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24 Notizen zur immateriellen Arbeit und Ware Wissen
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Maintainer: Stefan Meretz, Version 1, 07.12.2007  Druckversion
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Beitrag zum Workshop »Immaterielle Arbeit und Waren Wissen« auf dem Kongress »No way out? - Der ...ums Ganze! Kongress« (Frankfurt/M., 7.-9.12.2007)

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Immaterielle Arbeit und Wissen als Ware erscheinen zunächst als getrennte Themen. Ihre Verbindung muss erst rekonstruiert werden. Immaterielle Arbeit ist nach Hardt/Negri Arbeit, die »Dienstleistungen, kulturelle Produkte, Wissen oder Kommunikation produziert« (2002, S. 302). Sie identifizieren drei Typen: erstens die Transformation der industriellen Produktion zur Dienstleistung, zweitens die unmittelbaren symbolisch-analytischen Tätigkeiten, drittens die Produktion und Handhabung von Affekten. Kennzeichnend für alle Typen immaterieller Arbeit sei die Immanenz der Kooperation.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Ein theoretischer Zugang über die unmittelbaren Arbeitstätigkeiten ist sinnvoll. Allerdings müssen solche Beschreibungen vermittelt werden mit einem Begriff von der Funktionsweise der Warenproduktion, in der diese Tätigkeiten stattfinden. Das unterbleibt. So bleibt der kategoriale Status des Begriffs der immateriellen Arbeit und die Bedeutung der vorgenommenen Typisierung völlig unklar. Das hat Folgen.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Zu klären wäre: Wie ist das Verhältnis von materieller und immaterieller Arbeit beschaffen? Welchen ökonomischen Status hat die immaterielle Arbeit in ihrem Verhältnis zur materiellen Arbeit? Wie ist die Beziehung von materieller/immaterieller Arbeit zum Wert als konstitutivem gesellschaftlichem Verhältnis? In welcher Weise wird die Funktionsgrundlage des Kapitalismus der »Verwertung von Wert« durch einen solchen Begriff tangiert? Wird dadurch eine Aufhebung des Kapitalismus besser oder überhaupt erst verstehbar?

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Hardt/Negri beantworten diese Fragen nicht. Das ist auf Grundlage ihrer ausschließlich deskriptiven Termini auch nicht möglich. Beispielhaft wird dies deutlich bei der Verwendung des Begriffs der abstrakten Arbeit. Marx spricht vom Doppelcharakter der Arbeit. Das ist ein analytischer Begriff. Als konkrete Arbeit produziert sie den Gebrauchswert, als abstrakte Arbeit den Wert, der sich im Tausch realisiert. Konkrete und abstrakte Arbeit existieren nicht als solche, sondern es sind die bestimmbaren Seiten warenproduzierender Arbeit. Abstrakte Arbeit bei Hardt/Negri beschreibt die Distanz zum Gegenstand der Arbeit. Durch die Computerisierung nehme die Distanz immer mehr zu, die Arbeit werde immer abstrakter. Dieser deskriptive Terminus hat nichts mit der Kategorie der abstrakten Arbeit als eine Seite der Arbeit in warenproduzierenden Gesellschaften zu tun. Wenn nun behauptet werde, die immaterielle löse die abstrakte Arbeit als entscheidendem Begriff einer Kapitaltheorie ab, so meinen beide Begriffe etwas anderes, nur nicht eine Kapitaltheorie.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Eine weitere These lautet, das Hardt/Negri eine »neue politische Werttheorie« fordern. Das ist wörtlich zu nehmen: Sie verabschieden sich von einer »Kritik der politischen Ökonomie« und begründen affirmativ eine neue positive Werttheorie. Der Wert als zentrale Vermittlungsinstanz der Vergesellschaftung wird akzeptiert, die Frage ist nurmehr, wer die »Verwertung von Wert« (Marx) in Bewegung setzt. Hier biete die immaterielle Arbeit, die immanent kooperativ sei, die Möglichkeit zur »Selbstverwertung«. Dieser dann so genannte »spontane Kommunismus« ist die ins Individuum hineinverlagerte und verinnerlichte Exekution des alltäglichen Horrors im Kapitalismus. Es ist aber nicht nur das, es enthält auch und gleichzeitig Potenzen der Befreiung. Diese sind jedoch nicht in Affirmation, sondern nur in Negation des Werts zu begreifen und freizulegen.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Im folgenden versuche ich mich an einer solchen Freilegung. Ansatzpunkt ist das Begriffspaar produktive/unproduktive Arbeit. Er fasst die Rolle von Arbeit im erweiterten Reproduktionszyklus des Kapitals, den Marx auf die Formel G-W-G' brachte. Ist Arbeit konstitutiver Beitrag zum G', so ist sie produktiv; ist sie Abzug davon, so ist sie unproduktiv. Dieser Weg über das Verhältnis produktiver/unproduktiver Arbeit ist notwendig, weil die äußerlich beobachtbare Weise der Arbeitverausgabung noch nichts über ihre Rolle im Verwertungsprozess aussagt. So ist weder materielle Arbeit stets produktiv, noch immaterielle stets unproduktiv.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Das Verhältnis produktiver/unproduktiver Arbeit wirft nun seinerseits ein analytisches Problem auf, da die Kapitalverwertung als zyklischer Prozess zu begreifen ist, und in dem gibt es nun einmal keinen Anfang und kein Ende. Es ist also nicht einfach möglich, zu bestimmen, ob eine Tätigkeit Mehrwert produziert und damit das G' konstituiert oder aus ihm bezahlt wird. Um nun klären zu können, welche Arbeit wertproduktiv ist -- so will ich das jetzt abkürzend nennen -- und welche nicht, ist es noch einmal notwendig, sich den Charakter von Arbeit in warenproduzierenden Gesellschaften klar zu machen.

