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Diskussion der 'Grundlinien der Überarbeitung und Neufassung des Parteiprogramms der PDS'
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Maintainer: Hans-Gert Gräbe, Version 1, 23.03.2001  Druckversion
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Status: Final

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Ein Link für allgemeine Bemerkungen

Beginn des Basistextes

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Seitdem vor fast 5 Jahren durch den damaligen Parteivorsitzenden Lothar Bisky auf die Notwendigkeit der Überarbeitung des geltenden Programms hingewiesen wurde, entstanden im Ergebnis einer mehrjährigen Diskussion umfangreiche Analysen des gegenwärtigen Kapitalismus und eine Fülle programmatischer Ausarbeitungen.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Zwar wurde von einzelnen gearbeitet, in der Partei insgesamt aber zu wenig diskutiert. Programmatische Positionen aber leben in einer Partei nicht dadurch, dass sie aufgeschrieben werden, sondern dass sie mehrheitlich und vor allem von den AktivistInnen diskutiert, verstanden, in der politischen Arbeit benutzt und in der Gesellschaft verbreitet werden. Doch darin liegen bis zum heutigen Tag Defizite.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Trotz der Fülle an Ausarbeitungen sind tiefgreifende Umbrüche in Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik, die in den 90er Jahren offen zu Tage traten, programmatisch nicht hinreichend reflektiert und verarbeitet. In der Überarbeitung des geltenden Programms muss dies geleistet werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Das betrifft u. a. die organische Beziehung von demokratischem Sozialismus und individueller Persönlichkeitsentwicklung und von demokratischem Sozialismus und Nachhaltigkeit.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Das betrifft das Verhältnis von Neoliberalismus und Dritten Wegen der Sozialdemokratie,

[Alle Kommentare ausblenden] (7) den Versuch, verschiedene Positionen zur Eigentumsfrage schlüssig zusammenzuführen,

[Alle Kommentare ausblenden] (8) die informationstechnologischen Umwälzungen, die Entwicklungen, die in der öffentlichen Diskussion als Wissensgesellschaft bezeichnet werden

[Alle Kommentare ausblenden] (9) und ein zukunftsfähiges Bildungskonzept.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Das betrifft das Verhältnis von Erwerbs- und Nichterwerbsarbeit im Zusammenhang mit einer möglichen bedarfsorientierten Grundsicherung.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Programmatischer Verarbeitung harren aber auch wichtige politische Erfahrungen und Kompetenzgewinne der PDS sowie tiefgreifende Wandlungen ihres politischen Platzes. Das betrifft besonders ihre wachsende Akzeptanz und Verankerung in der Gesellschaft und die Übernahme politischer Verantwortung in unterschiedlicher Gestalt.

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Im Jahr 2000 wurden an den Thesen der ProgrammKommission und an einem Minderheitenvotum dazu weitgehende Differenzen sichtbar. Das warf die Frage auf, durch welche Entwicklung des Programms dem Charakter der PDS als einer sozialistisch-demokratischen Oppositionspartei mit kapitalismuskritischem Anspruch und als Reformkraft überzeugend Ausdruck verliehen und wie ihr eine langfristige Orientierung gegeben werden kann. Die Überarbeitung des Parteiprogramms muss davon ausgehen, dass nicht weniger, sondern mehr sozialistische Politik in Deutschland dringend gebraucht wird.

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Weil wir weiterhin davon ausgehen, dass die Hauptursachen für die globalen Gefahren und für die soziale Polarisierung selbst in den reichsten Ländern die kapitalistische Produktions-, Verteilungs- und Konsumtionsweise in den Herrschaftszentren der Weltwirtschaft sowie die Herrschaft des Patriarchats sind, muss die Überarbeitung des Parteiprogramms davon ausgehen, dass der Herrschaft des Kapitals, die Entwicklung des Nordens zulasten des Südens, patriarchale Herrschaft, der Vorgriff in der Gegenwart auf die Lebensbedingungen künftiger Generationen und jede Ungleichbehandlung von "Anderen" überwunden werden müssen.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) In diesem Kampf wissen wir die kapitalistische ökonomische Grundstruktur bürgerlicher Gesellschaften und zivilisatorischen Errungenschaften wie wichtige demokratische Grundrechte, parzielle Anerkennung des Sozialstaatsprinzips, zivilgesellschaftliche Entwicklungen und das öffentliche Bildungs- und Gesundheitswesen zu unterscheiden.

