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Maintainer: George Winter, Version 1, 04.01.2004  Druckversion
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Was tun?

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Don’t fight the force, use it!
(Jedi-Spruch, R. Buckminster Fuller Zitat und Leonardo da Vinci Prinzip)
Eine Armee kann man bekämpfen, nicht aber eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
(Victor Hugo)

10 unbequeme Thesen für eine bessere Welt

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Der Kommunismus ist tot! Es gibt endlich keinen Grund mehr, nicht Kommunist zu sein. Der real existierende Sozialismus ist am Ende seines Bestehens ein von alterssenilen Greisen regiertes System gewesen, dessen Untergang endlich den Weg frei macht, über eine bessere Welt neu nachzudenken. Wir weinen den untergegangenen diktatorischen Systemen des Ostblocks keine Träne nach.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Die Planwirtschaft in der Sowjetunion und innerhalb des gesamten Warschauer Paktes ist zu jedem Zeitpunkt dem Kapitalismus unterlegen gewesen, selbst dann, wenn man einkalkuliert, dass die Sowjetunion eine nachgeholte Modernisierung betreiben musste und etwa die DDR im Gegensatz zur BRD unter den ungebremsten Folgen von Krieg und Reparation zu leiden hatte. Die Planwirtschaft des Ostblocks hat zu einer Mangelwirtschaft geführt, die der Kapitalismus seit über 50 Jahren in der westlichen Welt nicht mehr kennt. Die Planwirtschaft ist kein geeignetes Wirtschaftssystem für eine bessere Welt.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Der Reichtum der 1. Welt beruht nicht auf der Armut der 3. Welt. Die 1. Welt macht mit der 3. Welt ein gutes Geschäft und möchte auf die Gewinne aus dieser Zwangswirtschaftsbeziehung sicher auch nicht verzichten, aber der Reichtum der 1. Welt ist das Produkt einer Produktivkraftentfaltung der letzten 200 Jahre und nur zu einem sehr geringen Teil imperialistischen Strategien der herrschenden Klassen geschuldet. Alles andere ist Legende.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) 4.) Die konservativen, neoliberalen und restaurativen Thinktanks der westlichen Welt haben Ihre Ziele, ihre Vorstellungswelten und ihre Denkweisen erfolgreich gegen die vermeintliche Übermacht einer linken Öffentlichkeit durchgesetzt. War ab Mitte der 60er und bis zum Ende der 70er Jahre die Öffentlichkeit noch ganz im Geiste linker Vorstellungswelten vereinnahmt, gibt es heute praktisch keine alternativen Ideenwelten mehr, die von der öffentlichen Aufmerksamkeit wahrgenommen werden. Die zunächst noch belächelte geistigmoralische Wende der Ära Kohl, Reagan und Thatcher ist bis heute virulent.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Es gibt kein revolutionäres Subjekt mehr in Deutschland, das den klassischen Vorstellungen einer proletarischen Revolution genügen könnte. An den Grundbedingungen von kapitalistischer Ausbeutung – Kapital kauft Arbeit und steckt den dabei produzierten Mehrwert ein – hat sich zwar nichts geändert, aber die von Marx nicht einkalkulierte Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus und der allgemeine Strukturwandel, nicht zuletzt durch eine reformorientierte Arbeiterbewegung begünstigt, sind weit mächtiger gewesen als von Marx vorhergesehen. Der Kapitalismus hat den vom Ostblock vielbeschworenen Historischen Materialismus weit besser erkannt und durchsetzen können als dieser selbst. Die Zustimmung der Massen zu einem Wirtschafts- und Sozialsystem führt über materiellen Wohlstand, ein System, das diesen nicht leisten kann, muss untergehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Die Zustimmung der Massen zu einem materiell orientierten Wertesystem ist vollständig und resultiert nicht aus einem vielfach aus linken Kreisen beschworenen Verblendungs- oder Verblödungszusammenhang. Die Menschen wollen nicht nur genug zu Essen und zu Trinken haben, sondern sich auch ganz subjektiv entfalten und wohlfühlen. Eine bessere Welt muss das akzeptieren und berücksichtigen.

