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Robert Kurz: "Antiökonomie und Antipolitik. Zur Reformulierung der sozialen Emanzipation nach dem Ende des 'Marxismus'"
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Maintainer: Ulrich Leicht, Version 1, 11.05.2001  Druckversion
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1. Der Politizismus und die Frage der emanzipatorischen Keimform

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Das Elend einer radikalen Kritik des warenproduzierenden Systems, d.h. der "auf dem Wert beruhenden Produktionsweise" (Marx) scheint es zu sein, daß sie keine historische Praxis (nicht zu verwechseln mit praktizistischer Handwerkelei) darstellen, keinen Anfang machen, keinen Übergang finden, sich dem Normal- und Massenbewußtsein nicht erklären kann und deswegen zu einem esoterischen Dasein verdammt bleibt, das in den gesellschaftlich abgelegenen Gefilden der rein theoretischen Reflexion oder gar der philosophischen Spekulation angesiedelt ist und womöglich in ein merkwürdiges Sektenwesen ausläuft. Ob und wie eine emanzipatorische Vergesellschaftung ohne die fetischistischen Formen von Ware und Geld möglich sein kann, bleibt ein Buch mit sieben Siegeln.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Daran ist der minoritäre Marxismus, der sich bisher überhaupt "irgendwie" als wertkritisch verstanden oder die Wertkritik mehr oder weniger vage hat anklingen lassen, keineswegs unschuldig. Denn diese Sorte marxistischer Kritik des "Warenfetischismus", die sich auf den jüngeren Lukacs von "Geschichte und Klassenbewußtsein", auf die Kritische Theorie von Adorno und Horkheimer oder teilweise auch auf die französischen Situationisten um Guy Debord zurückführt, hat entweder bewußt auf eine Zuspitzung und Konkretisierung der Kritik am Fetischismus der modernen politischen Ökonomie vornehm verzichtet oder in ihrer praktischen Wendung eher existentialistische Züge anklingen lassen, wenn sie nicht gar (wie Lukacs) auf eine verschämte Apologie des realsozialistischen warenproduzierenden Systems eingeschwenkt ist. Der neuere Linkskommunismus wiederum mit seinen teils maoistischen, teils aus dem italienischen "Operaismus" stammenden Ingredienzen ist über eine bestenfalls platonische Kritik der "Ware-Geld-Beziehungen" ohne philosophiekritisch und anti-ökonomisch fundierte Kritik der Wertform nie hinausgekommen und bei ganz kruden Vorstellungen stehen geblieben, die in der Praxis nicht viel mehr als eine hedonistische Maskierung der alten Arbeiterbewegungs-Ideologie waren.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Diese Randströmungen des heute historisch gewordenen Marxismus, die in der Reformulierung der Neuen Linken sogar eine Zeitlang dominierten und schillernde Amalgamierungen eingingen, haben (wie in der "Krisis" schon mehrfach angesprochen) eines gemeinsam: sie weigern sich standhaft, die logische Formel "negatio est determinatio" anzuerkennen; d.h. sie schweigen wie das Grab über die konkrete Aufhebung der fetischistischen, vom Wert gesetzten Formbestimmtheit kapitalistischer Reproduktion. Diese Ignoranz, die ja zunächst einmal selber eine theoretische ist, speist sich daraus, dass die Frage der Aufhebung auseinandergerissen wird in die reine Negation einerseits ("hiermit erklären und unterschreiben wir, daß wir gegen den Kapitalismus/Imperialismus sind und ihn stürzen wollen") und in einen inhaltlich völlig leeren, erst postkapitalistisch (nach dem "Sturz" der kapitalistischen Macht) in Gang zu setzenden Praxis-Pragmatismus der "befreiten Gesellschaft" andererseits.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Man könne alsdann, wenn die Schwierigkeit der Machtfrage überwunden sei, ganz leicht und geradezu nach dem Muster von Reklamesprüchen ("dann geht alles wie von selbst") die vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktivkräfte zum Wohle aller regulieren. Die beiden Fossile des Linksradikalismus und des grünen Ex-Fundamentalismus in der BRD, Rainer Trampert und Thomas Ebermann, sollen sich auf Veranstaltungen angeblich sogar anheischig machen, das Programm dafür in einer Viertelstunde schreiben zu können, aber das sei angesichts des ungebrochen herrschenden Kapitalismus gar nicht das Problem.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) So wird eine wirkliche Aufhebungsbewegung nicht denken können. Zwischen Kapitalismus und Nicht-Kapitalismus liegt keineswegs bloß die Frage der Macht bzw. "Verfügungsgewalt". Die Aufhebung der warenförmigen Reproduktion ist keine mehr oder weniger technisch-organisatorische Angelegenheit nach der (politischen und juristischen) "Enteignung" der Kapitalisten, sondern die Aufhebung aller vom Wert bzw. der geschlechtlichen "Wert-Abspaltung" (R. Scholz) strukturierten sozialen Beziehungen und Bewußtseinsformen. Und das geht weder leicht und reibungslos (weil das Massenbewußtsein ebenso wie das theoretische Bewußtsein in einem jahrhundertelangen Prozeß warenförmig konditioniert worden sind) noch als eine erst postkapitalistische Umpolung. Vielmehr ist schon die Bewegung radikaler Kritik und sozialer Emanzipation vom kapitalistischen Istzustand aus überhaupt nur denkbar durch den bestimmten Ansatz eines begreifbaren "Anderswollens", weil sonst gar keine Negation und gar keine gesellschaftliche Vermittlung möglich wären; und dieser Ansatz kann keineswegs in der Form einer moralischen oder metaphorischen Unbestimmtheit bis zu irgendeinem "Tag X" verharren, ohne mit konkreten Bestimmungen in die Theoriebildung einzugehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Das gilt umso mehr, wenn die postkapitalistische Reproduktion nicht hinter die Höhe der kapitalistischen Vergesellschaftung einfach zurückfallen, sondern diese eben aufheben soll. Unter diesem Gesichtspunkt ist es erst recht unmöglich, die Negation und die positive Aufhebung auseinander zureißen. Wenn die Potenzen, die der Kapitalismus selbst hervorgebracht hat, in der kapitalistischen Form nur noch destruktiv erscheinen und wirken, muß angegeben werden können, wie diese Potenzen denn als aufgehobene anders wirken und durch Institutionen direkter gesellschaftlicher Kommunikation jenseits der bürgerlichen, warenförmigen Vergesellschaftung reguliert werden sollen. Das ist bereits Voraussetzung, damit eine Aufhebungsbewegung überhaupt in Gang kommen kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Hierher gehört auch alles, was in der bürgerlichen Ökonomie als das Problem einer "Allokation der Ressourcen" erscheint. Wie soll das Zusammenwirken von Millionen von Menschen in der Funktionsteilung ihrer Reproduktion, wie der Fluß der Ressourcen vom Stahlwerk bis zur Kohlenschaufel konkret aussehen, wenn all dies nicht mehr die "unsichtbare Hand" der fetischistischen Wertform bewerkstelligen kann? Diese Probleme der sogenannten Planung werden keineswegs in einer Viertelstunde von Geistesgrößen wie Trampert/Ebermann gelöst werden

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Selbst wenn aber die Planungsfrage neu formuliert und jenseits der Formen von Ware und Geld in groben Zügen theoretisch und analytisch gelöst wäre, um überhaupt praktische postkapitalistische Erfahrungen machen zu können, so stellt sich doch immer gleichzeitig auch die Frage des Übergangs, der praktischen Transformationsbewegung, des berühmten "Herankommens" an eine nicht-wertförmige Reproduktion, bevor diese sich auf ihrem eigenen Boden entwickeln kann. Wo und wie ist anzusetzen innerhalb der vorgefundenen und zunächst die gesamte Reproduktion beherrschenden kapitalistischen Vergesellschaftungsform, um in diese sozusagen von innen eine Bresche zu schlagen und aus ihr herauszukommen, erste Schritte zu tun, einen formulierbaren Anfang der sozialen Emanzipation zu setzen?

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Der Mainstream des alten Arbeiterbewegungs-Marxismus hat dieses Problem schlicht umgangen und durch ein anderes ersetzt: nämlich durch eine politizistische und etatistische Orientierung an der vorgeschalteten "Machtfrage" (vgl. dazu den Artikel "Krise und Befreiung - Befreiung in der Krise" von Ernst Lohoff in "Krisis" Nr. 18). Mit anderen Worten: Er organisierte sich nicht reproduktiv und lebensweltlich antikapitalistisch, sondern bloß politisch, als historische abstrakte "Willenskundgebung" ohne reale reproduktive Verankerung, und damit als "politische Partei" (und parallel dazu gewerkschaftlich für den Kampf um systemimmanente Gratifikationen). Alles wurde dem Ziel der politischen Machtergreifung untergeordnet, um dann folgerichtig "von oben", durch zentrale etatistische Eingriffe, die kapitalistische Reproduktion gewissermaßen sozialistisch-planwirtschaftlich "umstülpen" zu wollen. Die politische Macht erscheint hier als der archimedische Punkt und ein alternativer Staatsapparat ("Arbeiterstaat") als der zentrale Hebel der Umwälzung.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Keineswegs zufällig verschwindet dabei die Frage einer nicht mehr an den Wert gebundenen Reproduktion und des "Herankommens" an diese völlig. Der Kampf um systemimmanente Gratifikationen, der per definitionem die bürgerliche Verkehrsform nicht verläßt, wird für das "Herankommen" an die politische und insofern ebenfalls systemimmanente Machtfrage genommen (als "Einübung" in diese); und das ist auch durchaus folgerichtig, denn die Machtfrage als positive, als Frage der Errichtung einer alternativen Staatsgewalt, verbleibt ja ebenfalls in der (politischen) Sphäre bürgerlicher Vergesellschaftung.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Der Wert wird auf diese Weise nicht geknackt, sondern zum neutralen, ontologischen Gegenstand. Weg und Ziel, Reform und Revolution, gewerkschaftlicher Verteilungskampf und politisches Programm können so bloß deswegen zu einer Einheit zusammengeschlossen werden, weil sie als "Kampf ums Teewasser und um die Macht im Staat" (Bertolt Brecht) mit Haut und Haar in der basalen bürgerlichen Reproduktionsform von Waren- und Geldbeziehungen eingeschlossen bleiben. Die Wertkritik im unaufgehobenen Kontext des Arbeiterbewegungs-Marxismus, die auf ihre Konkretisierung verzichtete, mußte zwangsläufig direkt oder indirekt in diesem politizistischen Fahrwasser mitschwimmen und eben deshalb als Wertkritik esoterisch und unvermittelt bleiben.

