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Ein Beitrag für das Open Source Jahrbuch 2005
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Maintainer: Stefan Merten, Version 2, 23.10.2004  Druckversion
Projekt-Typ:
Status: Archiv

Ein Beitrag für das Open Source Jahrbuch 2005

[Alle Kommentare ausblenden] (1) ToDo: Einige Kommentare und Notizen zur Weiterentwicklung der Kladde finden sich in der Version 1 dieses Textes [http://www.opentheory.org/ox_osjahrbuch_2005/v0001.phtml]. Aus dieser Version sind einige ToDos hierher übernommen.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) ToDo: Einleitung fehlt. Vielleicht ein kurzer Überblick über den Artikel und zwei Sätze zum Projekt Oekonux.

Produktionsweise Freier Software

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Die Produktionsweise Freier Software unterscheidet sich grundsätzlich von der proprietärer Software. Dies betrifft weniger die technischen Verfahren, sondern vor allem individuelle Motivation und soziale Organisation. Diese Produktionsweise ist gekennzeichnet durch Wertfreiheit, Selbstentfaltung, Selbstorganisation und Globalität.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Die Entwicklung von Software ist mit Anstrengung verbunden. Bei Freier Software wird diese Anstrengung in der Regel jedoch nicht entlohnt. Wie auf vielen anderen Gebieten menschlichen Lebens strengen sich die Menschen hier aus anderen Gründen an, als Geld dafür zu erhalten. Das Resultat dieser Anstrengung ist deswegen wertfrei und unterscheidet sich damit wesentlich von der wertbasierten Anstrengung, bei der die Anstrengung zur Erzielung von Lohn oder Profit unternommen wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Hauptantrieb bei der Entwicklung der Freien Software ist die individuelle Selbstentfaltung. Selbstentfaltung bedeutet, dass ich genau das tue, was ich tun möchte. Es gibt keine dritten Gründe wie z.B. Markt oder Verkauf, sondern jeweils meine Gründe, Freie Software zu entwickeln oder zu unterstützen. Die Freiheit der Entwicklung und der Ziele ist ein wichtiges Motiv. Proprietäre Software hingegen wird für einen dritten, fremden Zweck entwickelt. Der Markt entscheidet, ob die Software überlebt. Finden sich zu wenige KäuferInnen, verschwindet die Software. Das gibt es bei Freier Software nicht. Solange sich jemand für die Software interessiert, gibt es sie - oft auch, wenn es keine aktuellen NutzerInnen mehr gibt.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Die sozialen Organisationsformen Freier Software sind so verschieden wie die Projekte selbst. Niemand gibt vor, wie etwas zu sein hat. Jedes Projekt organisiert sich selbst und findet die Form, die ihm gemäß ist - oft einfach durch Ausprobieren. In den meisten Projekten gibt es die beiden Rollen Maintainer und Projektmitglied. Ein Maintainer übernimmt freiwillig Verantwortung und kümmert sich um Meta-Prozesse: Code-Verwaltung, Projekt-Organisation, Kommunikation, Information nach außen etc. Projekt-Mitglieder leisten freiwillige Beiträge: Code-Schnipsel, Fehler-Bereinigungen, Dokumentationen etc. Die Übergänge sind fließend. Je größer das Projekt, desto differenzierter die Struktur. Die meisten Projekte arbeiten nach dem Prinzip: Was getan werden muss, wird getan - oder eben nicht. Und: Das Programm ist fertig, wenn es fertig ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) ToDo: Diesen Absatz evt. in Maintainer-Kapitel integrieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Die globale Vernetzung ist Resultat der Möglichkeiten des Internet. Jedes noch so kleine Projekt, das sich einer der vielen frei zugänglichen Projekt-Infrastrukturen bedient (SourceForge, Savannah etc.) oder selbst eine betreibt, ist weltweit verfügbar. Menschen, die sich noch nie gesehen haben und vielleicht auch niemals sehen werden, können so zusammen kommen und etwas Nützliches erschaffen. Ohne das Internet wäre Freie Software nicht denkbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (9) ToDo: Diesen Absatz evt. im Kapitel zur digitalen Kopie integrieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Selbstentfaltung ist ein zentraler Begriff beim Verständnis Freier Software. Damit ist nicht einfach "Spaß haben" gemeint. Selbstentfaltung hat eine individuelle und eine gesellschaftliche Dimension. Individuell meint Selbstentfaltung das persönliche Entfalten der eigenen Möglichkeiten, das Entwickeln der eigenen Persönlichkeit. So verstandene Entfaltung der Persönlichkeit hat stets Formen der Entäußerung: produktive, reproduktive, technische, kulturelle, kommunikative, konsumtive etc. Diese Produkte sind für Andere nützlich.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Die gesellschaftliche Dimension der Selbstentfaltung betrifft die Abhängigkeit der eigenen Entfaltung von der Entfaltung der Anderen. Ich kann mich nur entfalten, wenn die Anderen es auch tun. Die Anderen, potenziell alle Anderen, sind meine Entfaltungsbedingung, wie ich umgekehrt Entfaltungsbedingung für die Anderen bin. Es entsteht eine positive Rückkopplung: Mein Bestreben richtet sich darauf, dass die Anderen sich entfalten können, damit ich mich entfalten kann. Würde ich mich nur darauf konzentrieren, was ich zu tun wünsche und die Anderen ignorieren oder gar ausgrenzen, dann schadete ich mir selbst.

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Diese Dynamik können wir - mehr oder weniger ausgeprägt - bei Freier Software beobachten. Die positive Rückkopplung kommt zustande, weil und wenn es keine dritten, entfremdeten Gründe gibt, tätig zu werden. Das ist bei Freier Software gegeben, weil Freie Software keine Ware ist und nicht für den Verkauf produziert wird. Im Projekt Oekonux wurde diese Analyse zu dem Satz verdichtet: Die Selbstentfaltung des Einzelnen ist die Bedingung für die Entfaltung Aller - und umgekehrt. Besonders deutlich wird die Unterscheidung, wenn man den gleichen Satz für die entfremdete Warenproduktion formuliert: Die Entwicklung des Einzelnen ist möglich auf Kosten der Entwicklung der Anderen - und umgekehrt.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Selbstentfaltung darf nicht mit Selbstverwirklichung verwechselt werden. Selbstverwirklichung blendet die gesellschaftliche Dimension aus, sie muss Andere ignorieren oder sich gegen sie durchsetzen. Selbstverwirklichung ist statisch und begrenzt, sie geht von einer Anlage aus, die verwirklicht werden will und endet mit der Erfüllung. Selbstentfaltung hingegen ist dynamisch. Jede erreichte Entfaltung ist wiederum nur Bedingung und Möglichkeit neuer Formen der Entfaltung. Eine Gesellschaft der Selbstentfaltung wäre eine reiche Gesellschaft.