[Alle Kommentare ausblenden] (8) 7.) Eine Revolution in Deutschland oder der westlichen Welt ist weder moralisch zu rechtfertigen noch ökonomisch begründbar. Weder lassen sich trotz der unzweifelhaft wieder zunehmenden so genannten „prekären Beschäftigungsverhältnisse“ im kapitalistischen System des 21. Jahrhunderts verelendete revolutionäre Massen finden, die befreit werden wollen oder sollten, noch gibt es imperialistische Kriege, gegen die man bewaffnet kämpfen muss. Die Kriege des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts sind zwar geostrategisch aufgeladen und dienen dem ökonomischen Machterhalt der Industrienationen, ihre wie weit auch immer überlegene militärische Waffe aber ist stumpf gegen die sich ändernden globalen ökonomischen Bedingungen und Verschiebungen des Weltreichtums. Diese Kriege sind nicht viel mehr als eine historische Reminiszenz an längst untaugliche nationale Mittel. Die Farce und Ideologie der sog. „humanitären Interventionen“ ist mit klassischen demokratischen Mitteln der praktischen Aufklärung bekämpfbar, diese sind zudem letzte Rückzugsgefechte einer verblassenden Ökonomie des Raumes und der knappen Ressourcen, die eine immer geringere Rolle spielt. Die Ökonomie des Raumes wird durch eine Ökonomie des Wissens und der digitalen Reproduzierbarkeit ersetzt werden, die nicht militärisch oder staatlich schützbar ist. Das ist Gefahr und zugleich zu ergreifende mächtige Chance einer Bewegung, die für eine bessere Welt kämpft.

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Das heute vielleicht viel belächelte Versprechen der New Economy „anders“ arbeiten und leben zu wollen, trifft einen tiefen Nerv moderner Arbeitsverhältnisse, der kurioserweise in modernen Managementzirkeln unter dem Schlagwort „Work Life Balance“ und nicht in den sich selbst gerne revolutionär nennenden Zirkeln erkannt wurde, aber von der klassischen Arbeitnehmernomenklatura konsequent ignoriert wird. Die Menschen wollen sich mit ihrer Arbeit identifizieren, den meisten Menschen fehlt sogar jede intellektuelle oder anders geartete Vorstellung davon, was sie ohne ihre Arbeit tun sollen.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Eine gerechte Welt braucht keinen „neuen Menschen“, wie er in der sozialistischen Welt immer wieder beschworen wurde. Eine gerechtere Welt ist von den Menschen, so wie sie hier und jetzt existieren, uneingeschränkt lebbar. Eine bessere Welt muss auch nicht die Kleinfamilie zerschlagen, so wie es in linken esoterischen Kreisen immer wieder diskutiert wird, oder - Pars pro Toto - die Kleidungsordnung vorschreiben, so wie es das ZK der SED der DDR immer wieder versucht hat, eine bessere Welt muss lediglich die basalen Funktionen und Strukturen als Ersatz für die Nation bereitstellen, die sowohl die im Menschen immer schon angelegte Solidarität als auch seinen natürlich Egoismus zum Vorteil Aller kehren.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Die Linke hat verlernt zu überzeugen und existiert nur noch in kleinen unbedeutenden Zirkeln, die Macht aber der restaurativen Kräfte und neoliberalen Ideen beruht auf der Macht der Aufmerksamkeit, die selbst in den Schalthebeln der so genannten fortschriftlichen Kräfte wirken und die es zu brechen gilt. Folgende 10 Tipps dienen dazu, dieses Ziel umzusetzen.

10 bequeme Tipps für eine bessere Welt

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Die Linke muss endlich aufhören zu jammern und zu einer Sammelbewegung zurückkehren, die diesen Namen verdient. Die esoterische Zersplitterung auf der einen Seite und das heuchlerische Anbiedern an neoliberale Ideologien auf der anderen Seite muss ein Ende haben. Die theoretisch reine Lehre ist nichts, die Aktion der Tat und des Handelns ist alles! Die Linke als aufgeklärte, fortschrittliche und offene Bewegung ist sehr groß und geht über Parteiengrenzen weit hinaus, sie umfasst syndikalistische Gruppen genauso wie demokratische liberale Bürger, sie umschließt marxistischen, trotzkistischen Gruppen genauso wie Teile der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften und der Kirche. Die Linke ist mehr als ein Name, sie ist ein modernes Programm des Handels. Hört auf mit Eurem revolutionären Habitus, vernetzt Euch, werdet konkret, wenn Ihr es wirklich ernst meint.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Kämpft nicht gegen den Strom, nutzt ihn! Wendet die Regeln des Kapitalismus gegen ihn selbst an, don’t fight the force: use it! Seid erfolgreich, werdet reich, politische Emanzipation ist eine Frage des richtig angewandten Geldes. Macht Euch keine Sorgen darüber, ob das, was Ihr tut, nun echt revolutionär ist oder bloß reformistisch oder bürgerlich. Die Debatte darüber ist bedeutungslos, solange Ihr praktisch versucht, das Eigentum an den Produktionsmitteln in ein gemeinschaftliches Eigentum zu überführen und solange ihr nicht ernsthaft glaubt, den Gang durch die Institutionen antreten zu können. Dreht das Recht um, wendet es so an, wie es die Open-Source-Bewegung Euch vormacht.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Das Eigentum umzudrehen ist nicht illegal! Gründet Stiftungen, Genossenschaften und Produktionsgemeinschaften und seid wirtschaftlich erfolgreich, kauft den kapitalistischen Laden einfach auf! Wenn es wirklich stimmt, dass ein genossenschaftliches Produzieren wirtschaftlich erfolgreicher ist als eines, das auf der Ausbeutung der Lohnabhängigen beruht, dann werdet ihr keine Nische bleiben. Wetten? Versucht nicht nach innen das Leistungsprinzip zu durchbrechen, nutzt es!