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Zur Annäherung an diese Frage verwende ich nun einen sehr grundlegenden Zugang, und ich will dies im Folgenden dann am Beispiel der Informations- und Wissensgüter durchspielen, womit dann das zweite Thema erreicht wäre. Den Zugang gewinne ich durch die Frage wie im Kapitalismus Privatarbeit allgemeine, also gesellschaftliche Geltung erlangen kann. Ganz generell kann Kapitalismus auch als sich bewegender Widerspruch von Arbeit in privater Form, die sich als allgemeine Arbeit bewähren muss, gefasst werden. Damit will ich mich im folgenden etwas ausführlicher befassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Allgemeine Arbeit ist Arbeit für allgemeine Andere. Allgemeine Arbeit darf nicht verwechselt werden mit gemeinschaftlicher Arbeit. Das betont auch Marx, es sei »zu unterscheiden zwischen allgemeiner Arbeit und gemeinschaftlicher Arbeit. Beide spielen im Produktionsprozeß ihre Rolle, beide gehn ineinander über, aber beide unterscheiden sich auch. Allgemeine Arbeit ist alle wissenschaftliche Arbeit, alle Entdeckung, alle Erfindung. Sie ist bedingt teils durch Kooperation mit Lebenden, teils durch Benutzung der Arbeiten Früherer. Gemeinschaftliche Arbeit unterstellt die unmittelbare Kooperation der Individuen.« (MEW 25, 113f) Allgemeine Arbeit ist also gesellschaftliche Arbeit.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Die Warenproduktion ist eine indirekte, über den Wert vermittelte gesellschaftliche Form, Allgemeines zur Geltung zu bringen. Allgemein ist dabei jenes, das gesellschaftliche Geltung besitzt. Im Kapitalismus wird jedoch isoliert voneinander produziert. Gesellschaftliche Geltung erlangen die Produkte nur, wenn sich die in ihnen verkörperte abstrakt-allgemeine Arbeit im Tausch als Wert realisieren kann: »Tauschwert setzende Arbeit ist daher abstrakt allgemeine Arbeit« (MEW 13, 17). Der Wert als kapitalistische Form der Allgemeinheit benötigt zwar sinnlich konkrete Gebrauchswerte als dingliche Träger, die Gebrauchswerte sind jedoch vollständig der Wertabstraktion untergeordnet.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Umgekehrt können die Gebrauchswerte nicht als solche -- nämlich als besondere Einzelne -- Allgemeinheit konstituieren. Allgemeinheit gewinnen sie nur als »Rückseite« des Werts. Marx hat diese Dialektik so ausgedrückt: »Der der Ware immanente Gegensatz von Gebrauchswert und Wert, von Privatarbeit, die sich zugleich als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit darstellen muß, von besondrer konkreter Arbeit, die zugleich nur als abstrakt allgemeine Arbeit gilt, von Personifizierung der Sache und Versachlichung der Personen -- dieser immanente Widerspruch erhält in den Gegensätzen der Warenmetamorphose seine entwickelten Bewegungsformen.« (MEW 23, 128)