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Tatsächlich ist die altmarxistische Vorgehensweise in beiden Fällen, ob esoterisch wertkritisch und verschämt politizistisch oder offen wertontologisch und etatistisch, so ziemlich dieselbe: nämlich eine "uneigentliche", d.h. der Antikapitalismus erscheint nicht (zunächst einmal auch nur der theoretisch herausgearbeiteten Möglichkeit nach) als formulierbare, ansatzweise darstellbare sozialökonomische Reproduktions- und Daseinsform jenseits des Kapitalismus, die um ihr Existenzrecht kämpft und sich gegen die herrschende Vergesellschaftungsform behauptet, sondern als bloß indirekte Mobilisierung der abstrakten Negation, die nicht an und für sich schon nicht-wertförmig ist, sondern auf ein zunächst äußerliches abstraktes Ziel, einen transzendenten vermeintlichen Umschlagspunkt hinarbeitet.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Die soziale Emanzipation bleibt so immer ein bloßes Versprechen für eine imaginäre Zukunft. Erst müsse das politische Tal der Tränen durchquert werden, bevor das gelobte Land des "Sozialismus" in Augenschein genommen und praktisch besetzt werden könne. De facto war dies in Wahrheit das Programm der wertförmig immanenten sozialen Reform in den Metropolen und der "nachholenden Modernisierung" an der kapitalistischen Peripherie; diese beiden Optionen sind inzwischen weitgehend zusammengebrochen. Die Vorstellung einer politisch zentrierten und deswegen abstrakten Umwälzung im politischen Himmel statt auf der sozialökonomischen Erde war identisch mit der Befangenheit in der Fetischform des bürgerlichen Vergesellschaftungsmodus.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Das Problem, das hier aufscheint, ist das der "Keimform". Der historische Materialismus hat analytisch bewiesen und anerkannt, daß die bürgerlich-warenförmige, kapitalistische Vergesellschaftung als Keimform im Schoße der feudalen Gesellschaft entstanden ist. Sie begann nicht mit der politischen Revolution (etwa der großen französischen), sondern weit früher, um sich nach einer bereits langen Entwicklung erst allmählich als selbstbewußte Kraft hinsichtlich der politischen Machtfrage geltend zu machen. Die sozialökonomischen Keimformen des Kapitalismus entwickelten sich, während noch lange Zeit "darüber" und "daneben" die feudale Macht bestand. Als in den bürgerlichen Revolutionen "die feudale Hülle gesprengt" wurde, war die bürgerliche, warenförmige Gesellschaftlichkeit schon praktisch da; nicht bloß indirekt als politische und negatorische Kraft, sondern direkt und positiv als reale sozialökonomische Reproduktionsform. Die politische Bewegung ging der neuen Reproduktionsform nicht als abstrakte und symbolische Willenskundgebung voraus, sondern war im Gegenteil ihre sekundäre Konsequenz und ihre notwendige Erscheinungsform.

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Es ist von großer Bedeutung, sich diesen historischen Sachverhalt vor Augen zu führen. Denn der historische Materialismus "kippt" sozusagen, sobald es um die Bestimmung der sogenannten sozialistischen Revolution geht. Einerseits wird blind die bürgerliche politische Bewegungsform mit allen ihren Erscheinungen übernommen (vom Revolutionsbegriff bis zur politischen Partei), was auf den Charakter des alten Marxismus als lediglich zweiten Durchgang der bürgerlichen Aufklärung und der warenförmigen Vergesellschaftung verweist. Andererseits aber kann sich dieser Impuls gerade deswegen nicht auf eine bereits existente nicht-bürgerliche, nicht-warenförmige Reproduktionsform stützen. Die Lebenslüge des Arbeiterbewegungs-Marxismus verrät sich durch diesen Mangel einer real existierenden Keimform. Der an sich bürgerlichen Bewegungsform der politischen Aktion konnte keine nicht-bürgerliche, nicht-warenförmige soziale Existenzform entsprechen.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Aus der Not wurde eine Tugend gemacht, aus dem bürgerlichen Charakter der politischen Fixiertheit ein besonderer sozialistischer Charakter der Transformation. Angeblich sollte es das spezifische Merkmal der sozialistischen im Unterschied zur bürgerlichen Umwälzung sein, daß sie keine reale Keimform haben könne. Die zu transformierenden Potentiale der kapitalistischen Produktivkraftentwicklung sollen aufgrund ihres "totalen", gesamtgesellschaftlichen Charakters nicht im Maßstab einer sozialen und kommunikativen Keimform jenseits der Wertvergesellschaftung darstellbar und mobilisierbar sein, sondern nur im Maßstab der unmittelbar gesamtgesellschaftlichen Organisation.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Also: "alles oder nichts", totale Unmittelbarkeit der Umwälzung oder totale Unmittelbarkeit der herrschenden Wertform, keine vermittelnde sozialökonomische Bewegung dazwischen. Stattdessen bloß die politische, also positiv staatsbezogene Bewegung eines dem Kapitalverhältnis inhärenten Widerspruchs, die ihrem Wesen nach im Bannkreis der kapitalistischen Kategorien (Wert, Ware, Geld, Kapital, Lohn, Staat, Demokratie) verbleiben mußte. Praktisch wurde daraus hinsichtlich der Zielbestimmung eine bürokratische Vision, die nur im Kontext des sozialdemokratischen und "kommunistischen" Staatsfetischismus Plausibilität gewinnen konnte, nämlich als sozialistische Untertanen-Idee vom "guten" Staat, vom "Arbeiterstaat", oder, um es polemisch zu formulieren, vom eschatologischen "Dritten Reich" der "blauen Ameisen" im Zeichen gigantomanisch verstandener Produktivkräfte.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Diese in vieler Hinsicht mehr kathedersozialistisch-lassalleanische als Marxsche Idee (aber auch Marx und namentlich Engels selber waren keineswegs völlig frei davon) erstickte unter tatkräftiger Mithilfe der sozialistischen Partei- und Gewerkschaftsapparate, deren Typologie schon immer habituell ein Gruselkabinett proletarischer Eisenbahner-Uniformiertheit, preußischer Stechschritt-Mentalität und überhaupt einer Autoritäts- und Staatsgläubigkeit von "Armeen der Arbeit" darstellte, alle Ansätze einer "antiökonomischen", selbstbestimmten Reproduktion gegen die Zwänge des totalitären warenproduzierenden Systems. Alles Einschlägige, in welcher unausgegorenen Form auch immer, erschien als Konkurrenz zur politischen "Machtergreifungs"-Strategie und zum ameisenstaatlichen totalen Planwirtschafts-Ansatz "von oben" (auf weiterhin warenförmiger Grundlage).

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Es wäre freilich ungerecht, dieses Verdikt einseitig über die politischen und gewerkschaftlichen Apparate der Arbeiterbewegung auszusprechen, so groß ihr Anteil an der Verdunkelung und am Zertrampeln der unsicheren, unausgereiften und schwachen "Keimform"-Ansätze auch war. Denn umgekehrt brachten die alte Genossenschaftsbewegung seit dem 19. Jahrhundert ebenso wie die sogenannte Alternativbewegung der Neuen Linken seit den späten 70er Jahren wie aus dem Lehrbuch des Marxismus tatsächlich all das hervor, was ihnen die Politikaster und Staatsplanungs-Fetischisten immer schon vorgeworfen hatten: massive Kleinbürgerlichkeit und Klitschenmentalität, Abwendung von jeder gesamtgesellschaftlichen Perspektive, technologische Rückständigkeit und Selbstausbeutung, Verblödung des Landlebens; schließlich Rückkehr in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft qua Bankrott oder qua kapitalistische "Professionalisierung".

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Was zurückblieb, waren im Fall der älteren Arbeiterbewegungs-Genossenschaften stinknormale kapitalistische Konzerne wie Co-op oder Neue Heimat, die sich bekanntlich durch besondere Anfälligkeit für Korruptionsskandale blamierten. Die Reste der jüngeren Alternativbewegung dagegen besetzten hauptsächlich Marktnischen im Kasinokapitalismus durch handwerkliche Luxusproduktion für eine betuchte Honoratiorenkundschaft, durch Edel- und Ethno-Gastronomie, Kultur- und Sozialarbeitsklitschen (kommerziell oder am Staatstropf) usw. Hier hat sich ein klassisches Mittelstands- und neues Spießbürgerpotential übelster Sorte zusammengebraut, das entweder den keynesianischen Umverteilungsgeldern hochkonkurrent nachjammert oder gar längst wieder "stolz" auf sein "selbsterarbeitetes" und selbsterrafftes Kleineigentum ist, protestantischen Arbeitsmasochismus pflegt und politisch zwischen kommunaler SPD-Mafia und grünen Realos angesiedelt ist. Daraus kann auch noch bei weitergehender Krise ein Zulauf für den rechtsradikalen oder "linken" Sozialnationalismus kommen. Zwar gibt es unter den Resten der Alternativbewegung auch Menschen, die sich ihren emanzipatorischen Anspruch und die radikale Gesellschaftskritik nicht abgeschminkt haben, aber sie finden dafür in ihrem eigenen Milieu keinen sozialen Boden mehr.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Es kann also nicht darum gehen, gegen den gescheiterten und sowieso niemals emanzipatorischen Staatssozialismus ungebrochen und unvermittelt die Ideen der Genossenschaftsbewegung des 19. Jahrhunderts oder der Alternativbewegung der frühen 80er Jahre wieder auszugraben. Ganz im Gegenteil gilt es, die falsche Polarität von staatsökonomischem Politizismus und kleinbürgerlichem Klitschen- und Schrebergarten-Sozialismus kritisch aufzuheben. Die Frage ist, ob es gelingen kann, die radikale Wertkritik theoretisch und praktisch an die sozialökonomische Keimform einer Transformation heranzuführen, die einen Weg aus den fetischistischen Strukturen heraus findet. Eine solche Problemstellung ist nicht nur theoretischen und praktischen Schwierigkeiten (zumal in einer Situation der kasinokapitalistischen Windstille und der offenbar völligen Paralyse spontaner Bewegungen), sondern auch dem Trägheitsmoment des alten linken Scheinradikalismus und seiner noch immer vor sich hingrummelnden Überreste ausgesetzt.

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Denn die gesamte bisherige Kritik diverser Linksradikalismen am Mainstream der alten Arbeiterbewegung umgeht ihrerseits systematisch das Problem der Keimform einer Vergesellschaftung jenseits der Warenproduktion. Wie ihre staatssozialistischen Gegner ignorieren die Altlinksradikalen die Frage der basalen Formbestimmtheit völlig, um entweder auf eine unausgewiesene bürgerlich-aufklärerische Subjekt-Emphase "der Klasse" bzw. des "Klassenkampfs" auszuweichen oder den bürgerlichen Revolutions-Politizismus eines bemoosten Jakobinertums bloß in einer besonders martialischen Form zu präsentieren. Der explizit antistaatliche Linksradikalismus etwa anarchistischer Provenienz (auch darauf wurde in der "Krisis" schon mehrfach hingewiesen) bleibt erst recht an den unaufgehobenen Vermittlungsformen des warenproduzierenden Systems und damit am anderen Pol bürgerlicher Subjektivität kleben, wobei der an Proudhon anknüpfende Argumentationsstrang sogar offen für (tendenziell antisemitische) Formulierungen einer verkürzten Kritik des zinstragenden Kapitals ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Selbst die Ansätze der Pariser Kommune von 1870 und der im spanischen Bürgerkrieg untergegangenen Anarchisten haben keine ausgewiesene Idee nicht-warenförmiger Reproduktion hinterlassen, obwohl es immer noch eine Aufgabe ist, diese Geschichte kritisch zu rekonstruieren, um eine neue, über die Warenform hinausgehende Emanzipationsbewegung historisch reflektiert auszurüsten. Am allerwenigsten sind dazu offenbar die restlichen "orthodoxen" Nachlaßverwalter der Kritischen Theorie in der Lage, die im Zustand einer vermittlungsunfähigen Paralyse verharren wollen, um das Problem im Schwebezustand esoterischer Reflexion zu belassen und jeden anzupinkeln, der darüber hinausgehen will.