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Letztere wollen wir aus ihren Begrenzungen durch die Dominanz der profitbestimmten Wirtschaft über die Gesellschaft herauslösen und in neuer Weise entfalten.

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Es bedarf im Gegensatz zu den Erwartungen vieler politischer Gegner, die auf die Aufgabe der sozialistischen Positionen durch die PDS und damit auf ihren langfristigen Selbstmord drängen, eines Entwurfs, der darauf abzielt, Sozialismus in der Tradition der Kämpfe der ausgebeuteten und unterdrückten Klassen und Schichten in den letzten 200 Jahren, besonders der Arbeiterbewegung, als emanzipatorisches Projekt zu begründen.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Ausgangspunkt sollte das von Marx und Engels formulierte Ziel einer "Assoziation" sein, "worin die freie Entwicklung eines jeden zur Bedingung der freien Entwicklung aller" wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Es wird deutlich zu machen sein, dass solche Perspektive die Überwindung der gegenwärtigen vorherrschenden, von hochgradiger Kapitalkonzentration und einem wachsenden Gewicht international operierender Großbanken, Finanzfonds und transnationaler Konzerne gekennzeichneten Eigentums- und Machtverhältnisse erfordert,

[Alle Kommentare ausblenden] (19) dass es aber kurz- und mittelfristig auf dem voraussichtlich langen Weg zu einer gerechten Gesellschaft sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit um viele Teilschritte der Annäherung an eine solche Gesellschaft geht.

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Der Entwurf eines veränderten Parteiprogramms soll Identität stiften.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Er soll die PDS als demokratisch-sozialistische Partei, als Partei der Gerechtigkeit, als kapitalismuskritische Opposition und gestaltende Reformkraft der Bundesrepublik mit besonderer Verantwortung in Ostdeutschland, als Partnerin emanzipatorischer Initiativen und Bewegungen, geöffnet für ihre Diskurse und Ideen, präsentieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Die PDS will nicht Nutzen aus den Ängsten von Menschen ziehen, sondern Menschen ermutigen, ihre Geschicke in die eigenen Hände zu nehmen.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Der Gestaltungswille von Sozialistinnen und Sozialisten zielt auf einen demokratischen, von Mehrheiten getragenen Prozess von Veränderungen.

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Die Grundgliederung (Überschriften sind noch zu präzisieren) des in Überarbeitung befindlichen Entwurfs (Anmerkung 1) sollte sein:

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Präambel
I. Sozialismus - Ziel, Weg und Werte
II. Die gegenwärtige Welt
III. Sozialistische Politik
IV. Veränderungen mit der PDS - Selbstveränderung der PDS

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Bei der Überarbeitung und Neufassung des geltenden Parteiprogramms von 1993 durch einen neu gefassten Programmentwurf sollten folgende Überlegungen zu Grunde gelegt werden:

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1. Entwicklung einer konsistenten Gesamtbegründung des demokratischen Sozialismus, der auf Gerechtigkeit zielt und Freiheit, Gleichheit und Solidarität verbindet

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Das geltende Parteiprogramm wurde zwischen 1991 und 1993 weitgehend unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der staatssozialistischen Länder in Europa verfasst. Lange Auseinandersetzungen in der Partei über ihre Identität, die inzwischen mit neuen Einsichten geführt wurden, lagen noch vor uns. Unter diesen Bedingungen war es außerordentlich schwierig, den Gesamtwillen aller Mitglieder der PDS nach Bewahrung und Erneuerung sozialistischer Überzeugungen und Handlungsorientierungen mit gemeinsamen Grundpositionen Ausdruck zu verleihen.