Freie Software ist keine Ware

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Eine Ware ist ein Produkt, das zum Zwecke des Tausches (Verkauf) hergestellt wird. Dabei ist der Preis nicht relevant: Es gibt auch Waren mit dem Preis 0, z.B. Freeware. Freeware ist keine Freie Software. Freie Software zeichnet sich durch freie Verfügung, nicht aber notwendig durch ihre Kostenfreiheit aus. Entscheidender bei Freier Software ist, dass sie nicht für einen Tausch hergestellt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (15) ToDo: Öhm, tja, hast du recht. Freeware ist ein unpassendes Beispiel. Freeware ist IMHO im Grenzbereich: Es wird in der Regel für einen Markt hergestellt, aber nicht um einen Preis zu erzielen, sondern andere Zwecke durchzusetzen (z.B. Vorherrschaft und Kombination mit Bezahlprodukten, Bsp. InternetExplorer). Ich wollte halt das Ding mit "Kein-Preis ist nicht das Kriterium" drin haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Weil Freie Software keine Ware ist, muss sie auch nicht knapp sein. Freie Verfügung bei Software bedeutet: Sie ist im Überfluss vorhanden, jede und jeder kann sich einfach ein Exemplar nehmen (kopieren). Einzig technische Einschränkungen wie etwa der Zugang zum Internet begrenzen dieses Nehmen.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Weil Freie Software keine Ware ist, können ihre Quellen jedem offen zugänglich sein. Die Offenheit befördert die kooperative Entwicklung. Es lädt NutzerInnen ein, die Software zu benutzen und Fehler und Wünsche zu melden, und es lädt EntwicklerInnen ein, Verbesserungen und Erweiterungen einzubringen. Jeder auch noch so kleine Beitrag bringt alle voran. Freie Software saugt Kreativität und Wissen an. Nicht nur beim Nehmen herrscht Überfluss, auch die Hineingabe ist potenziell unbegrenzt. Freie Software funktioniert nach einem Inklusionsmodell.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Weil proprietäre Software in der Regel eine Ware ist, kann sie sich viele Freiheiten nicht gönnen. Sie muss das Nehmen begrenzen, obwohl es dafür keinen wirklichen Grund gibt. Knappheit muss künstlich erzeugt werden. Sie muss die Hineingabe beschränken, denn nur ausgewählte EntwicklerInnen dürfen in den Quelltext sehen. Geheimniskrämerei und unsichere Software sind oft die Folge. Proprietäre Software basiert auf einem Exklusionsmodell.

Jenseits der Ware

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Wollen wir ermessen, inwiefern sich Freie Software vom vorherrschenden Produktivkraftmodell der Marktwirtschaft unterscheidet, so ist es sinnvoll, Freie Software mit einem der zentralen Elemente der Marktwirtschaft zu vergleichen: der Ware. Unter Ware verstehen wir in diesem Kontext Güter, die primär zum Zwecke des Verkaufs auf einem Markt produziert werden und sich also von Gütern unterscheiden, die primär aus anderen Gründen produziert werden - z.B. weil sie nützlich sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Eines der hervorstechenden Merkmale Freier Software ist, dass das in vielen Fällen das eigentliche Produkt keinen Preis hat. Viele, die an die geldbasierte Gesellschaft gewöhnt sind, sind zunächst einmal skeptisch gegenüber dieser Tauschfreiheit. Sind sie doch daran gewöhnt, dass Güter, für deren Erhalt sie nichts oder unverhältnismäßig wenig zurück geben müssen, entweder Teil der Werbung sind oder sonst einen Pferdefuß haben. Freie Software ist aber weder Werbung noch hat sie sonst einen Pferdefuß. Freie Software ist von Anfang bis Ende jenseits des Tauschprinzips angesiedelt. Auch wenn die Teilnahme an einem Freien-Software-Projekt Geben und Nehmen beinhaltet, so ist der Erhalt von Leistungen jedoch nicht an die Erbringung von Leistungen gekoppelt. Tatsächlich werden die allermeisten NutzerInnen Freier Software wenig oder gar nichts zu deren Weiterentwicklung leisten, und können sie doch völlig uneingeschränkt nutzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Auf Grund der Konkurrenz sind in der Warenproduktion Betriebsgeheimnisse unerlässlich. Sie schützen die Marktteilnehmer, indem sie für eine bestimmte Produktion benötigtes Wissen vor der Konkurrenz verbergen. Auch die Idee der Patente zielt in diese Richtung, wobei die Geheimhaltung hier durch einen staatlichen Monopolschutz ersetzt und die Idee damit zwar veröffentlicht aber künstlich verknappt wird. Bei Freier Software liegen die Quellen offen vor, so dass es gar keine Geheimnisse geben kann. Alle Interessierten können jederzeit das gesamte Know-How verwenden, dass in einer bestimmten Software enthalten ist. Die vier fundamentalen Rechte Freier Software erwähnen die Möglichkeit des Lernens aus fremden Quellen sogar explizit.

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Tatsächlich entspricht Konkurrenz, wie wir sie zwischen Warenproduzenten erleben, auch nicht dem Modell, das in Freier Software die Regel ist. Wo es für eine bestimmte Problemstellung mehrere Programme gibt, so beziehen sie sich nicht konkurrenzförmig, also negativ aufeinander. Entweder es besteht gar keine Beziehung zwischen den Projekten oder es gibt eine mehr oder weniger starke Kooperation zwischen den Projekten.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Nun hat es in der Vergangenheit immer mal wieder Produktionsformen gegeben, die nicht vom Warenmarkt ausgegangen sind. Nicht selten sind Produkte zunächst im Hobby-Bereich ersonnen worden und die Wirtschaft hat diese Erfindungen aufgegriffen. In solchen Fällen ist dem Hobby-Bereich bestenfalls eine Nische geblieben. Anders bei Freier Software. Wurde auch Software in der Frühzeit der Computer nicht als eigenständige Ware begriffen, so begann sich dies in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu ändern und mit rasanter Geschwindigkeit etablierte sich ein Warenmarkt für Software. Freie Software, die auf einem anderen Produktivkraftmodell als Warenproduktion beruht, trat nun aus Sicht der NutzerInnen in direkte Konkurrenz zur proprietären Software. Im Gegensatz zu allen früheren Beispielen konnte sich Freie Software aber nicht nur eine Nische sichern, sondern wächst im Gegenteil immer weiter und wird nach und nach zu einer ernsten Bedrohung für die proprietäre Software. Zwar stehen die Produkte proprietärer und Freier Software-Entwicklung nicht in Konkurrenz zueinander, da sie nicht in der selben Sphäre entwickelt werden. Das neue Produktivkraftmodell aber, das wir in Freier Software erkennen können, hat als System offenbar das Zeug dazu, das etablierte Produktivkraftmodell der Warenproduktion nieder zu konkurrieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Nicht zuletzt ist Freie Software im Überfluss vorhanden. Allein dies ist ein nachhaltiges Hindernis, Freie Software zu einer Ware zu machen. Ware kann nämlich nur existieren, wenn sie knapp ist. Ist ein Gut nicht knapp, steht es vielmehr allen zur Verfügung die seiner bedürfen, so kann es nicht mehr verkauft werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (25) ToDo: Vielleicht können wir einen Merge machen.

[Alle Kommentare ausblenden] (26) ToDo: Unsere beiden Herangehensweisen scheinen verschieden zu sein. Ich komme von der Ware und zähle Eigenschaften der Ware auf, die bei Freier Software nicht gelten. Du sagst Freie Software ist keine Ware und deshalb gelten die Wareneigenschaften für sie nicht. Ich finde meine Argumentationsrichtung überzeugender, da sie ohne vorherige Setzung - Freie Software ist keine Ware - auskommt.