2. Der Begriff der Produktivkräfte und die mikroelektronische Revolution

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Wenn wir uns von den Gespenstern der Vergangenheit nicht schrecken lassen, müssen wir versuchen, sozialökonomische Bestimmungen einer Keimform jenseits der Warenproduktion auf der Höhe des heutigen Vergesellschaftungsgrades herauszuarbeiten, ohne einem kruden Praktizismus zu verfallen. Es geht also keineswegs um unmittelbare Handlungsanweisungen (die ja auch nur im Kontext einer sozialen Bewegung entwickelt werden könnten), sondern um selber theoretische und analytische Vorüberlegungen für eine Konkretisierung der Wertkritik. Die Frage der Keimform einer nicht mehr über Waren- und Geldbeziehungen vermittelten Reproduktion ist historisch, analytisch und theoretisch einzukreisen.

[Alle Kommentare ausblenden] (25) Dabei können wir durchaus von einer bekannten marxistischen Problemstellung ausgehen, nämlich von der Frage der Produktivkräfte und ihrer Beziehung zu den Produktionsverhältnissen. Es ist jedoch keineswegs notwendig, eine deterministische Abfolge von "immer fortschrittlicheren" Gesellschaftsformationen anzunehmen, deren Krönung schließlich der "Sozialismus" sein soll. In gewisser Weise kann man sagen, daß die Produktivkräfte immer entwickelt werden, weil der menschliche Geist nie stillsteht; nur kann diese Entwicklung natürlich in ganz verschiedene Richtungen gehen (und sich z.B. auch von der Produktion im kruden ökonomischen oder dinglichen Sinne abwenden, wenn wir die gesellschaftliche Reproduktion und ihre "Kräfte" in einem umfassenden und daher auch kulturellen Sinne verstehen). Über die Richtung des Entwicklungsprozesses wird in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen entschieden. Insoweit könnte man sagen, daß im Spätmittelalter nach der Pestzeit keineswegs entschieden oder gar determiniert war, daß als nächstes der Kapitalismus "dran" zu sein hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren auch ganz andere Entwicklungsrichtungen möglich, die nicht unbedingt zum Kapitalismus (aber auch sicher nicht unmittelbar in die Emanzipation von fetischistischen Verkehrsformen) führen mußten. Das ist eine historische Frage, die zu untersuchen lohnend wäre, weil sie ein Kontrastmittel gegen den starren historischen Determinismus nicht zuletzt altmarxistischer Provenienz liefern kann. Bei einer anderen Richtung und Form der Entwicklung hätte sich natürlich auch die Frage der sozialen Emanzipation anders gestellt.

[Alle Kommentare ausblenden] (26) Nachdem sich aber nun einmal der Kapitalismus mit seiner spezifischen Form der Produktivkraftentwicklung spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durchgesetzt hatte, konnte von diesem Zeitpunkt an die Frage der sozialen Emanzipation und der Aufhebung einer blinden, unbewußten Gesellschaftlichkeit auch nur noch in der Form einer Aufhebung des spezifisch kapitalistischen Fetischismus und seines Modus der Vergesellschaftung formuliert werden. Da aber andererseits die vom Kapitalismus installierten warenfetischistischen Produktions- und Bewußtseinsformen in seiner langen Durchsetzungsgeschichte beherrschend geworden waren und auch das Denken der Gesellschaftskritik bestimmten (der Arbeiterbewegungs-Marxismus legt davon unübersehbar Zeugnis ab), mußte diese Formulierung der Emanzipation zunächst im Schoß der Geschichte verborgen bleiben und eine lange Inkubationszeit durchlaufen. Für eine ganze Epoche konnte nur noch die historische Ungleichzeitigkeit innerhalb der Hülle des modernen warenproduzierenden Systems abgearbeitet, also die Frage der Emanzipation nur in jenem verkürzten, formations-immanenten Sinne gestellt werden, der als bürgerliche Emanzipation der Arbeiterklasse zu Staatsbürgerlichkeit und Sozialreform bzw. als bürgerliche Emanzipation einer "nachholenden Modernisierung" bei den historischen Nachzügler-Gesellschaften der kapitalistischen Peripherie in Erscheinung trat.

[Alle Kommentare ausblenden] (27) Diese Konstellation, deren Erbschaft uns heute belastet, ist keineswegs einer ontologischen Prädetermination geschuldet, sondern sie ist selber das Resultat einer ursprünglich offenen, umkämpften Geschichte. Nachdem aber das warenproduzierende System gewaltsam durchgesetzt und zur allgemeinen Bewußtseinsform geworden war, trat das ein, was Marx generalisierend für gesellschaftliche Prozesse gesagt hat: Ist ein System einmal historisch installiert, dann kann es nicht mehr rückgängig gemacht werden; es muß sozusagen seinen Lebenszyklus durchlaufen, bis es sich erschöpft hat und an seine inneren Grenzen stößt. Diese Grenzen sind erreicht, wenn die Produktivkraftentwicklung an einen Punkt führt, an dem die Produktivkräfte mit den Produktionsverhältnissen unverträglich werden. Dann bricht die versteinerte Hülle der objektivierten gesellschaftlichen Formen in katastrophischen Eruptionen gewaltsam auf und kann durchbrochen werden, um zu neuen, höheren Formen der Vergesellschaftung überzugehen, die mit den neuen Produktivkräften vereinbar sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (28) An diesem Schema des "historischen Materialismus" ist zu kritisieren, daß es vorschnell überhistorisch verallgemeinert, was wahrscheinlich so nur für die spezifisch kapitalistische Geschichte gültig ist. Da wir es aber immer noch mit dieser zu tun haben, kann das Marxsche Schema auch nicht einfach verworfen werden. Denn es ist keineswegs "objektivistisch", wie es selbst linke Kritiker immer wieder unterstellt haben, sondern rechnet nur mit den tatsächlichen Objektivierungen des Fetischismus, die gleichzeitig als grundsätzlich überwindbar erkannt werden. Wenn diese Überwindung selber noch ein Moment von historischer Bedingtheit aufweist, so ist dies das notwendige Moment einer Bewegung von Kapitalismus zu Nicht-Kapitalismus, von Fetischismus zu Nicht-Fetischismus. Eine unbedingte Aufhebung der Bedingtheit wäre ein Widerspruch in sich. Der Arbeiterbewegungs-Marxismus blieb nicht deswegen im Bannkreis der bürgerlichen Gesellschaft, weil er das Moment der Bedingtheit anerkannte, sondern weil sein Bewegungsschritt nicht über die Fetischform des Werts hinausführen konnte.

[Alle Kommentare ausblenden] (29) Das Marxsche Schema von der Rolle der Produktivkräfte wurde vom historischen Marxismus daher nur hinsichtlich der Binnengeschichte des warenproduzierenden Systems mobilisiert, nicht jedoch bezüglich der Aufhebung dieses Systems selbst. Denn der Widerspruch von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen führt zwar erst am Ende der systemischen Entwicklungsgeschichte zur absoluten Systemkrise und an die Schwelle der Aufhebung; aber er war gleichzeitig auch von Anfang an der innere Motor der kapitalistischen Entwicklung selbst, die zu relativen Krisen ("Durchsetzungskrisen") führte und obsolet gewordene historische Binnenformationen des warenproduzierenden Systems aufhob, ohne dessen basale Form selber antasten zu können. Nur in dieser "schwachen" Version konnte der Marxismus den Marx'schen Begriff der Transformation verstehen, weil er in der unausgeschöpften Entwicklungsgeschichte der Moderne gefangen war. Deshalb trat der Sozialismus das Erbe des Liberalismus an, wie dieser das Erbe des Absolutismus angetreten hatte: protestantisch-calvinistische Reformation und absolutistische Zentralisierung, Französische und Amerikanische Revolution, Russische Oktoberrevolution und antikoloniale nationale Befreiungsbewegungen bilden eine einzige Kette der Durchsetzungsgeschichte warenförmiger Vergesellschaftung, in der jedes Moment der Emanzipation von einem jeweils früheren Zustand immer gleichzeitig eine neue Stufe der Repression und Entmündigung darstellte.

[Alle Kommentare ausblenden] (30) Als Paradigmen der sozialen Emanzipation sind der Staatssozialismus des Ostens und der Befreiungsnationalismus des Südens heute so gründlich desavouiert, daß nur noch historische Idioten an den daraus hervorgegangenen "schwachen" Transformationsbegriffen festhalten können. Wenn wir den Untergang dieser Paradigmen ihrer historischen Einordnung gemäß nicht als "Sieg" des westlichen Kapitalismus (miß)verstehen, sondern als Beginn einer absoluten Krise des warenproduzierenden Systems dechiffrieren, an deren Ende jene historische Entwicklungskette der Wertform reißt, dann wird damit auch die "starke" Version des Marx'schen Transformations-Schemas fällig. Auf der Ebene der Produktivkräfte ist es zweifellos die Mikroelektronik als universelle Rationalisierungs- und Kommunikationstechnologie, die an die Schwelle einer höheren, nicht mehr systemimmanenten Art der Transformation geführt hat. In demselben Maße, wie die mikroelektronische Revolution zur Produktivkraft der Krise für das warenproduzierende System wird, kann sie auch zur Produktivkraft der sozialen Emanzipation von den fetischistischen Formen des Werts werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (31) Damit ist schon ein erster entscheidender Unterschied zur Alternativbewegung der 70er und 80er Jahre gesetzt. Denn die damaligen Vorstellungen einer "anderen Produktions- und Lebensweise" waren durchwegs mit einer reaktionären "Kritik der Produktivkräfte" verbunden. Mikroelektronik, Computer und Potentiale der Automatisierung in der industriellen Produktion wurden verteufelt. Diese Produktivkraftkritik konnte und wollte die Frage der sozialen Emanzipation nicht an die Aufhebung der "abstrakten Arbeit" binden, sondern umgekehrt an deren Rückführung auf ein historisch tieferes Niveau. Damit blieb die Alternativbewegung aber auch dem System der "Arbeitsplätze" verhaftet; sie ergriff die Partei der (vermeintlich alternativ und sozial befriedigend auszugestaltenden) "Arbeit" gegen die vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktivkräfte. Auf diese Weise wurde sie sogar kompatibel mit konservativen und kulturpessimistischen Ideologien, die schon seit dem späten 18. Jahrhundert etwa in Gestalt der literarischen, politischen und sozialökonomischen Romantik das Rad der Geschichte zurückzudrehen versuchten. In den meisten Fällen wurde dabei nur innerhalb der kapitalistischen Durchsetzungsgeschichte irgendein früherer Entwicklungsstand phantasmatisch verklärt und in eine "schwarze", reaktionäre Utopie verwandelt. Die Alternativbewegung war mit dem politischen und kulturellen Konservatismus zwar nicht identisch; aber indem sie die Frage der sozialen Emanzipation nach rückwärts gewandt gegen die Produktivkräfte lösen wollte, wurde sie zum Einfallstor auch für politisch konservative Ideen in den "neuen sozialen Bewegungen". In der Partei der Grünen ist von der Debatte der frühen 80er Jahre fast nur noch das koalitionspolitische Liebäugeln eines "wertkonservativen" Klüngels mit der Regierungspartei CDU übriggeblieben.