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Ist die abstrakte Allgemeinheit als Wertding die einzige Form, Allgemeinheit auszudrücken, oder anders ausgedrückt: Muss Allgemeines immer auch Abstraktes sein? Muss Produziertes notwendig Wertform annehmen? Auch wenn Hardt/Negri dem ihrer Argumentation gemäß zustimmen müssten, ist dem nicht so. Zu unterscheiden sind zwei Formen der Allgemeinheit: Abstrakt-Allgemeines, worin Besonderes ununterscheidbar eingeebnet ist, und Konkret-Allgemeines, worin Besonderes als Repräsentant des Allgemeinen zur Geltung kommt. Mit dieser Unterscheidung können wir die von Marx angeführte »allgemeine Arbeit«, für die er als Beispiel die Wissenschaft nannte, als konkret-allgemeine Arbeit spezifizieren. Konkret-allgemeine Arbeit kann jedoch gerade nicht mehr das leisten, was die unterschiedslose Wertabstraktion leistet: Die Reduktion der Verausgabung menschlicher Lebensenergie auf ein unterschiedloses Maß. Anders ausgedrückt: konkret-allgemeine Arbeit kann im Unterschied zu abstrakt-allgemeiner Arbeit keinen Wert bilden. Sie ist genuin wertunproduktiv.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Noch einmal zusammengefasst: Als Allgemeines und damit Gesellschaftliches bewährt sich Privatarbeit nur, wenn sie sich als Wertding im Tausch realisieren kann. Die gesellschaftliche Vermittlung über den Wert gelingt jedoch nur unter Absehung von jeder Besonderheit, gelingt nur als Abstrakt-Allgemeines. Diese Abstraktion ist kein Denkvorgang, sondern Ergebnis eines Handlungsvollzugs, ist Realabstraktion. Entsprechend ist abstrakte Arbeit nicht auf der sinnlich-konkreten Ebene angesiedelt, ist in diesem Sinne nichts, was an-sich existieren würde, sondern abstrakte Arbeit ist die realabstraktive Widerspiegelung des gesellschaftlichen Verhältnisses des Werts in der Arbeit: Es zählt nur, was als Arbeitszeit in einer Ware inkarniert und auf dem Markt erlöst werden kann -- ob in Form von Landminen oder Babybrei ist unerheblich.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Konkret-allgemeine Arbeit hat es hingegen »nicht nötig«, sich über den Umweg der Wertabstraktion gesellschaftliche Geltung zu verschaffen, sie hat bereits ohne Umweg gesellschaftlichen Charakter, sie ist unmittelbar gesellschaftliche Arbeit. Abstrakt-allgemeine Arbeit kann sich demgegenüber nur vermittels des Wertvergleichs gesellschaftlich bewähren. Gelingt der Tausch und damit der Wertvergleich nicht, so konnte das besondere Produkt auch nicht Allgemeinheit erreichen, weil es sich aposteriori -- obwohl intendiert -- doch nicht als verallgemeinert für Andere produziert herausgestellt hat. Da für solche unverkäuflichen Produkte dennoch Arbeitskraft verausgabt wurde, geht dieser Aufwand negativ in die Gesamtwertbilanz ein. Gelingt der Tausch hingegen, so bewährt sich die verausgabte Arbeitskraft indirekt, nämlich vermittelt über die Wertabstraktion, als allgemeine Arbeit, in diesem Fall als abstrakt-allgemeine Arbeit. Abstrakt-allgemeine Arbeit ist mittelbar gesellschaftliche Arbeit. Nur als wertvermittelte Arbeit kann das Paradox aufgelöst werden, nach dem »jeder für sich arbeitet und die besondre Arbeit zugleich als ihr Gegenteil, abstrakt allgemeine Arbeit, und in dieser Form gesellschaftliche Arbeit sich darstellen muß« (MEW 26, 529f).