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Der jetzt vorzulegende Entwurf soll darauf zielen, ausgehend von den deutschen, europäischen und internationalen Diskussionen eine einheitliche und durchgehende Begründung unserer sozialistischen Positionen vorzulegen. Auf die Grundlage dafür soll der Abschnitt I des Entwurfs konzentriert werden.

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Das geltende Programm ist zu stark durch ein Nebeneinander von Sozialismus als Ziel und den Zielen praktischer Politik gekennzeichnet.

[Alle Kommentare ausblenden] (31) Dies begünstigte, dass in der Diskussion der vergangenen Jahre das zwingend notwendige Beharren auf sozialistischen Zielvorstellungen und das ebenso zwingend notwendige Beharren auf eingreifender Politik teilweise in einen unfruchtbaren Gegensatz zueinander gerieten.

[Alle Kommentare ausblenden] (32) Fragen der grundlegenden Veränderung von Eigentums- und Machtverhältnissen und der Überwindung des Kapitalismus waren nicht systematisch mit der Vertretung wichtigster emanzipatorischer Interessen in der Gegenwart verbunden.

[Alle Kommentare ausblenden] (33) Vorstellungen über eine sozialistische Gesellschaft waren nicht überzeugend mit Strategien der Veränderung der gegenwärtigen Herrschafts- und Vergesellschaftungsformen verbunden worden.

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Das Zusammenführen dieser zusammengehörigen Momente muss programmatisch in dem zu erarbeitenden Entwurf geleistet werden.

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Der überarbeitete Entwurf sollte davon ausgehen, dass die modernen kapitalistischen Gesellschaften durch den Kampf sozialer Gruppen für oder gegen Emanzipation und Solidarität gekennzeichnet sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (36) Es soll der Kampf darum dargestellt werden, wer den gesellschaftlichen Reichtum aneignen und wer über ihn verfügen kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Der Kampf für Gerechtigkeit ist der Kampf um einen sozial gleichen Zugang für jede und jeden zu den elementaren Grundbedingungen eines selbstbestimmten, menschenwürdigen Lebens,

[Alle Kommentare ausblenden] (38) zu jenen Gütern, die ein Leben in Freiheit (Anmerkung 2) ermöglichen und die deshalb als Freiheitsgüter bezeichnet werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (39) Sie für ausnahmslos alle zu erkämpfen, heißt umfassende Durchsetzung der Menschenrechte.

[Alle Kommentare ausblenden] (40) Dabei sollte die Aufmerksamkeit vor allem auf die Möglichkeit der Wahrnehmung demokratischer Rechte für alle, auf Frieden und Freiheit auch von Gewalt im Innern, Erhalt der Umwelt, Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit konzentriert werden.

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Es gehört zu den Theoremen des Neoliberalismus, dass Freiheit und Gleichheit, Freiheit und Sozialismus sich ausschließen. Empirische Analysen beweisen jedoch, dass breite Teile der Bevölkerung diese Annahme nicht teilen. Aber auch unser bisheriges Parteiprogramm konnte keine schlüssige Fundierung der Einheit von Freiheit und Gleichheit und ihrer Beziehung zu Solidarität formulieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) Die Erfahrungen des Staatssozialismus haben gezeigt, dass nur eine sozialistische Position, die auf Freiheit gründet und auf Freiheit zielt, die auf eine umfassende Garantie der Menschenrechte hinarbeitet, dauerhaften Bestand haben kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (43) Der Unterschied zu den Positionen des Neoliberalismus und Konservatismus liegt vor allem darin, dass Sozialismus auf die Freiheit für jede und jeden nicht als abstrakte Deklaration zielt, sondern nur bei gleichem Zugang zu den Grundbedingungen menschenwürdigen Lebens in Freiheit erreicht wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (44) Der Unterschied ist das Bestehen auf Solidarität in den Kämpfen für eine gerechte Gesellschaft.