[Alle Kommentare ausblenden] (32) Im Gegensatz dazu wird eine neue radikale Emanzipationsbewegung in diesem Punkt zu Marx zurückkehren, also im Sinne der "starken" Transformation die Partei der mikroelektronischen Produktivkräfte gegen die Produktionsverhältnisse des Kapitals nehmen. Aber das kann keine unreflektierte, bloß äußerlich mit der Kritik an der Wertform aufgeladene Verlängerung des alten Marxismus und seiner Fetischisierung der Produktivkräfte sein. Dies betrifft sowohl den Begriff der Produktivkräfte selbst als auch die Frage ihrer Bedeutung für eine transformatorische Keimform nicht-warenförmiger sozialer Beziehungen. Und in dieser Hinsicht ist dann auch wieder über Marx selbst hinauszugehen. Es muß sich also um eine "aufhebende" Rückkehr zum "starken" Marx'schen Begriff der Transformation handeln, nicht um eine platte Wiederholung.

[Alle Kommentare ausblenden] (33) Gerade dieses Problem wollen und können die übriggebliebenen Vertreter des "orthodoxen" Marxismus und der Kritischen Theorie nicht begreifen. Sie bilden sich ein, die Produktivkraftkritik der Alternativbewegung mit einer bloßen Wiederholung marxistischer Essentials über das Verhältnis von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen abwatschen zu können. Dabei übersehen sie ein entscheidendes Moment, das schon immer eine Schwachstelle des Marxismus ausgemacht hatte: die Tatsache nämlich, daß die Kritik an Naturwissenschaft, Technik und Industrialismus nicht bloß reaktionär und irrational ist, sondern auch keineswegs zu Unrecht den destruktiven und repressiven Charakter der kapitalistischen Produktivkraftentwicklung moniert (vgl. dazu den Artikel "Weltgesellschaft ohne Geld" von Norbert Trenkle in "Krisis" Nr. 18). Der Marxismus wollte die naturwissenschaftliche und technologische Seite der Modernisierung gänzlich von der Repression freisprechen und diese allein dem kapitalistischen Privateigentum und Profitstreben anlasten (das er ebenfalls nur soziologisch verkürzt begreifen konnte). Naturwissenschaft, Technik und Industrie sollten also gänzlich unverändert in den "Sozialismus" übernommen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Dies entspricht aber gerade der "schwachen" Version einer bloß binnenhistorischen Transformation, in der dem Marxismus/Sozialismus ähnlich wie seinem noch schwächeren keynesianischen Vetter für eine bestimmte Epoche unfreiwillig die Aufgabe zufiel, die damals fortgeschrittensten (fordistischen) Produktivkräfte für einen neuen Entwicklungsschub des warenproduzierenden Systems zu repräsentieren. Die destruktive und repressive Seite des kapitalistischen Gebrauchswerts in Produktion und Konsumtion konnte daher ebensowenig in die Kritik einbezogen werden wie die basale fetischistische Form des Werts. Daraus ergibt sich notwendig ein doppelter Zusammenhang: eine binnengeschichtlich beschränkte Kritik lediglich obsolet gewordener Entwicklungsstufen des noch unausgeschöpften warenproduzierenden Systems und eine blinde Affirmation der jeweils neuesten stofflich-technischen Gestalt des Kapitals gehören ebenso untrennbar zusammen wie umgekehrt eine radikale Kritik an der basalen Form des Werts mit einer entsprechenden Kritik der kapitalistischen Techno- und Gebrauchswertstruktur verbunden sein muß. Da der Marxismus die "Realabstraktion" des Werts nicht verstand und nicht kritisieren konnte, mußte ihm auch der innere logische und historische Zusammenhang von entfesselter Warenform und naturwissenschaftlichen Abstraktionen entgehen. So blieb ein Aspekt der Kapitalismuskritik (auch bei Marx selber) ausgeblendet und konnte in kruder, irrationaler Form von der reaktionären Romantik besetzt werden, die den Vormarsch der warenförmigen Modernisierung wie ein Schatten begleitet hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (35) Als sich seit den 70er Jahren immer deutlicher herausstellte, daß die Krise der fordistischen Entwicklungsstufe auch eine ökologische Krise ist, und als die verheerende Zerstörung der Naturgrundlagen in den realsozialistischen Staaten bekannt wurde, ließ die grün-alternative Nachfolgebewegung der Revolte von 1968 den Marxismus weitgehend fallen und griff die anti-industriellen Motive der Produktivkraft- und Wissenschaftskritik auf. Man könnte die damals aufkommende ökologische Kritik am emphatischen marxistischen Begriff der Produktivkräfte im Sinne der Hegel'schen Logik der Aufhebung als erste, einfache Negation bezeichnen. Diese Negation war doppelt unzureichend: Zusammen mit ihren destruktiven und repressiven Momenten in der Geschichte der Modernisierung wurde die Entwicklung der Produktivkräfte überhaupt negiert, also das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Folgerichtig gelangte diese Kritik der Produktivkräfte auch nicht zu einer Kritik der Wertform und ihres Fetischismus, sondern bloß zu diversen Vorstellungen kleinbürgerlicher Warenproduktion, um später in der "grünen Wirtschaftspolitik" wieder zu keynesianischen Auslaufmodellen zurückzukehren. Der Arbeiterbewegungs-Marxismus und seine ökologischen Defizite wurde auf diese Weise nicht aufgehoben, sondern bloß ideologisch verdrängt

[Alle Kommentare ausblenden] (36) In demselben Maße, wie die absolute Krise des warenproduzierenden Systems und damit die "starke" Transformation in Reichweite rückt, wird in der Frage der Produktivkräfte die zweite Negation, die "Negation der Negation" notwendig, die bekanntlich keineswegs zum ursprünglichen Ausgangspunkt zurückführt, sondern die unvermittelten Gegensätze aufhebt. Es gilt also, die Partei der mikroelektronischen Produktivkräfte gegen die kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu ergreifen, gleichzeitig aber den destruktiven Gebrauchswert der kapitalistischen Produktions- und Konsumstruktur aufzuheben. Diese aufhebende Kritik muß Wesen und Erscheinung der mikroelektronischen Revolution unterscheiden. Das Wesen dieser neuen Produktivkräfte ist eine Potenz, eine Möglichkeit also, die der Kapitalismus nicht um ihrer selbst willen, sondern für seinen eigenen abstrakten Selbstzweck der Verwertung hervorgebracht hat. Davon kann die erscheinende Wirklichkeit dieser Potenz nicht unbeeinträchtigt sein. Die konkrete Erscheinung der mikroelektronischen Produktivkräfte ist daher auch der stofflichen Gestalt nach eine kapitalistische, die zusammen mit ihrer gesellschaftlichen Form aufzuheben ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Diese Negation der Negation ist umso notwendiger, als ironischerweise die postmoderne Linke als unvermittelte Reaktion auf die unzureichende einfache Negation des Marxismus durch die Produktivkraftkritik der grün-alternativen Bewegung heute wieder zum kruden Technik-Fetischismus der alten Arbeiterbewegung zurückzukehren scheint. Ohne jede Reflexion der gesamten (globalen und strukturellen) Bedingungen der Reproduktion in sozialer und ökologischer Hinsicht wird der jeweils "letzte Schrei" vor allem kapitalistischer Konsumtechnik zum "Muß", ohne die Schmerzgrenzen von Schwachsinn und Gemeingefährlichkeit überhaupt noch wahrzunehmen.

[Alle Kommentare ausblenden] (38) Sogar die fetischistische Verkehrung von sozialer und dinglicher Beziehung, die auch auf der Seite des kapitalistischen Gebrauchswerts erscheint, wird noch zur positiven Vision der Zukunft hochgejubelt. Das ist ein Hohn auf jeden emanzipatorischen Gedanken. Nicht umsonst geht diese postmoderne Tendenz einher mit einer Indifferenz gegenüber den stillschweigend vorausgesetzten Verkehrsformen des Geldes, deren Aufhebung kein ernsthaftes Thema ist. Alter Arbeiterbewegungs-Marxismus, grün-alternative Produktivkraftkritik und postmoderne Linke stellen nur Varianten derselben Unfähigkeit (und desselben Unwillens) dar, das warenproduzierende System zu überwinden. Demgegenüber ist eine Aufhebung der fetischistischen Wertform einzuklagen, die sowohl die erscheinende Verkehrsform des Geldes als auch die erscheinende Form des kapitalistischen Gebrauchswerts in die aufhebende Negation einbezieht und die Potenzen der mikroelektronischen Revolution gerade dadurch aufgreift, daß sie die kapitalistischen Artefakte kritisch aussortiert, statt sich der Logik ihres repressiven Gebrauchswerts kritiklos zu unterwerfen.

[Alle Kommentare ausblenden] (39) Diese Auseinandersetzung spitzt sich zu in der Frage der Keimform. Aus Angst, hinter die kapitalistischen Produktivkräfte zurückzufallen, bestehen auch der kritische Marxismus und die postmoderne Linke vage auf einer unmittelbar gesamtgesellschaftlichen Umwälzung, obwohl sie andererseits (zumindest teilweise) auch Etatismus und Politizismus kritisieren. Hier wird eine Unklarheit und Inkonsequenz sichtbar, denn die Ablehnung einer Keimform sozialökonomischer Reproduktion jenseits des Werts ist zwangsläufig mit einem etatistischen Verständnis der Umwälzung "von oben" verbunden, d.h. vom zentralen archimedischen Punkt der Macht aus.

[Alle Kommentare ausblenden] (40) Auch der Verweis auf Räte als Organe der gesellschaftlichen Repräsentation ist unzureichend, denn die Räte müssen ja irgendetwas repräsentieren, also sich aus Elementen zusammensetzen. Die Crux der historischen Räte-Bewegungen bestand gerade darin, daß sie nur die kapitalistischen Formen der "Arbeit" (Betriebe bzw. Unternehmen, die von Haus aus über den Markt vermittelt sind) repräsentieren konnten, nicht dagegen die Keimformen einer Reproduktion unabhängig von der Vergesellschaftung durch die Realabstraktion des Werts. Genau deswegen fiel die Organisationsform der Räte wieder in die etatistisch orientierte bürgerliche Form der politischen Partei zurück, wurde von dieser kommandiert und aufgesaugt.

[Alle Kommentare ausblenden] (41) Diese Crux hatte freilich auch etwas mit dem Charakter der Produktivkräfte auf dem Kulminationspunkt der kapitalistischen Entwicklung zu tun. Der alte Arbeiterbewegungs-Marxismus konnte für seinen etatistischen und zentralistischen Begriff der Transformation in gewisser Weise den Stand der Produktivkräfte selbst ins Feld führen: Von den Zeiten der Dampfkraft und Eisenbahn bis zur Blüte der fordistischen Industrien waren die Aggregate der wissenschaftlich-technischen Potenzen tatsächlich nur in einem relativ großen gesellschaftlichen Maßstab darstellbar. Das galt ganz buchstäblich für die Maschinen, Gebäude und die Techniken der Zufuhr von Energie. Klein stand das Individuum vor den maschinellen Ungetümen. Und "groß" war das Synonym für Fortgeschrittenheit. Daraus resultierte auch eine gewisse, geradezu kindische Gigantomanie: Unternehmen und Nationen wetteiferten darin, die größte Turbine der Welt, das höchste Gebäude der Welt, den größten Tanker oder das größte Schlachtschiff der Welt usw. zu bauen.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) Dementsprechend groß war auch der organisatorische Maßstab, um diese Produktivkräfte überhaupt realisieren und mobilisieren zu können. Das war auch schon bei der Urzeugung des Kapitalismus ein Faktor. Denn die früheste Keimform der Moderne war hinsichtlich der Produktivkräfte eigentlich eine Destruktivkraft: die Innovation der Feuerwaffe. Die gewaltigen Kanonen der frühen Neuzeit und die dazugehörigen gigantomanischen Befestigungswerke konnten nicht mehr in der dezentralen und naturalwirtschaftlichen Form der alten Agrargesellschaften dargestellt werden, sondern erforderten die Mobilisierung von Rüstungsindustrie, stehenden Heeren, Geldwirtschaft und gesellschaftlicher Zentralisierung.