Stichwort Knappheit

[Alle Kommentare ausblenden] (27) ToDo: Ich habe dazu gerade eine Kolumne zum Stichwort Knappheit für die "Streifzüge" fertiggestellt, wo ich die Klärung nochmal versucht habe.

Einfach und Doppelt Freie Software

[Alle Kommentare ausblenden] (28) In der Freien-Software-Bewegung wird von verschiedenen Seiten immer wieder betont, dass Freie Software Bestandteil von Geschäftsmodellen sein kann. Mit anderen Worten soll es laut diesen Thesen möglich sein, mit Freier Software Geld zu verdienen.

[Alle Kommentare ausblenden] (29) Nun ist klar, dass Geschäftsmodelle, die mit einer Verknappung eines fertigen Produkts operieren, bei Freier Software nicht funktionieren können. Verknappung von Informationsgütern ist unter den Bedingungen der weltweiten digitalen Kopie allgemein nur zu erreichen, wenn den NutzerInnen das Recht genommen wird, selbst das Informationsgut weiter zu geben. Die Grundrechte Freier Software - uneingeschränkte Einsatzmöglichkeiten, Einsicht in und Möglichkeit zur Anpassung der Quellen, unbeschränkte Weitergabe originaler oder veränderter Versionen - erlauben diese Verknappung jedoch nicht.

[Alle Kommentare ausblenden] (30) Ist es zwar nicht möglich, fertige Produkte direkt zu verkaufen, so gibt es verschiedenen Dienstleistungen rund um Freie Software, die verkauft werden können: Beispielsweise Wartung, Installation oder Zusammenstellen von Distributionen. Diese Geschäftsmodelle arbeiten zwar mit vorhandener Freier Software, verkauft wird aber letztlich die Dienstleistung. Auch die verschiedenen Merchandising-Produkte rund um einzelne Freie-Software-Projekte oder auch Bücher zu Freier Software verkaufen nicht Freie Software, sondern eben Plüschpinguine.

[Alle Kommentare ausblenden] (31) Ist mit fertiger Freier Software selbst kein Geschäftsmodell zu begründen, so gilt das nicht für Freie Software, die noch nicht existiert. Es sind durchaus Geschäftsmodelle möglich, bei denen Freie Software im Auftrag erstellt wird. Solche Geschäftsbeziehungen unterscheiden sich bei Projekten ohne eine Community von proprietärer Software lediglich durch die Lizenz, unter der das fertige Produkt später steht. Ebenfalls in diese Kategorie fällt die Weiterentwicklung Freier Software, die in Firmen für eigene Zwecke durchgeführt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (32) Gegenüber der klassischen Freien Software, wie sie ein Richard Stallman oder ein Linus Torvalds entwickelten, gibt es bei den genannten Geschäftsmodellen jedoch einen wichtigen Unterschied. Wie, wohin und wie schnell sich Freie Software entwickelt, die ohne externen Auftrag entsteht, liegt allein in der Entscheidung des jeweiligen Projekts. Zu den Freiheiten, die die Lizenzen den NutzerInnen gewähren, tritt in diesen Fällen die Freiheit der EntwicklerInnen, die nicht an irgendwelche Weisungen von Auftraggebern gebunden sind. In Fällen, wo allein die Selbstentfaltung der EntwicklerInnen den Fortgang des Projekts bestimmt, sprechen wir von Doppelt Freier Software.

[Alle Kommentare ausblenden] (33) Demgegenüber sprechen wir von Einfach Freier Software, wenn die EntwicklerInnen in ihren Entscheidungen nicht frei, sondern an einen Auftraggeber gebunden sind. Die EntwicklerInnen entfremden sich in solchen Projekten von ihrem Produkt, da sie auch Entscheidungen des Auftraggebers berücksichtigen müssen, die aus ihrer Sicht für das Produkt schädlich sind. Alle, die die technische Seite von Software-Produktion im Auftrag kennen, kennen unzählige Beispiele für vom Marketing bestimmte Terminpläne, technisch überflüssige Hochglanz-Features, etc. Hier zeigt sich deutlich die Entfremdung vom Produkt, die mit der Erfüllung des dem Produktnutzen äußerlichen Zwecks der Verwertung entsteht.

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Betrachten wir Freie Software als erfolgreiche Keimform, so tritt aber gerade die freie Entscheidung der EntwicklerInnen in den Vordergrund. Nicht getrieben von Marktvorgaben können sich die EntwicklerInnen auf die bestmögliche Qualität der Software konzentrieren. Unter anderem ist es möglich - wie jüngst bei Gimp geschehen - sich eine zweijährige Auszeit zu nehmen, in der lediglich die historisch gewachsene Code-Basis auf ein neues, qualitativ hochwertigeres Fundament gesetzt wird. Anstatt neue Features zu implementieren wird hier die langfristige Qualität in einer Weise gesichert, wie man sie sich von bekannten proprietären Software-Produkten wünschen würde.

[Alle Kommentare ausblenden] (35) Wie gezeigt ist dieser qualitative Vorsprung Doppelt Freier Software struktureller Natur und kann auf Grund der in Einfach Freier Software angelegten Entfremdung von dieser nicht eingeholt werden. Dieser qualitative Vorsprung ist es aber letztlich, der dem Produktivkraftmodell Doppelt Freier Software den entscheidenden Vorteil vor dem Einfach Freier oder proprietärer Software gibt.

Das Maintainer-Prinzip

[Alle Kommentare ausblenden] (36) ToDo: Ich finde es unnötig und irreführend das Maintainer-Prinzip in den Vordergrund zu stellen gegenüber anderen Organisationsprinzipien. Wie schon mehrfach aufgeführt, gibt es kaum größere Projekte, die nach diesem Prinzip funktionieren. Linux ist da eher die Ausnahme als die Regel. Sinnvoller wäre es einen allgemeinen Absatz darüber zu machen, dass die Rahmenbedingungen Freier Software, die auch freiwillig produziert wird, bei jedem Organisationsmodell zu offeneren Strukturen führen. Siehe Freie Kooperation: Wichtig ist nicht das konkrete Organisationsmodell sondern die Verhandlungsmacht der Beteiligten.

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Wer länger in der Software-Entwicklung tätig ist, weiß, dass bei Software-Projekten der soziale Prozess eine wesentliche Rolle spielt. Ist der soziale Prozess schlecht oder gar nicht organisiert, versinkt das interessanteste Projekt im Chaos und Kreativität und Produktivität der Aktiven wird nachhaltig gestört. Wie ist dieser Prozess in Freie-Software-Projekten - genauer: in Projekten Doppelt Freier Software - organisiert?

