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Leitbild der Humanistischen Plattform
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Maintainer: Christian Apl, Version 1, 13.02.2002  Druckversion
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Status: Aktiv

Einleitung

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Die Humanistische Plattform ist eine gesellschaftliche Basisgruppe, die im Bereich Wien agiert. Sie hat sich im Laufe des Jahres 1999 gebildet und entwickelt sich seither nach Anliegen, Lust und Laune der Leute, die sich dort einbringen wollen. Wenn was passiert, passiert es auf Grundlage der Freien Kooperation - was nicht freiwillig geschieht, geschieht nicht. Wir haben in einem sogenannten Leitbild die uns motivierenden Momente zusammengefasst und wollen dieses hier zur Diskussion stellen. Was wir sonst noch treiben ist auf http://www.plattform.org zu finden.

Wovon gehen wir aus?

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch einzigartig, einmalig und deshalb unaustauschbar ist, dass sie/er unter anderem mit Bewusstsein, Vernunft, Kreativität, Willen und Gewissen begabt ist und dass sie/er zur Veränderung fähig ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch Bedürfnisse (Anliegen, Wünsche, Absichten usw.) hat, die von Tag zu Tag und von Lebensphase zu Lebensphase wechseln können. Diese Bedürfnisse sind uns Ausgangspunkt unseres Denken und Handelns.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Wir gehen davon aus, dass für jeden Menschen Beziehungen (jeglicher Art) zu anderen Menschen lebensnotwendig sind, gleichzeitig aber die Früchte dieser Beziehungen unabsehbar vielfältig und bereichernd sein können.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Wir gehen schließlich davon aus, dass jeder Mensch in ihrer/seiner persönlichen Wirklichkeit lebt, in der sich ihre/seine Einmaligkeit widerspiegelt und die unter anderem durch ihre/seine Bedürfnisse und Beziehungen bestimmt wird. Diese persönliche Wirklichkeit ist ihr/ihm Entscheidungsgrundlage für ihr/sein Handeln und letztlich ausschlaggebend für ihr/sein Lebensgefühl. Auch diese Wirklichkeiten sind veränderlich und gestaltbar.

Was finden wir vor?

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Wir finden derzeit KonsumentInnen, ProduzentInnen, ArbeitnehmerInnen, ArbeitgeberInnen, also auf bestimmte Funktionen und Berechenbarkeiten reduzierte und sich selbst beschneidende Menschen, deren kreatives und wohlwollendes Potential durch ein Übermaß an unnotwendigen Ängsten brach liegt.

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Wir finden derzeit vorwiegend jene Bedürfnisse, die mensch glaubt, haben zu dürfen, eine Unzahl an fremdbestimmten, diktierten Bedürfnissen und oft die seltsame Gewissheit, dass viele ganz genau über die Bedürfnisse der anderen Bescheid zu wissen glauben.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Wir finden derzeit Beziehungen, die vom Kalkül dominiert werden, Beziehungen, die bestrebt sind, die unberechenbaren (kreativen) menschlichen Anteile auszutreiben und die durch die Inszenierung physischer und/oder psychischer Abhängigkeiten zementiert werden. Da sich in solchen Beziehungen nur selten jemand wohl fühlt, ist es nicht verwunderlich, dass viele heute von einer beziehungsverarmten, "atomisierten" Gesellschaft isolierter Individuen sprechen.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Wir finden derzeit persönliche Wirklichkeiten, die gespickt sind von Zwängen, Widersprüchen, Ängsten, überflüssigen Grenzen, Vorurteilen, Fremdurteilen, "freiwilligen" Selbstbeschränkungen und lieblos zusammengebastelten Weltbildern. Dementsprechend häufig sind Fehleinschätzungen (unter anderem, dass man unter "diesen" Umständen sowieso nichts machen kann) und Fehlentscheidungen, die daraus resultierenden Misserfolge und Lebensgefühle, in denen nicht einmal mehr die Hoffnung auf Freude existiert und die durch Resignation und Mutlosigkeit bestimmt sind.

Wie könnte es sein?

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Die Menschen könnten sich ihrer Ganzheit, ihrer Einmaligkeit, ihrer Fähigkeiten und ihrer Entwicklungsmöglichkeit bewusst sein und dementsprechend auf der Achtung ihrer Würde bestehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Die Menschen könnten ihre eigenen Bedürfnisse selbst auffinden, artikulieren und zu verwirklichen anstreben. Sie könnten auch die anderen fragen, welche Bedürfnisse diese haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Die Menschen könnten ihre Beziehungen durch Dialog und Vereinbarungen so gestalten, dass sich alle Betroffenen ganzheitlich (nämlich mitsamt ihren Bedürfnissen) darin wiederfinden, Fluchtgedanken dementsprechend absurd erscheinen und Hinwendung, Interesse, Neugier und Wohlwollen ausreichend Raum finden.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Die Menschen könnten sich der Gestaltbarkeit ihrer persönlichen Wirklichkeit bewusst sein, sich dementsprechend selbst dafür verantwortlich erklären und damit Sinn darin sehen, Widersprüche aufzuklären, Ängste zu hinterfragen, willkürlich gesetzte Grenzen und Zwänge aufzuheben und sich entmenschenden Tendenzen und Inszenierungen zu widersetzen.

Was wollen und können wir tun?

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Wir wollen Mut machen, die Menschen für voll und ernst nehmen, wir wollen den ganzen Menschen im anderen aufsuchen.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Wir wollen Räume schaffen und pflegen, wo sich Bedürfnisse artikulieren können und ihre Umsetzung begonnen werden kann, sowie falls nötig bzw. möglich Hilfestellung dabei leisten.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Wir wollen an einem dichten Beziehungsnetz mitknüpfen, Beziehungsmodelle aufspüren und austesten und entsprechende Informationen ausfindig machen und bereitstellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Wir wollen Wirklichkeitsentwürfe diskutieren, austesten und etablieren, die dem "ganzen" Menschen gerecht werden. Wir wollen schließlich zu einer gemeinsamen Wirklichkeit vorstoßen, die nach all dem Gesagten nur dann auch wirklich eine gemeinsame genannt werden kann, wenn sie von den Betroffenen auch gemeinsam gestaltet wurde.




Quelle: http://www.opentheory.org/h-leitbild/text.phtml
(Last Software Update: 13.02.2002, 20:59)