[Alle Kommentare ausblenden] (43) Erst auf diesem Boden konnten sich die Keimformen der kapitalistischen Produktionsweise entwickeln. Und alle Träger weiterer Entwicklungsschübe des warenproduzierenden Systems, der Sozialismus und seine Parteien eingeschlossen, blieben in der Vorstellung einer durchzentralisierten, pyramidenartig strukturierten Vergesellschaftungsform befangen. Nicht nur die Diktaturen "nachholender Modernisierung", sondern auch die entwickeltsten westlichen Demokratien sind negativ-utopische, in jeder Hinsicht Pyramiden bauende "Sonnenstaaten". Die bürokratischen Apparate und die nationalen bzw. kontinentalen großräumigen Märkte entsprechen Produktiv- bzw. Destruktivkräften, deren Aggregate nur von großen "Armeen der Arbeit" und des Krieges in Bewegung gesetzt werden können.

[Alle Kommentare ausblenden] (44) Die mikroelektronische Revolution führt demgegenüber nicht nur die lebendige Substanz des Kapitals, die abstrakte "Arbeit", ad absurdum; sie setzt auch die gesellschaftliche Zentralisation durch Staaten und Märkte zu einer archaischen, unangemessenen Organisationsform herab und macht die Gigantomanie der Moderne lächerlich. In demselben Maße, wie der Kapitalismus technologisch durch die von ihm selbst hervorgerufenen Produktivkräfte zu einem Wettlauf der Miniaturisierung getrieben wird, verfällt nicht nur seine Substanz, sondern auch seine äußere Form. Füllten die ersten Rechner vor wenigen Jahrzehnten noch ganze Hallen und erforderten die Kapitalkraft großer Unternehmen, so sind heute weit größere Kapazitäten in handlichen Tischgeräten verborgen und können selbst von durchschnittlichen Individuen erworben werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (45) Die Vergesellschaftung steckt jetzt nicht mehr in der Größe, sondern umgekehrt in der Kleinheit der Technologie. Die fortgeschrittensten Kapazitäten von Werkzeugmaschinen, Steuerungstechnologien und Kommunikationsmitteln sind im kleinen Maßstab mobilisierbar und benötigen keine "Armeen der Arbeit" und keine gesellschaftliche Zentralisation mehr. Die Reproduktion kann zu einer dezentralen Form zurückkehren, aber nicht mehr zu den voneinander vergleichsweise isolierten dezentralen Reproduktionsformen der Agrargesellschaft, die nur äußerlich durch Strukturen der Herrschaft verbunden waren, sondern auf höherer Entwicklungsstufe zu einer allseitig kommunikativ vernetzten dezentralen Struktur. Das gilt im übrigen nicht nur für die Mikroelektronik, sondern zumindest perspektivisch auch für die Ablösung der fossilen durch solare Energie. Erfordern die energetischen Systeme der fossilen Brennstoffe große, zentralisierte Technologien und Organisationsformen, so ist die Solartechnik ebenso dezentral und im kleinen Maßstab einsetzbar wie die Mikroelektronik. Die Repräsentanten des Kapitals schrecken vielleicht auch deshalb vor der forcierten Entwicklung solarer Energietechnik zurück, weil sie ahnen, daß damit dem Kapitalismus und seinen zentralisierten Formen der Herrschaft endgültig die Felle davonschwimmen könnten.

[Alle Kommentare ausblenden] (46) Die Verbindung von Mikroelektronik und solarer Energie eröffnet die Möglichkeit, daß Menschen sich dem Kapitalismus (teilweise, schrittweise) entziehen können und seinen totalitären Anspruch durchbrechen, wie es in der Vergangenheit nur durch Abwanderung in die kapitalistisch unerschlossenen Weltregionen möglich war (z.B. in der Pionierzeit der USA durch die Ansiedlung in den Weiten des Westens, die oft auch eine Flucht vor den kapitalistischen Zumutungen war, was heute nicht mehr gern gehört und deswegen verschwiegen wird). Nur ist diese Möglichkeit, sich zu entziehen, jetzt auf eine neue, ganz andere Weise durch die Entwicklung der Produktivkräfte selbst hervorgetrieben worden. Der Raum des Entzugs ist kein äußerer, territorialer mehr, sondern ein innerer und sozialer Raum. Und es ist auch kein Auszug aus der Vergesellschaftung in die Primitivität mehr, wie es noch das produktivkraftkritische und im schlechten Sinne "romantische" Aussteigertum Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre dargestellt hatte. Im Gegenteil: In den Poren und auf den Trümmern der archaisch werdenden kapitalistischen Vergesellschaftung können die Keimformen einer nicht mehr warenförmigen Reproduktion blühen, die in Austausch und Auseinandersetzung mit dem Kapital treten, ihr Existenzrecht behaupten und die kapitalistische Reproduktion schließlich ganz überwinden.

[Alle Kommentare ausblenden] (47) Die Analyse des Verhältnisses von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen unter den Bedingungen der Mikroelektronik macht auch klar, daß es gerade für die "starke" Transformation keines zentralen, unmittelbar gesamtgesellschaftlichen Hebels mehr bedarf. Dieser Gedanke entstammt noch der alten Vorstellungswelt der modernen prä-mikroelektronischen Produktivkräfte. Der gesamtgesellschaftliche Charakter erscheint jetzt vielmehr als perspektivisch vermittelter, als Bewegungsform und nicht als zentraler Akt der Umwälzung. Wie die Pioniere der USA sich dem Kapitalismus zeitweilig entzogen, dabei aber trotzdem kapitalistisch produzierte Werkzeuge (wenn auch nur einfache) mitnahmen, so können sich auf einer viel höheren Stufenleiter der Entwicklung heute Menschen mitten im kapitalistischen Territorium für einen Teil ihrer Reproduktion den kapitalistischen Zumutungen entziehen, indem sie kapitalistisch produzierte Mikroelektronik und Solartechnik für nichtkapitalistische Reproduktionsformen einsetzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (48) Das bedeutet aber auch, daß eine Keimform sozialer Reproduktion jenseits des Werts nicht mit der Produktion, sondern mit der Anwendung von Chips beginnen wird. Denn die Herstellung der basalen Bausteine der Mikroelektronik erfordert sogar einen höheren Kapitaleinsatz als die früheren fordistischen Produktivkräfte, wenn auch keine "Armeen der Arbeit" mehr. Die Kosten liegen vielmehr in der Komplexität der Produktionsbedingungen von Chips, die heute selbst Weltmarktkonzerne zu "strategischen Allianzen" für die Entwicklung der jeweils nächsten Generation zwingt.

[Alle Kommentare ausblenden] (49) Zumindest teilweise hat sich die DDR auch dadurch ruiniert, daß sie unbedingt einen eigenen Chip entwickeln und produzieren wollte, was zu viele Ressourcen verschlang, statt die Chips billig auf dem Weltmarkt zu kaufen. Diese Fehlkalkulation war aber nicht zufällig. Sie ging auf das eingefleischte Bewußtsein des zentralistischen Sozialismus zurück, daß die metaphysischen Subjekte von "Partei und Klasse" von Anfang an die absolute Kontrolle über die gesamte Reproduktion ausüben müßten und insofern vor allem die Grundstoffindustrien entscheidend seien. Deshalb konzentrierte sich das sozialistische Augenmerk früher auf die Betriebe von Kohle, Eisen und Stahl, deren Beschäftigte zum "Kern der Klasse" erklärt wurden. Diese Denkweise hat sich auf die mikroelektronischen Produktivkräfte übertragen. Eine Aufhebungsbewegung gegen die Wertform wird das System der Reproduktion genau umgekehrt aufrollen. Die Grundstoffindustrien und die Basisproduktion der Mikroelektronik selbst werden nicht den Grundstein, sondern den Schlußstein der Transformation bilden. Es kommt nicht auf zentralistische Kontrolle, sondern auf die Konstitution und Entwicklung sozialer Räume der Emanzipation an.

[Alle Kommentare ausblenden] (50) Ganz anders verhält es sich mit der Frage der Anwendung der Mikroelektronik für emanzipatorische Zwecke. Muß die basale Produktionstechnik einstweilen noch dem Kapital überlassen bleiben, so kann die Anwendung gerade nicht mehr den vorgezeichneten kapitalistischen Mustern entsprechen. Genau hier liegt auch der erste Ansatzpunkt für eine Kritik der kapitalistischen Gebrauchswertstruktur. Die erscheinenden Anwendungsformen der mikroelektronischen Produktivkräfte sind ganz auf kapitalistische Produktions- und Konsumtionszwecke zugeschnitten, in denen sich der Selbstzweck des Werts und die warenfetischistische Verdinglichung manifestieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (51) Soweit die postmoderne Linke sich gerade auf den verdinglichten und in seinen Auswirkungen hochgradig destruktiven Konsumismus positiv einläßt, wird sie auf die kapitalistische Spielwiese und in die sozialpsychologischen Mechanismen von konsumistischem Status und konkurrenten Selbstbestätigungs-Kämpfen abgedrängt. Die Behauptung, das kritische Potential dieser Gesellschaft sei gerade (und sogar einzig und allein) dadurch abzurufen, daß der Kapitalismus die von ihm hervorgebrachten Bedürfnisse nicht mehr erfüllen könne, greift viel zu kurz. Soweit die Bedürfnisstruktur aus der spezifisch kapitalistischen Gebrauchswertstruktur folgt, ist sie selbst Bestandteil der fetischistischen Wertabstraktion und somit der Entmündigung des Menschen durch subjektlose gesellschaftliche Formen. Deswegen wird der Appell an diese Bedürfnissse, für die bloß nicht mehr genügend Geldeinkommen erzeugt wird, nie und nimmer zu einer emanzipatorischen Bewegung führen. Der Widerspruch zwischen dem Kapitalismus und den von ihm selbst hervorgetriebenen Potenzen liegt auf einer ganz anderen Ebene und ist nicht derart billig zu mobilisieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (52) Nicht die Nintendo-Spiele und nicht das Handy sind die Anwendungspotentiale einer emanzipatorischen Keimform. Übrigens bestreiten Kenner selbst bei den bloßen Konsumgeräten, daß z.B. der Übergang von der Schallplatte zur CD überhaupt noch ein Fortschritt auf der Ebene des Gebrauchswerts war. Diese Entwicklung hatte vielmehr nur das Ziel, neue Produktions- und Absatzfelder zu erschließen, um die gesellschaftliche Arbeitsmaschine in Schwung zu halten. Das ist nur eines von vielen Beispielen dafür, daß der Selbstzweck der Verwertung längst auf die Konsumstruktur übergegriffen hat. Im Gegensatz dazu kann es für eine soziale Bewegung gegen das warenproduzierende System nur darum gehen, die mikroelektronischen Anwendungspotentiale selber erst für emanzipatorische Zwecke der Reproduktion zurechtzuschneiden. Wenn die mikroelektronisch bestückten Geräte zunehmend aus Modulen bestehen, die dem verändernden Zugriff der Anwender oder selbst der bloßen Reparatur entzogen sind, dann ist diese Tendenz nicht allein auf ökonomische Gründe ("geplanten Verschleiß"), sondern auch auf den Versuch sozialer Kontrolle zurückzuführen: die Menschen sollen mit den Produkten nicht selbständig umgehen können, sondern als fetischistische Arbeits- und Konsumidioten der vorgezeichneten kapitalistischen Gebrauchswertstruktur folgen.