[Alle Kommentare ausblenden] (38) Der entscheidende Unterschied zwischen der Entwicklung Doppelt Freier Software und anderer Software-Entwicklung besteht darin, dass alle ProjektteilnehmerInnen ausschließlich freiwillig am Projekt teil nehmen. Sie sind durch keinerlei entfremdete Anreize wie zum Beispiel Entlohnung an das Projekt gebunden. Genau so freiwillig, wie die Aktiven an einem Projekt teil nehmen, können sie das Projekt auch wieder verlassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (39) So wie die Teilnahme nicht durch dem Projekt äußerliche Aspekte bestimmt ist, ist es auch das gesamte Projekt nicht. Keine äußeren Vorgaben wie Termine oder Markterfolg bestimmen das Projekt - jedes Projekt kann - und muss - sich also selbst Ziele setzen, sich selbst organisieren. Diese Ziele beziehen sich dabei ausschließlich auf das Produkt und dessen Qualität.

[Alle Kommentare ausblenden] (40) Die Bedingungen Freiwilligkeit der TeilnehmerInnen und Selbstorganisation des Projekts bilden also den Rahmen, in dem sich jede Organisation eines Doppelt Freien Software-Projekts abspielen muss. Wie dieser Rahmen in der Praxis gefüllt wird ist nicht fest gelegt. In sehr vielen Projekten gibt es aber das Maintainer-Modell. Das Wort Maintainer ist dabei leider nur schwer ins Deutsche zu übersetzen. Am ehesten würde wohl "KümmererIn" passen.

[Alle Kommentare ausblenden] (41) Das Maintainer-Modell unterscheidet im wesentlichen zwei Rollen: den oder die MaintainerIn und andere TeilnehmerInnen. Die Aufgaben der MaintainerIn bestehen im Wesentlichen darin, das Projekt generell auf Kurs zu halten. Die MaintainerIn entscheidet verbindlich über die generelle Richtung, in die die Software des Projekts weiter entwickelt werden soll. Sie kümmert sich um die Einhaltung projektinterner Standards und dafür, dass das Projekt sich überhaupt weiter entwickelt. Nicht selten bündelt die MaintainerIn auch die Außenkontakte für das Projekt. Sie organisieren im Allgemeinen jedoch nicht die anderen TeilnehmerInnen - vielmehr übernehmen diese freiwillig Aufgaben im Projekt.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) Hören sich diese Aufgaben - abgesehen von der Organisation der MitarbeiterInnen - nach generellen Leitungsaufgaben an, so führen die speziellen Rahmenbedingungen Doppelt Freier Software doch zu Strukturen, die sich wesentlich von den bekannten Leitungsformen unterscheiden. Da die TeilnehmerInnen freiwillig am Projekt teilnehmen, müssen sie den wesentlichen Entscheidungen zustimmen können, zumindest müssen sie aber mit ihnen leben können. Können sie nicht mit den wesentlichen Entscheidungen leben, so verlassen sie das Projekt. Verlassen TeilnehmerInnen ein Projekt, die wichtige Beiträge geliefert haben, so kann dies einen herben Rückschlag bedeuten. In dieser Situation können Entscheidungen nur getroffen werden, wenn der Konsens der wichtigen TeilnehmerInnen erreicht wird. Konsens meint hier nicht, dass alle zustimmen müssen. Es genügt vielmehr, wenn sie einer Entscheidung nicht widersprechen müssen. Abstimmungen, wie sie in einigen Projekten vorgesehen sind, sind meist nur Mittel um ein Stimmungsbild zu erzeugen.

[Alle Kommentare ausblenden] (43) Schafft es eine MaintainerIn in wichtigen Fragen nicht, einen Konsens herbei zu führen, so wird sie bald ohne TeilnehmerInnen da stehen. Gleichzeitig sind die TeilnehmerInnen darauf angewiesen, dass es Personen gibt, die die Aufgaben der MaintainerIn übernehmen und den Konsens organisieren. Würden diese Aufgaben nicht übernommen, so wäre das Projekt genauso erfolglos wie in dem Fall, dass die TeilnehmerInnen das Projekt verlassen. Und erfolglose Projekte machen niemand Spaß.

[Alle Kommentare ausblenden] (44) Es ergibt sich eine gegenseitige Interessenabhängigkeit zwischen MaintainerIn und anderen TeilnehmerInnen. Alle gemeinsam sind daran interessiert, im Projekt ihrer Selbstentfaltung nachzugehen. Dazu gehört bei vielen Menschen, dass sie auf das Produkt ihrer Tätigkeit stolz sein können, dass es also nach absoluten Maßstäben qualitativ hochwertig ist. Dieses gemeinsame Ziel verfolgen MaintainerIn und andere TeilnehmerInnen nach besten Kräften gemäß ihrer jeweiligen Rolle. An diesem Ziel muss sich jede Teilnahme an einem Freie-Software-Projekt messen lassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (45) MaintainerInnen werden selten nach irgendwelchen demokratischen Verfahren gewählt. Die meisten MaintainerInnen dürften zu ihrer Rolle einfach dadurch gekommen sein, dass sie sie ausgefüllt haben. In sehr vielen Fällen sind die GründerInnen eines Projekts die ersten MaintainerInnen.

[Alle Kommentare ausblenden] (46) Das Maintainer-Prinzip hat sich aus den Projekten selbst ergeben. Es gab keine vorherige Diskussion über die Frage, wie ein Freies-Software-Projekt zu organisieren ist. Es kann daher vermutet werden, dass das Maintainer-Prinzip jenseits ideologischer Grabenkämpfe dasjenige Modell ist, mit dem Projekte unter Bedingungen von Selbstorganisation und Freiwilligkeit und ohne Entfremdung in der Praxis am besten organisieren werden.

Eine neue Qualität von Produktivkraftentwicklung

[Alle Kommentare ausblenden] (47) Eine wichtige Basis der Argumentation im Projekt Oekonux ist, dass es sich bei dem Phänomen Freie Software um ein Beispiel für ein qualitativ neues Modell von Produktivkraftentwicklung handelt. Im Folgenden werden einige Aspekte Freier Software beschrieben, die wir für Hinweise auf diese neue Qualität halten.

[Alle Kommentare ausblenden] (48) ToDo: Sollten wir im Artikel erläutern. Nach meiner Vorstellung geht es dabei auch, aber nicht vorrangig um die Technik (die Produktionsmittel, die noch aus der "alten" Industrie-Epoche kommen). Die neue Qualität besteht in der Selbstentfaltung, also die neue Art und Weise der Re-/Produktion. Vgl. dazu z.B. das Glossar des Gegenbilderbuches

[Alle Kommentare ausblenden] (49) ToDo: Nun, ich denke nicht, dass das neue Modell sich in der Selbstentfaltung erschöpft - die hat es schließlich vorher auch schon vielfältig gegeben und wir würden das allermeiste davon wohl nicht als Keimform betrachten. Und es ist auch nicht so, dass eine gute Fee die Selbstentfaltung per Zauberstab zum Zentrum einer keimförmigen Produktionsweise gemacht hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (50) ToDo: Ich glaube, dass hier zwei Dinge Hand in Hand gehen. Die technische Entwicklung ermöglicht Selbstentfaltung auf einem für die Produktivkraftentwicklung relevanten Gebiet - und die Selbstentfaltung treibt wiederum die Produktivkraftentwicklung an. Da Selbstentfaltung wahrscheinlich als allgemeines Ziel menschlichen Handelns bezeichnet werden kann, ist dieser ganze Vorgang dann die Integration von Selbstentfaltung in die Produktivkraft. Damit brauchen wir dann keinen außermenschlichen Telos mehr, sondern die ganze Entwicklung wird verständlich aus der intentionalen Struktur der Beteiligten.

