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Soziale Gesellschaft
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Maintainer: Birgit Niemann, Version 1, 20.02.2003  Druckversion
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[Alle Kommentare ausblenden] (1) Claus Peter:# Zunächst einige Vorbemerkungen zu häufiger verwendeten Begriffen oder Worten, die entweder genauer eingeführt oder anders gewählt werden müssten: Der immer wieder gebrauchte Terminus der "sozialen Gesellschaft" ist von der Wortwahl her ein Pleonasmus, von seiner Bedeutung her schillernd.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Claus Peter:# Es wird mit dem Begriff der "sozialen Gesellschaft" das Bild eines gesellschaftlichen Teilbereichs an die Wand gemalt, der von der Kapitalverwertung noch nicht angefressen bzw. vereinnahmt wurde und der von deren Druck gewissermaßen nur "befreit" werden müsste.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Claus Peter:# Einen solchen gesellschaftlichen Teilbereich aber gibt es nicht (mehr), wie der Text selbst ja eindrucksvoll belegt.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Claus Peter:# Was es tatsächlich gibt, sind Illusionen darüber ("Zivilgesellschaft", "demokratische Öffentlichkeit" etc.), die aber von positiven Vorstellungen über eine emanzipatorische Gesellschaft sauber zu trennen ist. Mit dem Begriff "soziale Gesellschaft" wird die Assoziation hervorgerufen, es gebe so etwas wie einen autonomen Bereich, der nach anderen Regeln funktioniert als den warenförmigen. Tatsächlich gelten, wo immer heute Menschen miteinander umgehen, beide Regelsysteme, das warenförmige und das "soziale", letzteres in der Öffentlichkeit aber allenfalls rudimentär.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Claus Peter:# Problematisch ist es, eine Ethik-Kommission oder eine (persönlich noch so integre) grüne Ministerin als Vertreterin der "sozialen Gesellschaft" auftreten zu lassen, das kann sie ihrer Rolle nach überhaupt nicht sein. Das sind "zivilgesellschaftliche" Illusionen, die ja gerade in der Annahme bestehen, der Kapitalismus ließe sich von der (so verstandenen) "sozialen Gesellschaft" nach außerkapitalistischen Kriterien steuern, obwohl er sie doch längst in den Privatbereich abgedrängt hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Claus Peter:# Indem auch noch die Reproduktion der menschlichen Arbeitskraft via Stammzellen- und Embryonenforschung warenförmig und unabhängig von direkten menschlichen Beziehungen organisiert und kapitalistisch optimiert wird, scheint die "soziale Gesellschaft" (respektive das "abgespaltene Weibliche") für den Kapitalismus überflüssig zu werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Claus Peter:# Dass dahinter stehende Ziel einer Gesellschaft von im Sinne der Kapitalverwertung perfekten "menschenähnlichen Wesen" (lebendigen Werkzeugen) ist Bedrohung genug. Ob es erreicht werden kann oder auf andere Weise apokalyptisch endet, scheint fast zweitrangig. Von der Kritik der mathematisch- naturwissenschaftlichen Methode herkommend, halte ich aber das Ziel nicht für wesentlich verrückter als den Glauben, es ließe sich erreichen. Leider ist das kein Grund zur Beruhigung. Um es in den hier diskutierten Termini auszudrücken: Der Kapitalismus bedarf der "sozialen Gesellschaft" eben nicht nur für die Reproduktion der Arbeitskraft, sondern auch der Aufrechterhaltung eines Mindestmaßes an psychischer Stabilität, und wird, indem er sie okkupiert, sich selbst und vermutlich auch die Menschheit zerstören.

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Claus Peter:# An einigen Stellen des Textes werden "allgemein menschliche" Kennzeichnungen gewählt, die aber genau besehen nur für die bürgerliche Gesellschaft zutreffen.




Quelle: http://www.opentheory.org/gesellschaft/text.phtml
(Last Software Update: 20.02.2003, 21:51)