[Alle Kommentare ausblenden] (53) Deshalb wird die emanzipatorische Anwendung der Mikroelektronik selber aktiv das technologische Potential umformen und damit experimentieren müssen, also etwa eigene Hardware-Kombinationen und eigene Software entwickeln, die von Zwecken bestimmt sind, wie sie erst einmal zu definieren wären. Dafür bedarf es natürlich auch eines entsprechenden Wissens und der Teilnahme von Menschen, die mit den mikroelektronischen Potentialen entsprechend umgehen können. Schließlich ist auch eine bewußte Verbreitung dieses Wissens erforderlich, etwa in Gestalt einer mikroelektronisch-solaren "polytechnischen Bildung", die sowohl in eigener Regie organisiert als auch in Forderungen an das Schul- und Ausbildungssystem formuliert werden kann. In verwandelter und an die neuen Aufgaben adaptierter Form sind also durchaus alte sozialistische Ideen rekonstruierbar. Nicht der vollautomatische Narr kann das Ziel der Emanzipation sein, sondern der selbstreflexive Mensch, der seinen Lebenszusammenhang bewußt reguliert und nicht von den toten Dingen beherrscht wird. Dieses Ziel muß in den Keimformen emanzipatorischer Reproduktion erscheinen, weil sie sonst keine wären.

3. Die Aufhebung des Privateigentums

[Alle Kommentare ausblenden] (54) Das veränderte, "aufgehobene" Verständnis der Produktivkräfte und ihrer Beziehung zu den Produktionsverhältnissen ist natürlich nur die Voraussetzung dafür, das eigentliche Problem zu bewältigen: die Aufhebung der fetischistischen Wertform sozialer Beziehungen. Auch hier ist es zunächst notwendig, sich durch das verkürzte, system-immanente Verständnis des Arbeiterbewegungs-Marxismus und der Genossenschafts- bzw. Alternativbewegung hindurchzuarbeiten. éhnlich wie in der Frage der Produktivkräfte finden wir auch in dieser Hinsicht ein spiegelbildliches, komplementäres Befangenbleiben in den fetischistischen Strukturen. Sowohl der politizistische Marxismus als auch die Alternativbewegung reduzieren ihre Zielsetzung auf eine Kritik und Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, wenn auch in verschiedener Weise. Nun ist es zweifellos richtig, daß es sich bei der Institution des Privateigentums um ein Moment des warenproduzierenden Systems handelt, nämlich um dessen juristische Form. Daraus erhellt aber schon, daß dieses Moment nicht isoliert aufgehoben werden kann, ohne die anderen Momente der Wertform und damit diese selbst und als solche aufzuheben. Der Versuch, das Privateigentum an den Produktionsmitteln abzuschaffen, gleichzeitig aber die Verkehrsformen von Ware und Geld beizubehalten, kann nur in gesellschaftliche Paradoxien führen.

[Alle Kommentare ausblenden] (55) Daß überhaupt das Privateigentum als derart isolierter Faktor gedacht und ihm die Hauptverursachung der kapitalistischen Übel zugeschrieben werden kann, beruht auf einem naiven und typisch aufklärerischen Mißverständnis: Das Privateigentum wird nämlich fälschlich als bloß "subjektive Verfügungsgewalt" der sogenannten Besitzenden und damit "Herrschenden" deklariert, der Augenschein von Selbstherrlichkeit und vermeintlicher Willkür seitens der kommandierenden Personage des Kapitals für bare Münze genommen. Damit einher geht gewöhnlich ein ebenso naives und affirmatives Verständnis des kapitalistischen Reichtums, der nur "ungleich und ungerecht verteilt" sei. Elemente dieses verkürzten Begriffs von "Privateigentum" finden sich auch noch bei Marx und Engels, obwohl es gerade Marx ist, der gleichzeitig das begriffliche Instrumentarium für eine Kritik dieser Auffassung liefert.

[Alle Kommentare ausblenden] (56) Tatsächlich geht die Institution des Privateigentums bei weitem nicht in einer "subjektiven Verfügungsgewalt" auf. Ein solches Verständnis sieht nur das subjektive Kalkül der Besitzer von Produktionsmitteln, nicht jedoch deren objektivierte Formbestimmtheit, die sich den vermeintlich "Verfügungsgewaltigen" als äußeres Zwangsprinzip aufherrscht und jede Abweichung von den Form- und Bewegungsgesetzen des Werts postwendend bestraft. Die Übel des Kapitalismus sind daher letztlich nicht den subjektiven Entscheidungen seiner Funktionsträger anzulasten, sondern der subjektlosen, fetischistischen Reproduktions- und Verkehrsform selber. Diese Erfahrung mußten und müssen immer wieder die Akteure von Betriebsbesetzungen und "Belegschaftsbetrieben" machen, die versuchen, ein ökonomisch an die Wand gefahrenes Unternehmen in eigener Regie zu betreiben. Als in den 80er Jahren die Krise der deutschen Schiffbauindustrie begann, lockte ein altmarxistischer Verlag mit dem Titel: "Stell Dir vor, die Werften gehören uns!". Und was wäre damit gewonnen? Gar nichts, denn die Markt- und Konkurrenzgesetze würden weiterhin wirken; die Belegschaft müßte sich selbst ausbeuten, zur Arbeitshetze treiben, sich selbst wegrationalisieren usw. oder eben in aller Schönheit des Kollektiveigentums bankrottieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (57) Die beiden Eigentumsformen, die gemeinhin im verkürzten und weiterhin an die Warenproduktion gebundenen Verständnis als Aufhebung des Privateigentums figurieren, nämlich das genossenschaftliche Eigentum und das Staatseigentum, sitzen beide gleichermaßen jenem aufklärerischen Mißverständnis von der subjektiven "Verfügungsgewalt" auf. In Wahrheit aber ist jede beliebige Eigentumsform, die auf der "Verwertung des Werts" beruht und deren Produktion daher gesellschaftlich nur über Marktbeziehungen vermittelt sein kann, per definitionem immer schon Privateigentum. Die breit gestreute und tief gestaffelte Funktionsteilung der gesellschaftlichen Reproduktion, die sich nicht im Vorhinein durch Kommunikation und gemeinschaftliche Festlegungen manifestiert, sondern erst im nachhinein durch den Austausch der Produkte, bildet die Matrix einer fetischistischen Vergesellschaftung über den Wert, d.h. über eine metaphysische Schein-Eigenschaft der Produkte statt über direkte menschliche Kommunikation; und diese Matrix setzt die beteiligten Produktionseinheiten apriori in den Status von Privateigentümern.

[Alle Kommentare ausblenden] (58) Die Matrix des Werts hat nur entfernt etwas zu tun mit vorkapitalistischen Ware-Geld-Beziehungen. Denn in den alten Agrargesellschaften (ganz zu schweigen von Jäger- und Sammlergesellschaften) ist die Matrix der Vergesellschaftung überhaupt nicht der Wert als metaphysische Eigenschaft der Produkte, sondern ein Kontext naturalwirtschaftlicher Formen, die Warentausch nur am Rande oder als "Nischenform" (Marx) kennen; das bedeutet, daß nur Überschüsse oder relativ wenige Spezialprodukte in Marktbeziehungen eingehen. Eine erweiterte und tiefgestaffelte Funktionsteilung über den Markt ist aber nicht notwendig eine Folge der Produktivkraftentwicklung, sondern vielmehr eine logische Konsequenz des Kapitalismus, der den Wert zum gesellschaftlichen Selbstzweck gemacht hat. Es ist also nicht so, wie die VWL behauptet, daß die erweiterte Funktionsteilung durch Entwicklung der Produktivkräfte notwendig zur Totalisierung von Waren- und Geldbeziehungen führt. Diese Sicht verwechselt einen historischen mit einem logischen Sachverhalt. Der Kapitalismus als Rückkoppelung des Werts auf sich selber (als Verwertungsmaschine) ist es, der die Entwicklung der Produktivkräfte als identisch mit der Verallgemeinerung des Marktes erscheinen läßt. Ein allgemeiner und totaler Markt kann überhaupt nur als Sphäre der Realisation von abstrakter Mehrwertproduktion entstehen. Für das bürgerliche Bewußtsein ist dies identisch mit entwickelten Produktivkräften, weil sich ihm diese immer schon durch die Matrix des Werts geformt darbieten

[Alle Kommentare ausblenden] (59) Staatseigentum und genossenschaftliches Eigentum verbleiben ihrem Begriff nach in dieser fetischistischen Formbestimmung. Der Staat ist die juristische (und insofern politische) abstrakte Allgemeinheit einer Gesellschaft von Warenproduzenten, ebenso wie das Geld deren ökonomische abstrakte Allgemeinheit bildet. Abstrakt ist diese Allgemeinheit oder das Gemeinsame der Gesellschaftsmitglieder deswegen, weil sie nicht durch eine konkrete Kommunikation über konkrete stofflich-sinnliche Bezüge der gemeinsamen Reproduktion vermittelt wird, sondern durch die Abstraktion des Werts. Wird nun der Staat zum Eigentümer warenproduzierender Unternehmen, so usurpiert der juristisch-politische Pol den ökonomischen Pol der abstrakten Allgemeinheit, was aus bestimmten historischen Konstellationen in der Entwicklung warenproduzierender Systeme zwar erklärlich, jedoch auf die Dauer dysfunktional ist, weil der Ersatz des ökonomischen Konkurrenzmechanismus durch politische Kommandos enorme Reibungsverluste in der Produktion von Wert bzw. Mehrwert erzeugt.

[Alle Kommentare ausblenden] (60) Gleichzeitig bleibt der Charakter des Privateigentums an der Form des Staatseigentums in doppelter Weise haften: Zum einen tritt der Staatsapparat gegenüber den Produzenten, da er nicht ihre eigene konkrete Gemeinsamkeit, sondern eine ihnen als Individuen äußerliche abstrakte Allgemeinheit darstellt, in der Maske einer paradoxen "allgemeinen Privatheit" (als allgemeiner Exekutor der "Verwertung des Werts") auf und zwingt sie dadurch ihm gegenüber ebenfalls in die Form der Privatheit, sodaß sie sich als Privateigentümer ihres Produktionsmittels "Arbeitskraft" verhalten. An der Bestimmung der Produktionsmittel im Staatseigentum sind sie qua ihrer Staatsbürgerlichkeit nicht konkreter beteiligt als mittelalterliche Stallknechte am Domäneneigentum der katholischen Kirche qua ihrer Eigenschaft als Christenmenschen.

[Alle Kommentare ausblenden] (61) Zweitens spaltet sich der Staatsapparat, soweit er Unternehmensfunktionen usurpiert hat, selber notwendig in gegensätzliche ökonomische Positionen der Privatheit auf, da ja auch die staatseigenen Unternehmen sich über Markt- und Geldbeziehungen vermitteln. Auf diese Weise rächt sich die Wertform am überzogenen Anspruch des Staates. Unterhalb der gesellschaftlichen Käseglocke einer Staatsplanung in Wertkategorien positionieren sich gegensätzliche Interessen der getrennten Produktionseinheiten, die ihren Anteil am gesellschaftlichen Reichtum nur in der Geldform und daher nur privat aneignen können. Demgegenüber haben die frommen Sprüche aus dem politischen Himmel wenig Bedeutung. Eine analoge Erscheinung findet sich übrigens neuerdings innerhalb kapitalistischer Konzerne in Form des ultra-neoliberalen Konzepts sogenannter "Profit-Center": Nicht mehr das Unternehmen als ganzes soll Träger der "Wertschöpfung" sein, sondern direkt die einzelnen Abteilungen, die sich daher auch untereinander als Privatproduzenten verhalten, gewissermaßen als "Unternehmen im Unternehmen". Auch dieses Konzept kann hinsichtlich des Gesamtunternehmens auf Dauer nur zu paradoxen und dysfunktionalen Entwicklungen führen.