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Es gibt eine weitere zu abstrakt-/konkret-allgemein orthogonale Dimension der Allgemeinheit, die beachtet werden muss, und das ist die historische Allgemeinheit. Die Menschheit produziert ihre Lebensbedingungen, jedoch tut sie dies nicht fortwährend beginnend bei Null. Sie baut jeweils auf dem gegenständlich und symbolisch kumulierten Bestand gesellschaftlich-historischer Erfahrungen auf (vgl. Holzkamp 1985, 177). Nicht alle Ergebnisse menschlich-gesellschaftlicher Lebenstätigkeit erlangen historische Allgemeinheit. Es können die Produkte verloren gehen, die entweder nur unmittelbar kooperativ tradiert werden oder als bedeutsame Produkte oder stoffliche Träger gesellschaftlicher Bedeutungen verfallen ohne jemals reproduziert zu werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Historische Allgemeinheit können nur die Resultate konkreter Tätigkeiten erlangen. Abstrakt-allgemeine Arbeit ist somit nicht historisch verallgemeinerbar, sie ist nur Teil der Bewegungsform der Warenmetamorphose, sie existiert nur im Tausch und erlischt mit ihm. Was überlebt und historisch verallgemeinert werden kann, sind die Gebrauchsdinge, also die Resultate konkreter Arbeit als Moment der Lohnarbeit. Darüber hinaus können die Ergebnisse konkret-besonderer Tätigkeiten, die als solche und nicht als Moment der Lohnarbeit verausgabt werden, obwohl intentional nicht für den verallgemeinerten Anderen gemacht dennoch historisch in den gesellschaftlichen Erfahrungsfundus aufgenommen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Konkret-allgemeine Arbeit ist immer gleichzeitig historisch-allgemeine Arbeit. Sie wird für den verallgemeinerten Anderen verausgabt und schafft gesellschaftlich überdauernde historisch-allgemeine Produkte. Dabei ist das wesentliche überdauernde Moment nicht die konkrete stoffliche Inkarnation, die durchaus verfallen oder verbraucht werden kann, sondern die vergegenständlichte gesellschaftlich-kumulierte Erfahrung, kurz: das gesellschaftliche Wissen. Mit zunehmender Vergesellschaftung und Produktivkraftentwicklung ist das gesellschaftliche Wissen immer weniger an einen besonderen stofflichen Träger gebunden. Das gilt sowohl für gegenständliche (etwa: das Haus) wie auch symbolische gesellschaftliche Bedeutungen (etwa der Hausbauplan). Wissenschaftliches Wissen als spezifische Form gesellschaftlich-allgemeinen Wissens ist hierbei nur eine besonders »reine« Form und keinesfalls als Einziges Resultat konkret-allgemeiner Arbeit.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Die historische Tendenz der Ablösung des gesellschaftlich-historisch allgemeinen Wissens von einem besonderen stofflichen Träger erfährt einen qualitativen Sprung mit der Entwicklung der digitalen Universalmaschine, des Computers. Nun ist erstens die digitale Form zur Darstellung des Wissens allgemein geworden und zweitens ist es nun bei gegebener Infrastruktur (die allerdings selbst erst geschaffen werden muss) mit minimalem Aufwand und in geringer Zeit möglich, das Wissen durch Kopie global zu verallgemeinern. Damit erlangen die durch konkret-allgemeine Arbeit geschaffenen Resultate im Moment ihrer Entstehung historische Allgemeinheit. Oder anders herum formuliert: Konkrete und historische Allgemeinheit erlangt jene Tätigkeit, die nur einmal getan werden muss und damit der Menschheit zur Verfügung steht.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Wann haben wir es nun im Kapitalismus mit konkret-allgemeiner Arbeit zu tun? Gemäß der entwickelten Kriterien immer dann, wenn das Resultat einer einmal getanen Tätigkeit der Menschheit allgemein zur Verfügung steht. Das Produkt konkret-allgemeiner Arbeit ist damit gleichzeitig Besonderes, in dem es eine spezifische indendierte Zwecksetzung erfüllt, und Allgemeines, weil jene Zwecksetzung mit ihrer konkreten Realisierung allgemein verfügbar in der Welt ist. Diese Identität von Konkretheit und Allgemeinheit kann beschnitten oder gar völlig zerstört werden, historisch setzt sie sich jedoch auch unter kapitalistischen Verhältnissen durch.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Informations- und Wissensgüter, im folgenden Universalgüter genannt, entsprechen nun genau diesen Kriterien. Ihre Besonderheit ist es, dass sie durch allgemeine, genauer: konkret-allgemeine Arbeit entstehen. Aufgrund ihrer Unabhängigkeit von einem bestimmten stofflichen Träger (sie brauchen nur irgendeinen Träger) erlangen sie gleichzeitig historische Allgemeinheit -- einmal in der Welt, stehen sie potenziell der Menschheit zur Verfügung. Das bedeutet jedoch, dass sie als von vornherein gesellschaftliche Güter keinen Wert darstellen können. Darin sind sie mit der Wissenschaft vergleichbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Nun darf man sich jedoch keines ontologisierenden Abfeierns der konkret-allgemeinen Arbeit als der »guten Arbeit« hingeben: Auch die konkret-allgemeine Arbeit ist widersprüchlich in die dominante fetischistische Konstitution von Gesellschaftlichkeit über »Arbeit« eingebunden, und gleichzeitig überschreitet sie diese Einbindung. Diesen Widerspruch gilt es zu begreifen. Und im Fall der Universalgüter zeigt er sich auch besonders deutlich.