[Alle Kommentare ausblenden] (51) Software insgesamt ist eine Produktgruppe, die Computer-basiert erst seit einigen Jahrzehnten überhaupt existiert. Ihre Nutzung setzt das Vorhandensein von Computern, mithin also hochmoderner Geräte voraus. Software und also auch Freie Software ist also ein hochmodernes Produkt, das auf einem früheren Stand von Produktivkraftentwicklung gar keinen Sinn gemacht hätte. Freie Software befindet sich als Produkt an der Spitze der allgemeinen Produktivkraftentwicklung.

[Alle Kommentare ausblenden] (52) Nach wie vor unterliegen die Paradigmen, unter denen Software hergestellt wird, einem schnellen Wandel: Strukturierte Programmierung, Objektorientierung, agile Methoden - um nur ein paar zu nennen - haben sich innerhalb weniger Jahre abgelöst. Wir erleben ein Entwicklungstempo an den Wurzeln einer Technologie, dass in anderen Ingenieurdisziplinen längst Vergangenheit ist. Mit einigem Recht kann Freie Software als Produktionsweise ebenfalls als neues Paradigma bezeichnet werden. Selbst innerhalb der Spitze der Produktivkraftentwicklung gehört Freie Software hinsichtlich der Produktionsweise selbst zu einem der innovativsten Ansätze.

[Alle Kommentare ausblenden] (53) Freie Software wird nicht nur auf Computern benutzt und über das Internet verteilt, sondern auch mit Hilfe von Computern und Internet entwickelt. Computer allgemein und speziell ihre Anwendung in Form des Internet sind die zentralen Produktionsmittel für die Entwicklung Freier Software. Diese Produktionsmittel gehören ebenfalls zu den am weitesten entwickelten Produktionsmitteln, die die Menschheit bisher ersonnen hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (54) Im Gegensatz zu Produktionsmitteln voran gegangener Produktivkraftepochen sind Computer und Internet auf Grund ihrer Universalität nicht auf Produktion digitaler Güter festgelegt, sondern können beispielsweise auch zum Spielen eingesetzt werden. Die Produktionsmittel Freier Software sind zunehmend Teil der allgemeinen Infrastruktur der sich am Horizont abzeichnenden Informationsgesellschaft.

[Alle Kommentare ausblenden] (55) Diese allgemeine Infrastruktur ist heutzutage so billig und gleichzeitig breit nützlich geworden, dass in den hochindustrialisierten Regionen bereits viele Privatleute über sie verfügen. Die Produktionsmittel, auf denen Freie Software beruht, befinden sich also in breiter privater Verfügung. Auch dies ein Aspekt, der für Produktionsmittel voran gegangener Produktivkraftepochen nicht gilt.

[Alle Kommentare ausblenden] (56) Die Teilnahme an Freie-Software-Projekten ist nicht an Staaten oder Kulturkreise gebunden. Ganz selbstverständlich finden sich alle Interessierten an einem Projekt via Internet und kooperieren um ein Produkt zu erstellen, dass ihnen entspricht. Entwicklung Freier Software ist transnational. Sie bezieht sich bestenfalls über die Lizenzen auf die nationalstaatlichen Rechtssysteme der früheren Produktivkraftepoche und definiert somit einen eigenen Raum jenseits der Nationalstaaten.

[Alle Kommentare ausblenden] (57) Bemerkenswert ist auch, dass das gesamte Phänomen Freier Software aus der Zivilgesellschaft kommt. Weder staatliche Agenturen noch Firmen haben Freie Software erfunden. Erst in neuerer Zeit, nachdem Freie Software bereits erhebliche Erfolge erzielt hat, beginnen staatliche Einrichtungen und die Wirtschaft auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Diese Unabhängigkeit von den Agenten des alten Produktivkraftmodells erschöpft sich aber nicht in der Herkunft, sondern auch heute entwickelt sich Freie Software unabhängig weiter. Anstatt dass Staat oder Wirtschaft die Kontrolle übernehmen, gibt es viele Beispiele dafür, dass sie sich den Gegebenheiten Freier Software anpassen.

Digitale Kopie als technologische Grundlage

[Alle Kommentare ausblenden] (58) Wir haben erläutert, dass bei der Entwicklung Freier Software die Selbstentfaltung den individuell-sozialen Aspekt der Produktivkraftentwicklung bildet. Als technologische Seite dieser Entwicklung tritt die digitale Kopie hinzu. Während der Aspekt der Selbstentfaltung als gesellschaftliche Potenz schon immer da gewesen ist, handelt es sich bei der digitalen Kopie um eine historisch neue Potenz. Erst durch diesen technologischen Fortschritt ist die Entfaltung der Selbstentfaltung als Grundlage eines Produktivkraftmodells möglich geworden.

[Alle Kommentare ausblenden] (59) Die digitale Kopie, die Möglichkeit also, digitale Informationen zu reproduzieren, hat im technologischen Sinne einige Eigenschaften, die sie älteren Technologien gegenüber voraus hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (60) Während analoge Reproduktionen von Information immer mit Verfälschungen zu kämpfen haben, liefert die digitale Kopie eine exakte Reproduktion des Originals: Original und Kopie sind nicht zu unterscheiden. Steht digitale Kopie zur Verfügung, kann eine digital vorliegende Information also beliebig oft reproduziert werden - vom Original oder von einer beliebigen Generation seiner Kopien. Mit diesem technologischen Fortschritt werden Begrenzungen der Verfügbarkeit digitaler Informationen nachhaltig beseitigt: Steht ein Informationsgut erst einmal digital zur Verfügung, steht seiner Verbreitung nichts mehr im Wege.

[Alle Kommentare ausblenden] (61) Zwei weitere Tatsachen moderner Technologieentwicklung geben der digitalen Kopie aber erst richtig Sprengkraft. Einerseits ist diese Reproduktionstechnik nämlich mittels Computern für sehr viele Menschen täglich und selbstverständlich verfügbar. Diese breite Verfügbarkeit führt dazu, dass die digitale Kopie kaum noch Einschränkungen unterliegt und völlig in der individuellen Verfügung liegt. DRM-Technologien sind so gesehen nichts anderes als der (krampfhafte) Versuch, diesen Basisaspekt moderner Technologie wieder zurück zu nehmen, denn tatsächlich sind die beiden fundamentalen Operationen von Computern ja die Manipulation und die Kopie digitaler Daten.

[Alle Kommentare ausblenden] (62) Andererseits steht mit dem Internet, das nichts anderes als eine planetenumspannende Fernkopiereinrichtung ist, eine Einrichtung zur Verfügung, die es ermöglicht, dass Informationsgüter auf einfachste Weise global verfügbar gemacht werden können. Das Internet verbindet die individuelle Verfügung über Informationsgüter mit dem allgemeinen Zugang zu ihnen und hebt damit die digitale Kopie auf eine historisch neue Stufe der Technologieentwicklung.