[Alle Kommentare ausblenden] (62) Das Staatseigentum ist also aufs Ganze gesehen nur eine besonders paradoxe Form des Privateigentums. Daran ändert sich auch nicht im geringsten etwas, wenn dieses Staatseigentum nicht vom bürgerlichen Staat, sondern von einem "Arbeiterstaat" verwaltet wird, getragen von den metaphysischen Subjekten der "Arbeiterklasse" und der (politischen) "Arbeiterpartei". Denn die strukturellen Beziehungen, die sich aus dem Staatseigentum ergeben, bleiben dieselben, unabhängig von ihren sozialen Trägern. Insofern ist auch die in den 70er Jahren vieldiskutierte Analyse des Staatssozialismus durch Charles Bettelheim ungenügend und im Verständnishorizont des Arbeiterbewegungs-Marxismus befangen geblieben. Bettelheim begriff die Elemente der Privatheit am Staatseigentum nur soziologistisch verkürzt, als bloß subjektiven Griff einer bestimmten soziologischen Gruppe, der Unternehmens-Leitungen, nach der "Verfügungsgewalt". Er sah nicht, daß die Form des Privateigentums unabhängig von den soziologischen Willensäußerungen jeder auf dem Wert beruhenden Produktionsweise notwendig inhärent ist. Ganz egal, welches historisches Subjekt ein warenproduzierendes System konstituiert, dieses System wird stets eine ähnliche Art von Funktionseliten hervorbringen, wie sie den Formen einer "Verwertung des Werts" entsprechen. Insofern ist jeder Staat per definitionem ein bürgerlicher Staat, ebenso wie jede Nation ihrem Wesen nach eine bürgerliche Nation, jedes Geld als allgemeine Verkehrsform ein bürgerliches Geld und jede Warenproduktion als allgemeine gesellschaftliche Reproduktionsform eine bürgerliche Warenproduktion ist. Das Attribut ist eigentlich überflüssig; es ist lediglich signifikant für ein Bewußtsein, das nur in den bürgerlichen Kategorien denken kann und die Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise auf dem Boden dieser bürgerlichen Realkategorien lösen will. Das Problem liegt aber in den strukturellen Beziehungen, wie sie die fetischistische gesellschaftliche Form des Werts aus sich heraus setzt, und nicht in den sekundären (bereits auf diese Struktur apriori bezogenen) Interessenhandlungen der soziologischen Gruppen, Schichten oder Klassen, deren Existenz selber ein historisches Produkt der Wertform ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (63) Nicht besser als mit dem Staatseigentum steht es mit dem genossenschaftlichen Eigentum, soweit es sich um warenproduzierende Unternehmen in der Form von Genossenschaften handelt. Der Träger dieses Eigentums ist zwar nicht die juristisch-politische abstrakte Allgemeinheit der Gesellschaft, sondern ein partikulares Kollektivsubjekt. Da dieses Kollektiv eine überschaubare Einheit darstellt, wurde die Idee der Genossenschaft immer wieder mit der Keimform einer vom Kapitalismus befreiten Reproduktion in Verbindung gebracht. Auch die Alternativbewegung der frühen 80er Jahre propagierte eine "sinnvolle Produktion" in "egalitären Strukturen ohne Chefs" als Bestandteil einer emanzipatorischen alternativen Lebensweise. Aber der alternative Charakter beschränkte sich dabei von vornherein auf den sozialen Binnenraum eines warenproduzierenden Unternehmens. Die gesellschaftliche Vermittlung dagegen lief "selbstverständlich" über den Markt, auf dem die Produkte der Genossenschaft oder des Alternativbetriebs abzusetzen waren.

[Alle Kommentare ausblenden] (64) Damit wird natürlich nicht die Wertform aufgehoben. Die alternativen Unternehmen bleiben Teil der allgemeinen Marktwirtschaft, die nur als Realisationssphäre des Kapitals existieren kann. Deshalb bleiben sie auch Bestandteil der kapitalistischen Reproduktion und unterliegen den Zwangsgesetzen der Konkurrenz. Als "Geldverdiener" bleiben die Mitglieder eines solchen Unternehmens gleichzeitig auch untereinander trotz gegenteiligen Willens in der ökonomischen Form des Privatinteresses. Die ökonomische abstrakte Allgemeinheit des Geldes muß sich in letzter Instanz für ihre Produktions- und Lebensweise als bestimmend durchsetzen. Deshalb sind die genossenschaftlichen und alternativen Betriebe entweder untergegangen oder sie mußten sich mit "Selbstausbeutung" über Wasser halten, um sich schließlich qua "Professionalisierung" in stinknormale kleinbürgerliche Klitschen mit Chef, Leistungsdruck usw. zu verwandeln, die ihre Bankkredite abarbeiten.

[Alle Kommentare ausblenden] (65) Es wird also deutlich, daß jede soziale Vermittlung durch die ökonomische Wertform notwendigerweise immer auch die dazugehörige juristische Form des Privateigentums in irgendeiner Gestalt hervorbringt. Das gilt erst recht dann, wenn sich der reformerische und emanzipatorische Eifer scheinbar an die Form der Vermittlung selber heranwagt, aber statt deren Aufhebung nur irgendein Surrogat für den Wert erfinden will. Besonders drastisch wird dies deutlich bei den von Marx so bezeichneten "Geldpfuschereien" etwa eines Proudhon oder einer ökonomischen Sekte, wie sie die Anhänger von Silvio Gesell darstellen. Da sich deren Kritik an der kapitalistischen Verkehrsform auf den Aspekt des zinstragenden Kapitals beschränkt, wollen sie lediglich ein "vom Zins befreites Geld" als direkte Verrechnung von Leistungseinheiten einführen, ohne das Problem der abstrakten Wertform als solcher überhaupt wahrzunehmen. Diese verkürzte Kritik der kapitalistischen Verkehrsform fällt sogar noch hinter die altmarxistische verkürzte Kritik des Privateigentums zurück: Weil sie nur auf ein "ehrliches Geld" hinauswollen, ist für Proudhon, Gesell und ihre Anhänger das Privateigentum an den Produktionsmitteln sogar besonders heilig. Was ihnen vorschwebt, ist überhaupt nicht mehr die soziale Emanzipation, sondern eine Gesellschaft von Kleinbürgern und die Reduktion der wertförmigen Vergesellschaftung auf einen Klitschen-Kapitalismus mitsamt allen dazugehörigen repressiven Borniertheiten des Arbeits- und Leistungsfetischismus.

[Alle Kommentare ausblenden] (66) Noch bornierter und ebenfalls kaum mehr einer gesellschaftskritischen und emanzipatorischen Intention folgend stellen sich die neuerdings in Mode kommenden "Tauschringe" dar (die allesamt anfällig für Gesellianisches Gedankengut sind). Hat der Genossenschafts-Sozialismus wenigstens noch die emanzipatorische Kooperation eines sozialen Binnenraums im Auge und ist diese bei den Gesellianern auf einen kleinbürgerlichen Klitschen-Kapitalismus reduziert, so setzen die Tauschringe bereits völlig entsozialisierte abstrakte Individuen voraus, die untereinander Dienstleistungen austauschen und verrechnen, ohne überhaupt noch in eine kooperative Produktionstätigkeit einzutreten. Die sozialökonomische Beziehung beschränkt sich gänzlich auf die Organisation einer alternativen Verkehrsform von Leistungsverrechnungen, die parallel zum offiziellen Markt läuft. Auch hier wird das Privateigentum nicht aufgehoben, sondern schrumpft lediglich auf die individuelle Fähigkeit, irgendeine Leistung (Babysitten, Tapezieren usw.) mit anderen Individuen auszutauschen; die Reproduktion von "Leistungsschwachen" wie Behinderten oder Kranken kommt dabei gar nicht vor. Ein solcher Tauschring stellt keinerlei Alternative zur kapitalistischen Produktionsweise mehr dar. Er organisiert nur einen Notbehelf in nebensächlichen Dingen für "herausgefallene" monadisierte Individuen, die ihre produktive Kooperationsfähigkeit völlig an Kapital und Staat abgegeben haben. Insofern sind die Tauschringe kein Neuanfang einer sozialen Emanzipation, sondern nur die letzte Verfallsform der alten, gescheiterten Ansätze innerhalb der Wertform, die bei hilflos gewordenen sozialen Atomen angelangt ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (67) Aus diesen kritischen Überlegungen ergibt sich notwendig ein zweites wesentliches Merkmal, das die Keimformen einer neuen sozialen Emanzipation von der früheren Alternativbewegung unterscheidet: Die neue Kritik am Staatssozialismus wird nicht nur die Partei der mikroelektronischen Produktivkräfte gegen die kapitalistischen Produktionsverhältnisse ergreifen müssen, statt diese Produktivkräfte zugunsten eines niedrigeren Niveaus der unaufgehobenen "abstrakten Arbeit" zu negieren; sie wird sich ebendeshalb auch nicht in der Form warenproduzierender Genossenschaften organisieren und erst recht nicht auf bloße Surrogatformen des Warentauschs und der Leistungsverrechnung ("Geldpfuschereien", Tauschringe) hinauslaufen können. Die Aufgabe besteht vielmehr darin, an der Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln festzuhalten, jedoch nicht mehr aus jenem naiven, aufklärerischen Verständnis einer "Verfügungsgewalt" soziologisch bestimmter Gruppen heraus und daher auch nicht als paradoxes Staatseigentum, sondern als Entkoppelung eines sozialen Raums emanzipatorischer Kooperation von Warentausch, Geldbeziehung und abstrakter Leistungsverrechnung. Mit einem Wort: Es geht darum, Elemente und Keimformen einer "mikroelektronischen Naturalwirtschaft" zu entwickeln, die sich dem Vergesellschaftungsprinzip des Werts grundsätzlich entzieht und davon nicht mehr erfaßt werden kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (68) Der Ausdruck erscheint zunächst als paradox, weil das von der Wertform bestimmte moderne Bewußtsein sich daran gewöhnt hat, "Naturalwirtschaft" als "Zurückgebliebenheit agrargesellschaftlicher Verhältnisse" zu übersetzen und mit fortgeschrittenen industriellen Produktivkräften für unvereinbar zu halten. Zunächst einmal handelt es sich aber um einen neutralen Ausdruck, der lediglich bezeichnet, daß bestimmte reproduktive Tätigkeiten nicht die Form von Warenproduktion annehmen und demzufolge auch nicht in Geldbeziehungen eingehen. Damit ist noch nicht gesagt, welcher Art die reproduktiven Beziehungen stattdessen sind. In vorkapitalistischen Gesellschaften war die naturalwirtschaftliche Reproduktion in andere, nicht vom Wert bestimmte Formen des gesellschaftlichen Fetischismus eingebunden. Es geht natürlich nicht darum, zu diesen zurückzukehren, sondern mit Hilfe der emanzipatorisch angewendeten Mikroelektronik den Fetischismus überhaupt zu überwinden. "Naturalwirtschaft" bezeichnet in diesem Kontext nur, daß die Reproduktion keine Warenform annimmt und Produktionsmittel wie Produkte ihrem stofflichen, sinnlichen Charakter entsprechend und im Hinblick auf den menschlichen Genuß behandelt werden, also nicht mehr der fetischistischen Abstraktion der Wertform unterliegen.