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Nehmen wir hier einmal Software: Als privat angeeignetes, als privatisiertes Universalgut erhält etwa proprietäre Software eine warenförmige Hülle, zumeist erzeugt durch Rechtsform und Kopierschutz. Das genuin unknappe Universalgut wird künstlich verknappt, um es zum Bezahlgut zu machen. Ein privatisiertes Universalgut ist Ergebnis privatisierter konkret-allgemeiner Arbeit. Das ist nahe am Topos der immanent kooperativen immateriellen Arbeit (bei Hardt/Negri), die vom Kapital aneignet, also privatisiert werde. Entscheidend ist jedoch zu erkennen, dass sich Universalgüter als genuin wertlose Güter eben auch nicht zur Selbstverwertung eigenen bzw. dass darin kein Stück Befreiung liegt.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Befreiung liegt nicht in der Selbstverwertung, sondern in der Selbstentfaltung. Ist die Grundlage der Selbstverwertung der Wert, was stets bedeutet, sich auf Kosten anderer durchzusetzen, so ist die Grundlage der Selbstentfaltung eine Form der »immanenten Kooperation«, die die individuelle Entfaltung zur Voraussetzung der Entfaltung aller macht -- und umgekehrt. Das jedoch geht nur unter Bedingungen der Nichtverwertung, und genau hier liegt der »spontane Kommunismus« etwa der Freien Software. Freie Software emanzipiert sich von der privaten Form, sie ist als freies universelles Gut (den sog. Commons) Ergebnis konkret-allgemeiner Arbeit und besitzt sui generis gesellschaftliche Geltung. Freie Software verkörpert die Universalgütern angemessene Produktionsweise.

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Freie Software ist noch mehr. Sie ist verallgemeinerungsfähige Keimform einer anderen Art und Weise der Vergesellschaftung -- jenseits von Ware, Geld, Markt und Staat. Mit der »Peer Produktion« liegt inzwischen ein Übergangskonzept vor (Siefkes 2007), das die Prinzipien Freier Software für die Produktion stofflicher Güter verallgemeinert. Doch das ist ein neues Thema.

Literatur

[Alle Kommentare ausblenden] (25)
M. Hardt, A. Negri (2002), Empire. Die neue Weltordnung, Campus: Frankfurt/M.
K. Holzkamp (1985), Grundlegung der Psychologie, Studienausgabe, Campus: Frankfurt/M.
K. Marx (1859), Zur Kritik der Politischen Ökonomie, MEW 13, Dietz (1971): Berlin/DDR
K. Marx (1863), Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2, Dietz (1987): Berlin/DDR
K. Marx (1890, 4. Aufl., hrsg. v. F. Engels), Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Band 1, MEW 23, Dietz (1962): Berlin/DDR
K. Marx (1894, 1. Aufl., hrsg. v. F. Engels), Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Band 3, MEW 25, Dietz (1962): Berlin/DDR
C. Siefkes (2007), From Exchange to Contributions. Generalizing Peer Production into the Physical World, Ed. C. Siefkes: Berlin, Web: peerconomy.org




Quelle: http://www.opentheory.org/immaterielle_arbeit/text.phtml
(Last Software Update: 07.12.2007, 09:49)