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Arbeitszeitreduzierung- naheligende Konsequenz des technsichen Fortschritts oder Illusion?
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Maintainer: Michael Kiersch, Version 1, 17.08.2003  Druckversion
Projekt-Typ:
Status: Final

Thema: Arbeitszeitreduzierung- naheligende Konsequenz des technsichen Fortschritts oder Illusion.

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Bei unserer Diskussion am 13.8.2003 wurden u.a. folgende Thesen aufgestellt (bitte unten die ergänzen, welche ich vergessen habe):

These 1a:

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Die Reduktion von Arbeitszeit führt oft zu einer Intensivierung der Arbeit - d.h. mehr Stress für die Beschäftigten.

Einschränkung von 1a:

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Das kann nicht der Fall sein, wenn ein Unternehmen die Arbeitszeit reduziert, um Entlassungen zu verhindern (Bsp. BASF 1998). In so einem Fall muss ja die Produktion eingeschränkt werden, weil die Nachfrage zu gering ist. Dann gibt es aber keinen Grund, die Arbeit zu intensivieren, denn dadurch würde ja wieder mehr Zeug produziert was man nicht los wird. - Es sei denn, man will durch die Intensivierung Kosten sparen, um den Absatz wieder zu steigern. Diese Preissenkungs-Strategie läßt sich aber unabhängig von der Arbeitszeitreduzierung immer anwenden. Die Intensivierung wäre also keine Folge der gesenkten Arbeitszeit.

Noch ´ne Einschränkung:

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Auch wenn der Teilzeit-Wunsch von einzelnen Beschäftigten ausgeht (Bsp. Comet Computer), scheint es mir unwahrscheinlich, dass diese dann gezwungen werden, intensiver zu arbeiten als ihre Vollzeit-KollegInnen.

Deshalb These 1 Variante b:

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Arbeitsintensivierung kann nur dann eine Reaktion der Unternehmer auf Abeitszeitverkürzung sein, wenn diese staatlich verordnet oder in den Tarifverhandlungen durchgesetzt wurde. (Möglicherweise gibt es aber eine davon unabhängige Tendenz zur Intensivierung der Arbeit).

These 2:

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen (also die Gesamtzeit der geleisteten Erwerbsarbeit) hat seit 1960 abgenommen. Aus dieser Perspektive scheinen längere Lebens- und Wochenarbeitszeiten absurd (werden aber derzeit durchgetzt, z.B. für die Verwaltungsangestellten in NRW).

Kleine Einschränkung:

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Viele eigentlich nötige Arbeit wird zur Zeit nicht gemacht, z.B. lassen Unternehmen ihre Infrastruktur versauen.

Ergänzungen bzw. Fragen zu 2:

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Kann es möglich sein, dass sich die Produktion nur so organisieren lässt, dass immer mehr Leute gar nicht arbeiten während der Rest immer mehr arbeitet?

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Ist es oft vielleicht effizienter, wenn z.B. 3 Personen je 50 Wochenstunden arbeiten anstatt 5 Personen je 30, weil Arbeit immer wissensintensiver wird und daher in vielen Bereichen 3 Spezialisten bzw. Fachidioten viel mehr schaffen als 5 Menschen, die auch ein Privatleben haben?

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Trotzdem: wäre die Welt nicht Lebenswerter mit lauter Leuten, die nur 20 oder 30 Wochenstunden durchschnittlich arbeiten - auch wenn wir alle dann überproportional weniger produzierten (und real entsprechend überproportional weniger verdienten - es sei denn die Arbeitseinkommen würden dadurch angehoben, dass sich die Marktposition der Arbeitskräfte gegenüber dem Kapital - aufgrund der fast verschwundenen Arbeitslosigkeit - verbessert hätte)?

These 3:

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Arbeitslosigkeit ist für die Betroffenen oft ein psychologisches Problem.

Gegenthese:

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Das ist umweltbedingt. Wer unter seiner Arbeitslosigkeit psychologisch leidet, leidet weil er die Arbeitsmoral dieser Gesellschaft verinnerlicht hat.

Folgerung aus 3:

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Wenn die Leute Arbeit psychologisch brauchen, ist es unsinnig, sie zur Arbeit zu zwingen, indem man das Einkommen davon abhängig macht!

These 4a:

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Konkurrenz schadet immer.

These 4 Variante b:

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Konkurrenz schadet nur manchmal (z.B. Standortwettbewerb). Eine bessere Welt ist aber auch mit Konkurrenz möglich. In vielen Bereichen gibt es sogar zu wenig Konkurrenz, z.B. wenn Unternehmen Produkte herstellen, die keiner will (aber doch kaufen muss, weil es wichtig ist und es kein besseres gibt (Monopol)).

Wie könnte eine bessere Welt mit Konkurrenz aussehen?

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Standortwettbewerb durch internationale Vernetzung abbauen (Globalisierungskritischen Bewegung, Internationale Gewerkschaftsorganisationen, UNO bzw. was besseres als UNO). Konkurrenzgewinne unatraktiv machen; Entlassungen dürfen sich nicht lohnen. (Was genau war mit Konkurrenzgewinnen gemeint?)

Und eine Welt ohne Konkurrenz?

[Alle Kommentare ausblenden] (17) 90% der gesellschaftlich nützlichen Arbeit, würde absolut freiwillig geleistet werden - allein aus dem Drang heraus, tätig zu sein oder anderen zu helfen. Nur bei etwa 10% sollte man nicht ganz auf die Freiwilligkeit vertrauen, sondern sich vernünftig einigen, wer wie dazu beiträgt.

These 5:

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Arbeitslos sind hauptsächlich Leute, deren Qualifikation nicht benötigt wird.

Gegenthese:

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Quatsch! Z.B. werden gut qualifizierte Ältere eh nicht eingestellt, sondern nur die Jungen, weil sie die intensivierte Arbeit durchhalten.

Einschränkung der Gegenthese:

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Vielleicht gibt es doch Tendenzen, sich am Arbeitsmarkt vorbei auszubilden: z.B. scheint es heutzutage so was wie "uncoole" Berufe zu geben, die keiner macht, auch wenn ihm die Fähigkeiten für "coole" Berufe fehlen. So gibt es z.B. einen Mangel an ausgebildeten Bäckern und Fleischern.

Sonstiges:

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Welche Folgen hat die aktuelle Entwicklung, dass immer mehr früher unbezahlte Arbeit in den Markt einbezogen wird?

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Bitte ergänzt hier per Kommentar weitere sinnvolle Thesen, die wir nicht erwähnt haben oder die ich vielleicht vergessen habe.




Quelle: http://www.opentheory.org/ostheo_arbeit/text.phtml
(Last Software Update: 17.08.2003, 00:06)