[Alle Kommentare ausblenden] (45) Und er liegt im Streben nach Überwindung jener Eigentums- und Machtverhältnisse, die wirklicher Freiheit dadurch entgegenstehen, dass auf ihrer Grundlage der Profit der ökonomisch Mächtigen das zentrale Entscheidungsmaß in der Gesellschaft ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (46) Anders ist unsere Haltung zum unternehmerischen Gewinnstreben in kleinen und mittleren Unternehmen. Es ist unverzichtbar für eine innovative und anpassungsfähige Wirtschaft und birgt nicht die Gefahr, dass die ganze Gesellschaft exklusiven Kapitalinteressen unterworfen wird.

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Für uns ist sozialistische Politik eine Politik der Gerechtigkeit.

[Alle Kommentare ausblenden] (48) Ihr Ziel ist es, die strukturellen Bedingungen von Unfreiheit, Ungleichheit und Ausbeutung, jene Macht- und Eigentumsverhältnisse, auf denen sie beruhen, zurückzudrängen und zu überwinden.

[Alle Kommentare ausblenden] (49) Es ist eine Politik, die gleiche soziale Möglichkeiten von Freiheit für jede und jeden schaffen will. Freiheit in diesem umfassenden Sinn bestimmt unsere Politik.

[Alle Kommentare ausblenden] (50) Soziale Gleichheit aller ist das Maß, das diese Politik an den Zugang zu den grundlegenden Bedingungen selbstbestimmten Lebens anlegt und gerade dadurch die verschiedene Ausprägung von individuellen Anlagen, Begabungen und Fähigkeiten ermöglicht.

[Alle Kommentare ausblenden] (51) Solidarität ist unabdingbar, um gerechte Politik zu verwirklichen.

[Alle Kommentare ausblenden] (52) Ohne soziale Gleichheit ist Freiheit nur die Kehrseite von Ausbeutung.

[Alle Kommentare ausblenden] (53) Und ohne die Schaffung der realen Bedingungen freier Selbstverwirklichung für alle ist jede Gleichheit Unterdrückung.

[Alle Kommentare ausblenden] (54) Freiheit und Gleichheit sind nur in Solidarität erstreitbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (55) So definieren wir die sozialistischen Werte, auf die wir uns in unserem Programm von 1993 geeinigt hatten. Wir legen sie gegenwartsbezogener Politik in den Kommunen, Ländern, im Bund, der Europäischen Union und im globalen Maßstab zu Grunde.

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Ein solcher Ansatz misst Sozialismus nicht an einem abstrakten Modell, sondern daran, wie emanzipative Forderungen realer sozialer Bewegungen und Interessen konkreter sozialer Gruppen, die vom Ausschluss von Menschenrechten und entscheidenden Lebensbedingungen bedroht sind, in der Wirklichkeit erfüllt werden können.

[Alle Kommentare ausblenden] (57) Damit wird die Trennung von konkreter Interessenvertretung und emanzipativen Bewegungen einerseits und sozialistischem Anspruch andererseits, die so lange sozialistisch-kommunistische Vorstellungen geprägt hat, grundsätzlich aufgehoben.

[Alle Kommentare ausblenden] (58) Sozialistinnen und Sozialisten haben dann auch allen anderen keinesfalls "Einsichten" in die wahren Interessen dieser anderen voraus, sondern sind höchstens durch die besondere Bereitschaft gekennzeichnet, sich heute und jetzt gemeinsam mit vielen anderen emanzipativ zu engagieren.

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Es sollte der durchgehende Anspruch des Entwurfs sein, diese Position zur zentralen programmatischen Orientierung der Politik der PDS zu machen.

[Alle Kommentare ausblenden] (60) Die Kritik des gegenwärtigen Kapitalismus und der herrschenden Politik in Abschnitt II sollte vom Standpunkt eines solchen Sozialismusverständnisses erfolgen. Deshalb ist es sinnvoll, diesen Standpunkt vor der Analyse und Kritik der gegenwärtigen Gesellschaft im Abschnitt I zu begründen.

[Alle Kommentare ausblenden] (61) Abschnitt III müsste dann strategische Ansprüche der PDS auf ausgewählten Feldern ausgehend von der genannten sozialistischen Position formulieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (62) Dieser Abschnitt muss auf die Eckpunkte einer Politik konzentriert werden, die die bisher nicht verfügbaren Grundbedingungen eines menschenwürdigen Lebens hervorbringt und allen einen sozial gleichen Zugang zu ihnen sichert.