[Alle Kommentare ausblenden] (63) Ein weiterer, eher subtiler Aspekt digitaler Kopie ist ihre Universalität: Der Inhalt, die Bedeutung des zu kopierenden Informationsguts ist für eine digitale Kopie völlig unerheblich. Texte, Bilder, Musik, Programme können mit der gleichen Technologie reproduziert werden, sobald sie als Byte-Strom vorliegen. So wie die Kraftmaschinen der industriellen Ära (Dampfmaschine, vor allem aber Elektromotor) eine Basistechnologie für beliebige Anwendungen mechanischer Kraft und damit für die Industriegesellschaft bilden, so bildet die digitale Kopie eine Basistechnologie für die Informationsgesellschaft.

[Alle Kommentare ausblenden] (64) Auf dieser Grundlage ist das Internet von Beginn an auch als Kommunikationsmittel genutzt worden. Wie keine Kommunikationseinrichtung zuvor hat das Internet ermöglicht, dass Menschen, die irgendwo auf diesem Planeten leben, miteinander gemeinsame Interessen verfolgen. Vor dem Internet setzte eine kooperative Tätigkeit eine gewisse Lokalität der kooperierenden Gruppe voraus, damit die Beteiligten sich in persönlichen Treffen organisieren konnten. Diese Lokalität bedeutete aber gleichzeitig auch immer eine erhebliche Einschränkung der für eine Kooperation verfügbaren Tätigkeiten. War die Lokalität der Gruppe nicht gegeben, so musste die Kooperation mittels vergleichsweise langsamer Kommunikationsmittel organisiert werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (65) Das Internet ermöglicht dagegen globale Kommunikation in Echtzeit. Es ist jetzt möglich, dass Menschen mit gleichen Interessen unabhängig von ihrem Standort in dem Tempo kommunizieren, dass ihnen und ihrer Tätigkeit angemessen ist. Diese Kooperationsmöglichkeit ist wie die digitale Kopie selbst eine unabdingbare Voraussetzung für die Entstehung Freier Software.

Freie Software als Keimform

[Alle Kommentare ausblenden] (66) Eine der zentralen und nicht unumstrittenen Thesen im Projekt Oekonux ist die These von der Freien Software als Keimform einer neuen Gesellschaft.

[Alle Kommentare ausblenden] (67) Der Begriff Keimform stammt aus dem so genannten Fünfschritt-Modell, das in allgemeiner Weise begrifflich erfasst, wie es innerhalb von Entwicklungen zu qualitativen Übergängen kommt. Es erklärt, wie Neues entsteht und sich schließlich durchsetzen kann. Das Fünfschritt-Modell kommt ursprünglich aus der Kritischen Psychologie, aus der Analyse qualitativer Entwicklungsschritte in der Evolution. Die fünf Schritte sind:

[Alle Kommentare ausblenden] (68) 1. Entstehung der Keimform

[Alle Kommentare ausblenden] (69) 2. Krise der alten Form

[Alle Kommentare ausblenden] (70) 3. Keimform wird zur wichtigen Entwicklungsdimension innerhalb der alten Form

[Alle Kommentare ausblenden] (71) 4. Keimform wird zur dominanten Größe

[Alle Kommentare ausblenden] (72) 5. Umstrukturierung des Gesamtprozesses

[Alle Kommentare ausblenden] (73) Alles, was es selbstverständlich und allgegenwärtig gibt, ist irgendwann einmal etwas Neues, ganz und gar nicht Selbstverständliches gewesen. Über mehrere Schritte hat sich das Neue schließlich durchgesetzt. Dieses Neue, dass später einmal Altes sein wird, nennt man Keimform. Keimformen können in Nischen und Sonderbereichen entstehen. Sie leben vom Alten, besitzen aber schon Formen des Neuen. Sie dürfen allerdings nicht mit dem Neuen überhaupt, mit dem entfalteten Neuen also verwechselt werden. Sie sind also nicht Keim, der dem Bild nach bereits alles enthält, sondern nur Keimform. Keimformen haben Merkmale des Neuen, sind aber nicht mit das Neue.

[Alle Kommentare ausblenden] (74) Keimformen erlangen nur Bedeutung, wenn das Alte in die Krise gerät. Das Alte kann aus im Wesentlichen zwei Gründen in die Krise geraten. Zum Einen können sich äußere Bedingungen so dramatisch oder so schnell verändern, dass das alte Prinzip darauf nicht mehr angemessen reagieren kann. Zum Anderen kann sich das Alte selbst erschöpft haben, wenn alle Entwicklungspotenzen ausgereizt sind. Stagnation wäre eine Reaktionsform, Zerfall eine andere.

[Alle Kommentare ausblenden] (75) Unter den Bedingungen der Krise des Alten, kann die Keimform im dritten Schritt die Nischen verlassen und sich quantitativ ausbreiten. Sie wird zu einer wichtigen Entwicklungsdimension innerhalb der noch dominanten alten Form. Diese Etablierung der Keimform kann zwei Richtungen einschlagen: Sie führt zur Integration in das Alte und zur Übernahme seiner Prinzipien, oder sie behauptet sich auf Grund der neuen Prinzipien immer besser im und neben dem Alten. Im ersten Fall geht der Keimform-Charakter verloren, im zweiten Fall wird das Neue gestärkt. Das Alte kann in beiden Fällen von einer integrierten oder gestärkten Keimform profitieren und Krisenerscheinungen abmildern.

[Alle Kommentare ausblenden] (76) Im vierten Schritt wird die frühere minoritäre Keimform zur dominanten Form der Entwicklung. Das Neue setzt sich durch, weil es hinsichtlich einer wichtigen Dimension des Gesamtprozesses besser ist. Damit endet der Keimform-Charakter des Neuen. Nun sind seine Prinzipien bestimmend und verdrängen nach und nach oder auch schlagartig die überkommenen, nicht mehr funktionalen Prinzipien des Alten. Das Neue wird das selbstverständliche Allgegenwärtige.

[Alle Kommentare ausblenden] (77) Im fünften Schritt schließlich strukturieren sich alle Aspekte des Gesamtprozesses in Bezug auf das bestimmende, jetzt selbstverständlich Neue hin um. Das betrifft vor allem auch solche Prozesse, die im Gesamtprozess nicht bestimmend sondern nur abgeleitet sind. Mit diesem Schritt ist nun potenziell wieder der erste Schritt eines neuen Fünfschrittes erreicht: Keimformen können auftreten, das dann alte Neue gerät in die Krise usw.

[Alle Kommentare ausblenden] (78) Alle Phasen können über längere Zeiträume laufen. Jederzeit kann es Rückschritte geben. Nichts ist vorgegeben oder determiniert. Vollständig begriffen kann ein Fünfschritt der Entwicklung erst werden, wenn er vollzogen wurde. Erst im Nachhinein kann man die frühere Keimform sicher identifizieren. Mitten im Entwicklungprozess begriffen kann das Fünfschrittmodell helfen, die Sinne zu schärfen, um handlungsfähiger zu werden. Die umstrittene These im Projekt Oekonux lautet nun: Bei Freier Software haben wir es mit einer Keimform einer neuen Gesellschaft zu tun.