[Alle Kommentare ausblenden] (69) Seinen pejorativen Beigeschmack hat der Begriff der "Naturalwirtschaft" auch deshalb bekommen, weil er weitgehend synonym mit "Subsistenzwirtschaft" verwendet und diese wiederum als "Reduktion auf das blanke Überleben" verstanden wird. Damit einher geht die Beobachtung, daß in der an Krisen reichen Geschichte der Modernisierung natural- oder subsistenzwirtschaftliche Ansätze tatsächlich fast immer blinde Resultate ökonomischer oder militärischer Großkrisen ohne eine eigene, bewußt entwickelte soziale Perspektive waren und daher nur als bloße Notmaßnahmen oder "Survival-Techniken" erscheinen können, deren Bedingung gerade darin besteht, daß das Niveau der Vergesellschaftung zusammenbricht und die Menschen auf primitive Produktionsmethoden für das Überleben zurückgeworfen werden. Die Kooperation geht in solchen Fällen kaum über familiale Zusammenhänge hinaus und wird durch Formen von "Naturaltausch" ergänzt, die natürlich keine Perspektive jenseits der Wertform darstellen, sondern lediglich durch das Fehlen einer akzeptierten Währung oder durch den allgemeinen Mangel an Geld bedingt sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (70) So verhielt es sich bekanntlich in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, als die "Zigarettenwährung" galt und in den Hinterhöfen eine "Stallhasenkultur" blühte (ich habe es als kleines Kind noch selbst erlebt, wie meine Großmutter einen solchen im Schuppen großgezogenen Stallhasen, den mein Vater mit dem Hammer erschlagen hatte, an der Küchentür aufhängte und enthäutete). Und nicht anders verhält es sich heute in vielen ökonomischen Zusammenbruchsregionen der Welt, etwa wenn sich Rentnerehepaare im Weichbild von Moskau aus einem Schrebergarten ernähren müssen, wenn Familien in Kasachstan sich glücklich schätzen durch den Besitz einer Kuh oder wenn in den Badewannen der Mietshäuser von Havanna Schweine gemästet werden. Eine derartige "Subsistenzwirtschaft" scheint nichts als die Hoffnung zuzulassen, daß möglichst bald die Marktwirtschaft wieder in Gang kommt. In der Vergangenheit war dies ja auch tatsächlich der Fall und die krisenhaften Einbrüche der Vergesellschaftung wurden immer wieder durch neue Entwicklungsschübe des warenproduzierenden Systems abgelöst, während es für die heutigen Krisenregionen mehr als zweifelhaft ist, ob sie jemals wieder auf marktwirtschaftliche Beine kommen.

[Alle Kommentare ausblenden] (71) Die Vertreter der "orthodoxen" Kritischen Theorie und die postmoderne Linke, die selber dem Problem einer Aufhebung der Wertform ausweichen und dessen Konkretisierung verweigern, möchten am liebsten jede Debatte über eine Keimform emanzipatorischer Vergesellschaftung dadurch abwürgen, daß sie dieser Thematik von vornherein unterstellen, sie könne entweder nur auf kleinbürgerliche Warenproduktion oder nur auf jene primitive Überlebenswirtschaft hinauslaufen, deren Praxis darin bestünde, eine Kuh in der Garage oder ein Schwein in der Badewanne zu halten. Diese blinde Polemik, die gleichzeitig jede Kritik der kapitalistischen Gebrauchswertstruktur ablehnt, verrät nichts als eine selber kleinbürgerliche Angst vor der Krise und gleichzeitig die Unfähigkeit und den Unwillen, die Frage einer Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln jenseits des Arbeiterbewegungs-Marxismus und seiner etatistischen Illusionen neu zu diskutieren. Dasselbe Problem, das sich schon in der Frage der Produktivkräfte und ihres Begriffs gestellt hatte, stellt sich nun umso deutlicher in der Frage der Aufhebung bürgerlicher, vom Wert bestimmter Verkehrsformen.

4. Die Entkoppelung von der Warenproduktion

[Alle Kommentare ausblenden] (72) Wie also ist eine "mikroelektronische Naturalwirtschaft" als emanzipatorische Keimform möglich? Die Schwierigkeit besteht darin, daß die kapitalistische Form der gesellschaftlichen Funktionsteilung ebensowenig unverändert in eine emanzipatorische Reproduktion übernommen werden kann wie die kapitalistische Gebrauchswertstruktur. Die Belegschaft eines Betriebs, der z.B. Schiffe herstellt, kann sich nicht als das, was sie ist, von der gesellschaftlichen Wertform emanzipieren. Da sie die Schiffe nicht selbst konsumieren und mit den Produktionsmitteln ihres Betriebs nicht die eigenen Bedürfnisse befriedigen kann, gleichzeitig aber die spezielle Produktion ihres Betriebs in ein System kapitalistischer Arbeitsteilung inkorporiert ist, bleibt sie auf die Warenproduktion verwiesen, mit allen bereits geschilderten sozialen Konsequenzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (73) Dieses Problem ändert sich nicht grundsätzlich, wenn eine gesamtgesellschaftliche Bewegung auf der Basis aller Betriebe etwa aus einer Krise der kapitalistischen Reproduktion heraus die Warenform unmittelbar gesamtgesellschaftlich überwinden will. Die "Räte" aller kapitalistischen Betriebe würden erst einmal nicht nur die Gesamtheit der kapitalistischen Gebrauchswertstruktur, sondern auch ein Gesamtsystem durch und durch von der Abstraktion des Werts geformter Funktionsteilungen repräsentieren, von der Rüstungsindustrie bis zu den Transportunternehmen. Ein großer Teil dieser Betriebe müßte wegen Unsinnigkeit oder Gemeingefährlichkeit sofort stillgelegt, ein anderer völlig umgeformt und in neue Bezüge gesetzt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (74) Hinzu kommt die Tatsache, daß in einem warenproduzierenden System so gut wie kein gesellschaftliches Wissen über die gesamte Vernetzung der Reproduktion auf der materiellen, stofflich-sinnlichen Ebene existiert. Alle gesamtgesellschaftlichen Aggregierungen erscheinen nur in der Form abstrakter monetärer Fließgrößen (Einkommens- und Ausgabenströme etc.), wie sie von der "volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung" dargestellt werden, während die einzelnen Betriebe in materieller Hinsicht nur ihre eigenen Zulieferer und Abnehmer kennen, nicht jedoch den gesamten materiellen Vernetzungsprozeß, dessen Teil sie sind. Es gibt also eine geradezu groteske Unwissenheit der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Mitglieder über die materielle Aggregierung ihres eigenen Lebenszusammenhangs, der so fremd ist wie ein unentdeckter Kontinent. Deshalb bedurfte es z.B. mühsamer Recherchen und führte zu einem überraschenden Resultat, als Journalisten die phantastische Irrfahrt eines ganz gewöhnlichen Joghurtbechers durch Europa und die damit verbundene irrsinnige Ressourcenverschleuderung rekonstruierten. Dies ist nur ein bekannt gewordenes Beispiel; dasselbe Problem wiederholt sich aber bei allen produzierten Dingen von der Gasturbine bis zur Stecknadel.

[Alle Kommentare ausblenden] (75) Ein gesamtgesellschaftliches Repräsentations-System von Betriebs-"Räten" hätte also nicht nur mit den Furien der partikularen Betriebs-Interessen bzw. deren Überresten zu kämpfen, sondern auch mit einer zunächst unüberschaubaren, von den Abstraktionen des Werts geformten Struktur der Reproduktion, die wie von selbst entweder nach warenförmigen Vermittlungen drängt oder aber doch wieder eine politische Meta-Instanz zu erfordern scheint, die "von oben" und damit mehr oder weniger etatistisch eingreift, mit allen Gefahren einer Verselbständigung dieser Instanz. Eine alternative territoriale statt betriebliche Organisation der "Räte" auf der Basis von Wohngebieten andererseits würde das Dilemma ebensowenig lösen, denn auch auf dieser Ebene würde man nur Schnittstellen eines undurchschauten Zusammenhangs der Reproduktion vorfinden. Schon die alte Arbeiterbewegung schwankte ja zwischen betrieblicher und territorialer Organisationsform, wobei in der Regel die Gewerkschaften auf betrieblicher und die Parteien auf territorialer Basis organisiert waren. Dies entsprach völlig der Befangenheit in der Ökonomie der Warenproduktion einerseits und der dazugehörigen komplementären Sphäre der Politik (dem juristischen Ausdruck bürgerlicher Willensverhältnisse) andererseits.

[Alle Kommentare ausblenden] (76) Die Organisation einer emanzipatorischen Bewegung kann daher weder allein von den Strukturen der kapitalistischen Arbeitsteilung (Betrieben) noch allein von einer territorialen Basis (Wohngebieten) ausgehen, sondern sie muß bereits die (anti-)ökonomische Keimform einer alternativen Reproduktion enthalten. Eine solche emanzipatorische, das Privateigentum an den Produktionsmitteln überwindende Keimform "mikroelektronischer Naturalwirtschaft" ist aber nicht an beliebigen Punkten der (zunächst in kapitalistischer Form vorgefundenen) Struktur der Reproduktion darstellbar, sondern nur an den Endpunkten: dort, wo die Produktion in die Konsumtion übergeht. Denn nur an diesen Endpunkten ist die Konstitution eines sozialen Raums der Kooperation möglich, deren Tätigkeiten nicht wieder auf den Markt zurückführen, sondern in ihren Resultaten von den Beteiligten selber konsumiert werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (77) Die ökonomische Aufspaltung (sogar der Individuen selber) in ein Produzenten- und ein Konsumenten-Interesse ist ein basales Merkmal des warenproduzierenden Systems und des dazugehörigen Privateigentums an Produktionsmitteln; die soziale und kommunikative, institutionelle Identität von Produzenten und Konsumenten wird daher zur conditio sine qua non für eine Aufhebung der Wertform. Unmittelbar ist diese Identität als gesamtgesellschaftliche natürlich nicht möglich, aber vermittelt durch Institutionen direkter gesellschaftlicher Kommunikation ist sie durchaus denkbar: die "Direktheit" bezieht sich hier auf das Medium selbst, die Sprache und die "Diskussion über" alle Angelegenheiten der Reproduktion; im Unterschied zu einem indirekten, abstrakten, fetischistischen, subjekt- und sprachlosen Medium, wie es der Wert darstellt. Diese völlig andere Art der Vermittlung muß jedoch selber erst vermittelt, geübt, ausprobiert, erweitert und verfeinert werden usw., und deshalb bedarf es auch der Keimformen, die dort ansetzen, wo das Verhältnis von Produktion und Konsumtion greifbar wird ohne dazwischengeschobene Instanzen. Dieses Problem wird sich für jede emanzipatorische soziale Bewegung stellen, egal in welcher Größenordnung und in welchem Stadium der Krise kapitalistischer Reproduktion sie operiert.

[Alle Kommentare ausblenden] (78) Historisch hat sich der Markt von den Grundstoffen, den Vor- und Zwischenprodukten immer weiter vorgeschoben und immer mehr r