[Alle Kommentare ausblenden] (63) Nicht um einen vollständigen Katalog aller Politikfelder und Politikangebote geht es dabei, sondern vor allem um sozial gleichen Zugang zur Wahrnehmung demokratischer Rechte für alle und zu existenzsichernder Arbeit, um Freiheit von physischer Gewalt, um sozialen gleichen Zugang zu Bildung und Kultur, sozialer Sicherheit und Gesundheit sowie um die Erhaltung der Umwelt.

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Auch die Kritik am Staatssozialismus in Europa muss von jenen strukturellen Defiziten ausgehen, die dazu führten, dass es unmöglich war, jeder und jedem die grundlegenden Bedingungen eines selbstbestimmten Lebens, besonders die individuellen Freiheitsrechte, zu garantieren.

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Die Erfahrungen des Staatssozialismus haben gezeigt, dass nur eine sozialistische Position, die sich auf die umfassende Garantie der Menschenrechte gründet, dauerhaft Bestand haben kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (66) Der Ansatz der sozialen Gleichheit im Zugang aller zu den wichtigsten Freiheitsgütern ist alles andere als ein Bruch mit unserem demokratischen sozialistische Selbstverständnis.

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Sozialistische Politik wird von uns also als Kampf in der gegenwärtigen Gesellschaft um mehr Gerechtigkeit, um mehr soziale Sicherheit, Solidarität und Freiheit der Einzelnen auf diesen Grundlagen verstanden, die gegebenen Verhältnisse umgestaltend und über sie hinausweisend zugleich.

[Alle Kommentare ausblenden] (78) Sozialistische Politik ist gestaltende Politik im Heute im Rahmen des Kampfes um alternative Reformen.

[Alle Kommentare ausblenden] (79) In der PDS haben in diesem Prozess sowohl Menschen einen Platz, die der kapitalistischen Gesellschaft Widerstand entgegensetzen und die gegebenen Verhältnisse grundsätzlich ablehnen, als auch jene, die ihren Widerstand damit verbinden, die gegebenen Verhältnisse positiv zu verändern und schrittweise zu überwinden.

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Originär sozialistische Politik kann, wenn sie erfolgreich ist, Fortschritte in der Annäherung an eine gerechte Gesellschaft im Hier und Heute, d. h. in Richtung Sozialismus bewirken,

[Alle Kommentare ausblenden] (81) zugleich wird es ohne qualitative Veränderungen der Machtverhältnisse keine sozial gleiche Verfügung über die Freiheitsgüter moderner Gesellschaften für jede und jeden geben.

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2. Kritische Analyse der gegenwärtigen Welt - den Entwicklungen der Gegenwart gerecht werden

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In den letzten zehn Jahren wurde deutlich, dass der Zusammenbruch des europäischen Staatssozialismus Teil einer grundlegenden Veränderung der internationalen Ordnung war und von der Entstehung einer neuen Stufe des Kapitalismus begleitet und auch mitverursacht wurde.

[Alle Kommentare ausblenden] (84) Während das geltende Parteiprogramm primär von einer Ausdehnung des Kapitalismus ausgeht, wie er bis 1989 vorlag, sollte der neue Entwurf von tiefgreifenden Veränderungen des Kapitalismus ausgehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (85) Dabei sollte gezeigt werden, wie dieser Wandel durch eine Verschärfung von kapitalistischer Herrschaft und Ausbeutung geprägt ist und dass er zugleich Möglichkeiten für alternative Entwicklungen birgt, die bei veränderten Kräfteverhältnissen ausgeschöpft werden können.

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3. Formulierung von Eckpunkten einer alternativen Reformstrategie der PDS

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Der Dreh- und Angelpunkt der in einer überarbeiteten, erneuerten Fassung des Parteiprogramms zu bestimmenden sozialistischen Politik muss es sein, alternative Reformprojekte auf entscheidenden Politikfeldern zu entwickeln. Unser Ausgangspunkt dafür ist die Frage danach, was Menschen für ihr Leben brauchen und sich in der Regel wünschen.