[Alle Kommentare ausblenden] (79) Wie beschrieben, zeichnet sich Freie Software durch Wertfreiheit, Selbstentfaltung, Selbstorganisation und Globalität aus. Das alte Prinzip der Warengesellschaft basiert demgegenüber auf dem Wertgesetz, Selbstverwertung, Entfremdung und Nationalstaaten. Die alte Form, die Warengesellschaft ist erkennbar in der Krise. Demgegenüber hat sich Freie Software als neue Form etabliert. Umstritten ist, ob Freie Software bereits eine wichtige Entwicklungsdimension innerhalb der alten Form (dritter Schritt) geworden ist, oder sich noch in einer der früheren Phasen befindet.

GPL-Gesellschaft - die Utopie

[Alle Kommentare ausblenden] (80) In der Diskussion um die gesellschaftlichen Potenzen des Entwicklungsmodells, das nach der These in Freier Software keimförmig vorgeführt wird, kam der Begriff GPL-Gesellschaft auf. Er bezeichnet eine mögliche zukünftige Gesellschaftsformation, die auf den Prinzipien der Entwicklung Freier Software beruht. Es ist aus verschiedenen Gründen nicht seriös möglich, ein detailliertes Bild einer solchen Utopie zu entwerfen, an Hand der Prinzipien der Entwicklung Freier Software lassen sich aber einige Rahmenelemente fest stellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (81) Eine wichtiges Element der Entwicklung Freier Software ist die Tatsache, dass die verwendeten Produktionsmittel vergleichsweise vielen Menschen Selbstentfaltung ermöglichen. Der innere Grund dafür ist, dass Computer als universelle Information verarbeitende und programmierbare Maschinen unendlich viele Freiheitsgrade haben. Diese Freiheitsgrade können von Menschen zur Entfaltung ihrer individuellen Kreativität genutzt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (82) In einer GPL-Gesellschaft wäre diese Eigenschaft tendenziell auf alle Produktionsmittel übertragen. Dies bedeutet, dass der Maschinenpark, den die Industriegesellschaft für die Nutzung unter den entfremdeten Bedingungen der Lohnarbeit hervor gebracht hat, umgearbeitet oder neu entworfen werden muss: Die Arbeit an einem Fließband dürfte beispielsweise nur für die allerwenigsten Menschen zur Selbstentfaltung führen, weswegen sie endgültig verschwinden müsste.

[Alle Kommentare ausblenden] (83) Bereits in der Industriegesellschaft gibt es verschiedene Versuche, die Selbstentfaltung in die Produktion zu integrieren und so die Kreativitätsreserven der Lohnabhängigen zu mobilisieren. Allerdings können diese Versuche die strukturelle Schranke der Entfremdung des Arbeitsprozesses nicht überwinden können.

[Alle Kommentare ausblenden] (84) Auch die weitere und noch beschleunigte Automatisierung von Arbeitsprozessen ist ein Mittel, um maximale Selbstentfaltung zu gewährleisten. Arbeitsprozesse, die im Kern von Maschinen übernommen werden, müssen nicht mehr von Menschen erledigt werden, so dass diese sich den Aufgaben zuwenden können, die genuin menschliche Fähigkeiten erfordern und somit nicht von Maschinen erledigt werden können.

[Alle Kommentare ausblenden] (85) Wie wenige andere Beispiele zeigt Freie Software, dass Selbstentfaltung nicht sinn- und zweckfreies Tun sein muss, wie es uns die Freizeitindustrie weis machen will. Vielmehr ist das Ergebnis der Entwicklung Freier Software ein nützliches Produkt, dass vielen Menschen nützlich ist. Selbstentfaltung, wie sie in Freier Software praktiziert wird, hat also nicht nur für das Individuum eine positive Funktion, sondern nutzt der gesamten Gesellschaft. In einer GPL-Gesellschaft hätten noch sehr viel mehr Tätigkeiten diesen Charakter der unmittelbaren Verknüpfung von individuellem und gesellschaftlichem Nutzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (86) Nicht zu vergessen ist, dass existierende Freie Software Frei verfügbar ist. Diese Eigenschaft ist einerseits eine Folge des offenen Entwicklungsprinzips, das die maximale Inklusion aller Interessierten zum Ziel hat. Unter den Bedingungen der universellen digitalen Kopierbarkeit führt dies zusammen mit dem Copyleft tendenziell zu Freier Verfügbarkeit der Produkte. Andererseits ist diese Freie Verfügbarkeit auch Voraussetzung für die blühende Freie-Software-Landschaft. Immerhin setzen ja auch die EntwicklerInnen Freier Software auf von anderen entwickelter Freier Software auf.

[Alle Kommentare ausblenden] (87) Die Freie Verfügbarkeit ist also sowohl Folge als auch Voraussetzung des gesamten Entwicklungsmodells. Diese enge Verschränkung wäre in einer GPL-Gesellschaft ausgedehnt auf alle Informationsgüter sowie auf materielle Güter. (Auf diese enge Verschränkung bezieht sich übrigens auch das große "F", dass wir dem Wörtchen "frei" an vielen Stellen geben.)

[Alle Kommentare ausblenden] (88) In einer GPL-Gesellschaft wären folglich viele Einrichtungen der Arbeitsgesellschaft überflüssig. Wo Güter Frei verfügbar sind, ist der Begriff der Ware nicht mehr zu halten, der davon lebt, dass Güter künstlich verknappt werden. Werden keine Waren mehr - wohl aber Güter - produziert, so ist auch kein Geld mehr notwendig, das die Vergleichbarkeit von Waren vermittelt. Wo Güter Frei zur Verfügung stehen, ist der Tausch eines Guts gegen ein anderes zur überflüssigen Handlung geworden. Nicht zuletzt würde unter den Bedingungen der GPL-Gesellschaft Entfremdungspotential an vielen Stellen tendenziell abgeschafft. Die wichtigste Produktivkraft einer GPL-Gesellschaft wäre die menschliche Selbstentfaltung.

[Alle Kommentare ausblenden] (89) ToDo: Der letzte Satz müsste noch näher erläutert werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (90) In einer GPL-Gesellschaft würde die Selbstentfaltung der Individuen zur unmittelbaren Voraussetzung für die Selbstentfaltung aller: Nur wenn sich die Individuen entfalten können, entstehen Produkte, die für alle nützlich sind. Gleichzeitig sind diese nützlichen Produkte und deren Freie Verfügbarkeit die Grundlage für die individuelle Tätigkeit: Die Selbstentfaltung aller ist also auch die unmittelbare Voraussetzung für die Selbstentfaltung der Individuen. Wir haben es also mit einem sich selbst verstärkenden Prozess zu tun, der die langfristige Tragfähigkeit einer GPL-Gesellschaft in einem günstigen Licht erscheinen lässt.

