaftsformation gesagt wurde, die sich auf der Höhe der Produktivkraftentwicklung befindet und die in ihr enthaltenen emanzipatorischen Aspekte aufgreift und weiterführt, stellt sich die Frage, welches konkrete Handeln, welche Politik hier und heute eine solche Vision befördern könnte. Einige Anstöße dazu sollten zum Schluß dieses Textes gegeben werden.

Studien weiterführen

[Alle Kommentare ausblenden] (172) Die in diesem Text oft nur angerissenen Untersuchungen, die sich vor allem auf das Phänomen Freie Software als konkretes Beispiel beziehen, müssen weitergeführt und auf andere Bereiche ausgedehnt werden. In Bezug auf Freie Software wäre es wünschenswert empirische Untersuchungen anzustellen, die noch deutlichere Aussagen über den Charakter dieses Phänomens machen.

[Alle Kommentare ausblenden] (173) Wenn es tatsächlich so ist, daß - wie von Marx schon vorausgesagt - die Produktivkraftentwicklung die Produktionsverhältnisse zu sprengen beginnt und wenn tatsächlich - wie in diesem Text analysiert - Freie Software als eine Keimform einer solchen, über den Kapitalismus hinausweisenden Gesellschaftsformation gelten kann, dann ist zu vermuten, daß auch in anderen Bereichen moderner Vergesellschaftungsformen vergleichbare Entwicklungen stattfinden. Diese müßten entdeckt und analysiert werden. Eine eingehende Untersuchung verschiedenster Phänomene ist mit dem in diesem Text ausgebreiteten erkenntnisleitenden Interesse zu untersuchen und einzuschätzen. Gleichzeitig könnte eine solche Analyse helfen, Denkbegrenzungen zu überwinden, die in dem Inhalt der Keimform - Software - begründet liegen könnten.

[Alle Kommentare ausblenden] (174) Entscheidende Voraussetzung jeder solchen Keimform ist dabei, daß die tendenzielle Abschaffung von Arbeit, Geld und Tausch, ohne die eine emanzipatorische Vision heute schlechterdings nicht mehr denkbar ist, tief in der Keimform verankert ist. Auch andere strukturelle oder direkte Zwangsmittel sollten in jeder Keimform nur von marginaler Bedeutung sein. Im Vordergrund müßte vielmehr, die Freiwilligkeit, die Selbstentfaltung der Beteiligten stehen, die wie beschrieben die Voraussetzung der Selbstentfaltung aller ist genauso wie die Selbstentfaltung aller die Grundlage der Selbstentfaltung der Einzelnen ist.

Freie Projekte fördern

[Alle Kommentare ausblenden] (175) Es stellt sich aber auch die Frage, wie politisches Eingreifen ganz konkret die erkannten Tendenzen begünstigen und verstärken kann. Einige Ideen dazu sollen hier angedeutet werden.

Förderung bestehender Projekte

[Alle Kommentare ausblenden] (176) Um ihre Verbreitung zu steigern und damit gleichzeitig ihren Geist zu verbreiten, sollten Freie Projekte aller Art eingesetzt werden. Dies fällt insbesondere dort leicht, wo diese Projekte Qualitäten liefern, die sich von der kommerziellen Alternative abhebt. Ein weiterer Vorteil sind natürlich z.B. im Bereich Freier Software entfallende Lizenzkosten.

[Alle Kommentare ausblenden] (177) Da Freie Projekte nicht im luftleeren Raum schweben, sondern bis auf weiteres in die Geldgesellschaft eingebettet sind, kann es Freien Projekten helfen, Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Neben Technik kann dies z.B. auch darin bestehen, real-weltliche Treffen wie Konferenzen zu fördern.

[Alle Kommentare ausblenden] (178) Nicht zuletzt kann zur Tätigkeit in Freien Projekten aufgefordert werden.

Aufbau neuer Freier Projekte

[Alle Kommentare ausblenden] (179) In weiteren Ausbaustufen einer Strategie zur Unterstützung Freier Projekte könnte versucht werden, die Infrastruktur verfügbar zu machen, die für die Verwirklichung insbesondere solcher Projekte notwendig ist, die auf materielle Produktion zielen. Denkbar wäre es, modernste Produktionsmaschinen wie Fabber oder Industrieroboter wohnortbezogen verfügbar zu machen, so daß Menschen sich die Gegenstände ihres Bedarfs lokal herstellen können. Dazu müßte sich jeweils eine Gruppe bilden, die einerseits die Pflege einer solchen Produktionsstätte, andererseits die Unterstützung der Nachbarschaft als ihre Selbstentfaltung begreifen. Die Informationsgüter, die zur Herstellung notwendig sind, wären dann Produkte Freier Projekte im Internet.

[Alle Kommentare ausblenden] (180) Es wäre zu prüfen inwieweit aufgegebene Produktionsmittel aus der Konkursmasse der Geldgesellschaft für Freie Projekte nutzbar zu machen sind. Ein zentrales Problem dürfte regelmäßig deren Orientierung auf Verwertung sein. Vielleicht sind aber vereinzelt kreative Lösungen möglich.