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Das heißt, dass die beiden ersten Abschnitte eines Entwurfs für das überarbeitete Parteiprogramm - das Verständnis des Sozialismus als Ziel, Weg und Wertesystem und die Auseinandersetzung mit der Situation in der gegenwärtigen Welt und in der Bundesrepublik - logisch zu dem dritten Abschnitt der Darstellung sozialistischer Politik als Kampf um den gerechten Zugang aller zu den Grundbedingungen eines menschenwürdigen Lebens hinführen sollen.

[Alle Kommentare ausblenden] (106) In diesem Teil würden dann nicht Anstrich-Aussagen zu verschiedenen Politikfeldern aneinander gereiht, sondern sein Zusammenhalt sollte sein, dass nach dem Grundbestand von Voraussetzungen eines solchen Lebens gefragt wird. Das ergibt die Hauptfelder des dritten Abschnitts, deren Reihenfolge keine Rangfolge bedeutet:

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  1. Sozial gleicher Zugang aller zur Wahrnehmung demokratischer Rechte in einer erneuerten Demokratie
  2. [Alle Kommentare ausblenden] (108)

  3. Freiheit von der Gefährdung des Lebens durch Kriege und durch Gewalt im Innern
  4. [Alle Kommentare ausblenden] (109)

  5. Erhalt der Umwelt und erdumspannend gleiche Anrechte auf gleichen Umweltraum
  6. [Alle Kommentare ausblenden] (110)

  7. Existenzsichernde Arbeit
  8. [Alle Kommentare ausblenden] (111)

  9. Sozial gleicher Zugang aller zu Bildung, Wissen und Kultur
  10. [Alle Kommentare ausblenden] (112)

  11. Erneuerte soziale Sicherung für alle

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Sozialistische Politik sollte als Streit für diese Grundgüter gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit des Zugangs zu ihnen in der Bundesrepublik und international, gegen die Eigentums- und Machtverhältnisse, die dieser Ungleichheit zu Grunde liegen, dargestellt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (114) Sozialistische Politik als kapitalismuskritische Reformbewegung, die über den Kapitalismus hinausweist, findet in unserem Verständnis dort statt, wo die Würde des Menschen wiederentdeckt wird statt ihre Vermarktung hinzunehmen, wo Menschen emanzipatorisch handeln statt sich der Profitlogik unterordnen zu lassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (115) Unser Leitbild ist der selbstbestimmt und solidarisch handelnde Mensch in einer Gesellschaft zunehmend gerecht verteilter Freiheitsgüter.

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Diese Positionen müssen im überarbeiteten neugefassten Programmentwurf so entwickelt werden, dass wichtige Probleme den Kämpfen um diese Lebensbedingungen/Güter zugeordnet werden können:

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Demokratie und Bürgerrechte, zum Beispiel:

[Alle Kommentare ausblenden] (118) Freiheit von Gewalt gegen das Leben, zum Beispiel:

[Alle Kommentare ausblenden] (119) Umwelt, zum Beispiel:

[Alle Kommentare ausblenden] (120) Arbeit, zum Beispiel:

[Alle Kommentare ausblenden] (121) Bildung, Wissen, Kultur, zum Beispiel:

[Alle Kommentare ausblenden] (122) Soziale Sicherheit, zum Beispiel:

[Alle Kommentare ausblenden] (123) Querschnittsfragen wie unser Standpunkt zum Umgang mit den spezifischen Problemen und Herausforderungen in Ostdeutschland und Geschlechtergleichstellung müssen durchgängig behandelt werden. Dies entspricht der Forderung nach gleichem Zugang zu den genannten Grundbedingungen menschlichen Lebens z. B. unabhängig von Geschlecht oder Wohnort.