Historische Schritte im Vergleich

[Alle Kommentare ausblenden] (91) Wenn wir davon ausgehen, dass Freie Software ein Hinweis auf einen fundamentalen Schritt in der Produktivkraftentwicklung ist, so kann ein Vergleich mit dem letzten fundamentalen Schritt in dieser Entwicklung interessante Hinweise geben. Die letzte fundamentale Änderung in der Produktivkraftentwicklung war der Umbruch von den feudal geprägten Gesellschaften des Spätmittelalters zu den industriell geprägten Gesellschaften der Neuzeit mit Beginn der Aufklärung. Die gerade erfundenen Industriemaschinen erforderten für ihren Betrieb hinsichtlich Technik und Organisation von Menschen eine völlig neue Produktionsweise. Dies verwob sich mit sozialen und ideologischen Entwicklungen wie beispielsweise die Idee der Nationalstaaten, so dass innerhalb eines historisch relativ kurzen Zeitraums diese Entwicklung der Produktivkräfte zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Gesellschaft führte.

[Alle Kommentare ausblenden] (92) Einerseits wurden damals menschliche, tierische und einige wenige natürliche Kraftquellen (Wasser, Wind) durch moderne Kraftquellen (Dampf, Elektrizität) abgelöst. Andererseits wanderte das Know-How über die Arbeitsprozesse von den sie ausführenden Menschen in die mechanische Konstruktion der Maschinen, so dass menschliche Arbeitskraft nur noch als Ergänzung zu den Maschinen benötigt wurde. Das Ergebnis dieser Umstellung waren eine Fülle neuer, nützlicher Produkte sowie Großprojekte, die ohne Einsatz industrieller Methoden nicht denkbar gewesen wären.

[Alle Kommentare ausblenden] (93) Gleichzeitig strukturierte sich die Lebensweise der Menschen tiefgreifend um. Die Art und Weise wie Menschen in der feudalen, subsistenzorientierten Produktionsweise ihr Leben organisiert haben, war für die industrielle Produktionsweise in vielerlei Hinsicht ungeeignet. Um nur ein Beispiel heraus zu greifen, war der vorindustrielle Umgang mit Zeit weit gehend an den Hell-/Dunkelphasen und den konkreten, unmittelbaren eigenen Notwendigkeiten orientiert. Dies ging so weit, dass in manchen Klöstern die Länge einer Stunde über den Jahreslauf variierte. Für industrielle Produktion, bei der der Zeittakt durch die Maschinen vorgegeben wird, waren dies völlig unbrauchbare Verhältnisse. Es soll nicht verschwiegen werden, dass diese Umstrukturierung der Lebensweise durchaus nicht immer freiwillig geschah, sondern in erheblichem Ausmaß auch mit dem Einsatz von Gewalt einher ging.

[Alle Kommentare ausblenden] (94) Auch beim Übergang von der feudalen Gesellschaftsformation zur bürgerlichen Gesellschaftsformation lassen sich Keimformen ausmachen. So kann beispielsweise das Handelskapital, dass sich bereits im Frühmittelalter auszubilden begann, als frühe Keimform betrachtet werden, bei der sich der kapitalistische Umgang mit Geld entwickelte. Die frühindustrielle Textilindustrie war für diesen Schritt in der Produktivkraftentwicklung die Keimform, in der schon viele Formen der späteren Industriearbeit auftauchten. Insbesondere traten hier sowohl die standardisierte Massenproduktion als auch der massenhafte Einsatz von bezahlten Arbeitskräften auf.

[Alle Kommentare ausblenden] (95) Es lässt sich an diesem Beispiel auch sehr schön betrachten, wie die feudalen Strukturen, die alten dominanten Strukturen also, sich an diese Entwicklung anpassten und sie auch nutzten. Die gesamte Kriegsproduktion, die die Fürsten für die Führung ihrer Kriege brauchten, hatte sich von der subsistenzorientierten Produktion über die Jahrhunderte hin vollständig entbettet. Die Kriegsproduktion der späten Feudalherrn, in der auch industrielle Formen relativ früh auftauchten, war nur mit Geld überhaupt zu bewerkstelligen. Das dafür notwendige Steuersystem trieb das Geldwesen weiter an, das sich später als eine entscheidende Grundlage nach-feudaler Gesellschaftsformation heraus stellen sollte. Söldnerwesen sowie stehende Heere können als frühe Form bezahlter "Arbeitskraft" betrachtet werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (96) Heute wissen wir, dass diese Entwicklung, die in frühen Keimformen bereits erkennbar war, zu einer grundlegenden Umwandlung der Gesellschaftsformation geführt hat. Auch wenn die Fürsten die Aufklärung und die mit ihr verbundene industrielle Produktionsweise teilweise begrüßten oder sogar voran trieben, so stellte sich doch heraus, dass die feudale Produktionsweise mit ihrem Privilegiensystem und Leibeigenschaft industrieller Produktion unangemessen war. Die industrielle Produktionsweise musste sich also neue Grundlagen schaffen, die durch Geldwirtschaft und freie Lohnarbeit gekennzeichnet sind. Auch der gesamte gesellschaftliche Überbau folgte nach und nach dieser Entwicklung der Produktivkraft - am sichtbarsten in der Gründung bürgerlicher Nationalstaaten.

[Alle Kommentare ausblenden] (97) Heute sind wir an einem Punkt angekommen, wo die mechanische Konstruktion von Maschinen sich immer weiter von einem konkreten Arbeitsprozess ablöst. Industrieroboter, Fabber, etc. sind nicht durch ihre Konstruktion auf einen bestimmten Arbeitsprozess festgelegt, sondern ihre mechanische Konstruktion steckt nur noch den Rahmen ihrer Möglichkeiten ab. Die Produktion konkreter Gegenstände ist bei diesen Maschinen bereits Gegenstand von Software, womit das Know-How über die Arbeitsprozesse zum reinen Informationsgut wird. Computer verwenden dieses Informationsgut als Programme in automatisierten Prozessen, so dass menschliche Arbeitskraft nur noch dafür benötigt wird, die Informationsgüter selbst zu erstellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (98) Die Nutzung von Industriemaschinen erforderte auf Grund deren Beschränktheit eine Anpassung der Menschen an die Notwendigkeiten der Maschinerie, was in vielerlei Hinsicht letztlich eine Unterwerfung bedeutete. Die Produktion von Informationsgütern ist hingegen ein kreativer Prozess, bei dem gerade die schöpferischen Qualitäten des Menschen gefragt sind, die durch Unterwerfung vernichtet werden. Zog die beginnende Industriegesellschaft eine Unterwerfung der Menschen nach sich, so erfordert die beginnende Informationsgesellschaft eine Freisetzung von Menschen.

[Alle Kommentare ausblenden] (99) Während beim Übergang von den feudalen zu den bürgerlichen Gesellschaften der Schwerpunkt der Produktion sich von der Nutzung des Bodens zur Produktion materieller Güter verlagerte, so verschiebt sich der Schwerpunkt der Produktion beim Übergang in die heraufziehende Informationsgesellschaft auf die Produktion neuer Informationsgüter. Der Wechsel zur Industrieproduktion erforderte einen fundamentalen Wechsel in der Gesellschaftsformation. Informationsgüter, die in fast allen Aspekten anderen Bedingungen unterliegen als materielle Güter, erfordern eine ebensolche Umstrukturierung. Eine grundlegende Änderung der Gesellschaftsformation erscheint unabdingbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (100) ToDo: Das wäre doch ein schönes Schlusswort ;-) .




Quelle: http://www.opentheory.org/ox_osjahrbuch_2005/v0002.phtml
(Last Software Update: 23.10.2004, 11:44)