Politische Projekte

[Alle Kommentare ausblenden] (181) Neben der direkten Förderung Freier Projekte kann politisches Handeln darin bestehen, die Rahmenbedingungen für Freie Projekte zu verbessern.

Eigentum an Informationsgütern abschaffen

[Alle Kommentare ausblenden] (182) Das Eigentum an Informationsgütern, das in den letzten Jahren einen ungeheuren Aufschwung erlebt, muß bekämpft werden. Patente, Copyright und ähnliches dienen mehr oder weniger ausschließlich entfremdeten Zwecken und stellen auf jeden Fall eine Enteignung der Öffentlichkeit dar.

[Alle Kommentare ausblenden] (183) Als Einstieg könnte konkret gefordert werden, daß alle mit öffentlichen Mitteln geförderten Informationsgüter grundsätzlich allen Frei zur Verfügung stehen müssen.

Output-neutrale Entlohnung für Informationsgüterproduktion

[Alle Kommentare ausblenden] (184) Für die momentanen Entlohnungssysteme, die nicht unerheblich auf den Verwertungsrechten an geistigem Eigentum beruhen, müßten Alternativen gefunden werden, die die ProduzentInnen von Informationsgütern von dem Verwertungszwang befreien. Damit wäre gleichzeitig sichergestellt, daß die ProduzentInnen sich ganz auf die Inhalte ihrer Tätigkeit konzentrieren könnten und sich nicht mit dem entfremdetem Gelderwerb befassen müßten.

[Alle Kommentare ausblenden] (185) Dies würde insbesondere im Wissenschaftsbetrieb, bei dem der allgemeine Zwang zur Verwertung immer stärkere Schäden in den wissenschaftlichen Projekten nach sich zieht, eine erhebliche Veränderung der gesamten Landschaft zur Folge haben und es wäre damit zu rechnen, daß die wissenschaftlichen Leistungen sich verbessern. Eine verbesserte Technologie, die im obigen Sinne weitere emanzipatorische Potentiale beinhaltet, könnte eine Folge solcher Entwicklung sein.

Grundsicherung für alle, die es wollen

[Alle Kommentare ausblenden] (186) Jenseits einer bezahlten Arbeit könnte eine Grundsicherung für alle Freiräume schaffen, in denen Freie Tätigkeit wächst und zur selbstverständlichen gesellschaftlichen Größe wird. Weitere Freie Informationsprodukte könnten dadurch Realität werden und selbst Freie materielle Produkte würden eher in den Bereich des Möglichen rücken, wenn Menschen in Selbstentfaltung ihren Bedürfnissen nach nützlichem Tun nachgehen könnten.

[Alle Kommentare ausblenden] (187) In unserer heutigen Gesellschaftsform müßte allerdings dafür gesorgt werden, daß ein Leben auf Grundsicherungsbasis und die darin vorkommende Freie Tätigkeit einen Wert an sich haben. Die damit einhergehende völlige oder teilweise Erwerbsarbeitslosigkeit dürfte von den Menschen nicht mehr als Verlust sondern als ein Gewinn an Lebensqualität gewertet werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (188) Dazu ist es notwendig, daß sich Menschen in Grundsicherung zusammenschließen und offensiv in die Öffentlichkeit gehen. Ein Verweis auf die u.U. sogar gesellschaftlich nützliche Freie Tätigkeit könnte dabei auch solche überzeugen, die ansonsten eher von Schmarotzertum sprechen würden. Solche Bewegungen sind zu unterstützen.

Ideologisches Umsteuern

[Alle Kommentare ausblenden] (189) Soll eine positive Gesellschaftsformation jenseits des Geldes überhaupt möglich sein, so müssen neben den konkret-praktischen Problemen die ideologischen Barrieren in den Köpfen der Menschen beseitigt werden. Plakative Forderungen der Arbeitsgesellschaft wie "Arbeit! Arbeit! Arbeit!" müssen menschenfreundlichen Losungen wie "Leben! Leben! Leben!" weichen.

[Alle Kommentare ausblenden] (190) Mit den hier vorgestellten Ansätzen zu einer emanzipatorischen Vision sollte es dabei leicht sein, in eine Offensive zu gehen. Immerhin umfaßt der Begriff der Selbstentfaltung per Definition die Realisierung der Interessen der Individuen, so daß ihnen nichts aufgezwungen werden muß, sondern eine umfassende BeFreiung in Aussicht gestellt werden kann. Die bereits existierenden Freien Projekte können als täglich sichtbare und vielen nützliche Beispiele dazu dienen, das Vertrauen in ein solches Umdenken zu erhöhen.




Quelle: http://www.opentheory.org/eigentum/v0002.phtml
(Last Software Update: 27.07.2002, 10:12)