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Neu in der Komposition des zu erarbeitenden Programmentwurfs muss es sein, dass ein logischer Zusammenhang des Ganzen in einer Art Erzählung entwickelt wird: Die PDS als Partei, die an die Geschichte der Kämpfe sozialer Klassen und Gruppen in den letzten 200 Jahren um gerechte Teilhabe an gesellschaftlichem Reichtum und um gleichen Zugang zu gesellschaftlicher Macht anknüpft, an den Kämpfen der Unterdrückten um die Würde des Menschen.

[Alle Kommentare ausblenden] (125) Sozialistische Politik als solche, die dies unter den gravierend gewandelten gegenwärtigen Bedingungen mit eigenem Ziel fortsetzt. Diesen Wandel zu analysieren, bedeutet prinzipielle Kapitalismus-Kritik, aber auch ein Deutlichmachen von Möglichkeiten, die der gewandelte Kapitalismus hervorbringt und zugleich in Fesseln schlägt, die damit Ansätze sozialistischer Politik in der gegenwärtigen Gesellschaft bieten.

[Alle Kommentare ausblenden] (126) Sozialistische Politik sollte in Auseinandersetzung mit diesem Kapitalismus als Kampf um gerechten Zugang zu Freiheitsgütern auf entscheidenden Feldern gesellschaftlicher Entwicklung dargestellt werden. Dabei müssen die Alternativen gesellschaftlicher Entwicklung deutlich gemacht werden, für die die PDS steht.

[Alle Kommentare ausblenden] (127) Schließlich sollte in Abschnitt IV umrissen werden, welche Selbstveränderungen der PDS abgefordert sind, wenn sie die Gesellschaft verändern will.

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Anmerkung 1

In der Arbeit an den "Grundlinien" hat sich herausgestellt, dass diese Linien am besten im Verlauf der Ausarbeitung und im Prozess der Formulierung der programmatischen Substanz selbst Gestalt annehmen. Es erwies sich als nicht produktiv, erst ein relativ substanzarmes Gerüst orientierender "Linien" erarbeiten zu wollen und danach dann an die Erarbeitung des zu verändernden Programmtextes zu gehen. Daher erfolgte die Arbeit an beiden gleichzeitig. Das führte dem Beschluss des Parteivorstandes vom 8. Januar 2001 gemäß zu den hier vorgelegten Grundlinien.

[Alle Kommentare ausblenden] (129) Gleichzeitig wird es möglich sein, durch weitere Arbeit am Programmtext die Forderung im Beschluss des Parteivorstandes einzulösen, einen Programmentwurf so schnell wie möglich vorzulegen. Das ist deshalb wichtig, weil Grundlinien, die ja nicht die konkrete Ausführung von angekündigten programmatischen Absichten bieten können, zwangsläufig Raum für Vermutungen und für Interpretationen eines noch gar nicht vorgelegten Textes lassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (130) Fertigstellung, Veröffentlichung und ausführliche Diskussion des Programmentwurfs werden dieses Problem lösen können.

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Anmerkung 2

Wir verstehen unter Freiheit die verwirklichte Möglichkeit des Individuums, seine Lebensfragen nach Maßgabe und Erkenntnis der eigenen Interessen zu entscheiden, diese Entscheidungen zur Geltung zu bringen und Konflikte mit Entscheidungen anderer auf dem Wege gleichberechtigter Aushandlung auf der Basis institutioneller Absicherung (Meinungsfreiheit, Rechtstaatlichkeit, Demokratie, Pluralismus) und gesellschaftlich akzeptierter Werte zu lösen.

[Alle Kommentare ausblenden] (132)

Wir sehen, dass eine kapitalistisch geprägte moderne Gesellschaft wie die der Bundesrepublik Deutschland diesen hohen Freiheitsanspruch, den sie auf abstrakter Ebene selbst verkündet und im Unterschied zum Staatssozialismus in weiten Zügen juristisch garantiert, nicht umfassend einzulösen vermag.

[Alle Kommentare ausblenden] (133) Als Sozialistinnen und Sozialisten wissen wir und legen wir unserer Politik zu Grunde,




Quelle: http://www.opentheory.org/pds-prog-1/text.phtml
(Last Software Update: 06.01.2002, 21:20)