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Gründet Radios, kauft Fernsehanstalten, übernehmt Zeitungen, kauft Verlage und schafft Bildungseinrichtungen! Denkt nicht nur an die Hochkultur, auch die Bildzeitung könnt ihr übernehmen! Gewinnt die Berichterstattung und wendet die öffentliche Aufmerksamkeit auf Euch, vernetzt Euch über das Internet, arbeitet gemeinsam an Texten. Satzungen und Ideen und zu Eurem eigenen Wohl.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Gründet Handwerksbetriebe, übernehmt Fabriken, richtet Beratungsstellen ein! Aber achtet darauf die Eigentumsfrage umzudrehen, verankert die kollektive Eigentumsfrage in Euren Satzungen! Orientiert Euch am Open-Source-Gedanken. Materielle Produkte sind frei von ideellen Rechten, solange diese von einem Dritten nachproduzierte Ware wiederum frei von ideellen Rechten ist!

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Kauft und gründet Banken, ja, auch das! Setzt in Euren Satzungen das Ziel der Banken fest, genossenschaftliches Produzieren zu unterstützen, aber seid erfolgreich! Ein solidarisches Handeln, das den Bestand der Bank selbst gefährdet, ist nicht Eure Aufgabe. Sozialpolitik wird niemals Aufgabe einzelner Betriebe und Wirtschaftseinheiten sein, sondern immer Aufgabe einer staatlichen oder überstaatlichen Institution!

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Besetzt zunächst legale freie Räume, die das kapitalistische Wirtschaften übrig gelassen hat. Zieht mit Euren Betrieben und Produktionsgenossenschaften in alte, nicht mehr benötigte Hafenanlagen, Zechen und Industrieruinen der Gründerzeit, nutzt die etwa im Osten Deutschlands frei werdenden Räume und Möglichkeiten! Kauft günstig Grund und Boden, schafft eine Subkultur, die Euch wirklich gehört und die nicht auf Subventionen oder Almosen des Staates, der Länder oder Städte angewiesen ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine alternative Lebens- und Wirtschaftsform den Ausschlag für eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte legt. Nur diesmal wird sie den Genossenschaften und Produktionsgemeinschaften gehören, es wird keine Gentrifikation oder Vertreibung stattfinden, die Euch verdrängt, Euch schützt ganz im Sinne dieses Ansatzes das Gesetz. Aber: Wendet das System in allen nur erdenklichen Wegen für Euch an, aber: Bleibt und handelt legal. Gebt dem Staat, den Ländern oder der Stadt keinen Vorwand oder Grund einzugreifen! Eigentum in gemeinschaftliches Eigentum zu überführen ist nicht illegal, im Gegenteil, es wird in vielen Rechtsformen wie der Stiftung sogar ausdrücklich als gemeinnützig anerkannt und steuerlich gefördert.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Wenn Ihr erfolgreich seid, dann kauft immer mehr Betriebe auf und legt diese in die Hand der Allgemeinheit. Private Betriebe gehen in gemeinschaftlichen Besitz über, privater Besitz bleibt bestehen, eine friedliche Koexistenz ist zu jeder Zeit möglich, Wohnraum und öffentlicher Raum bleibt dabei ganz in privater Hand, es sind nur die Produktionsmittel, die wir brauchen und die auf diese Weise in die Hand Aller wechseln.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Übernehmt den Staat und nutzt ihn, aber versucht nicht, ihn zu bekämpfen oder zu zerstören! Die Kontrolle und Übernahme des Staates ist nicht illegal, wendet seine Kraft gegen ihn selbst an, wendet Eure Schwäche, Vereinzelung und Ohnmacht in Stärke um, nicht in verzweifelten Aktionismus. Benutzt dazu keine Institutionen oder Parteien, ihr braucht nur die frei zirkulierende öffentliche Meinung zu kontrollieren, gründet Pressure-Groups und Thinktanks, setzt Lobbyisten und Spin Doktors für Euch ein, nutzt Eure Vernetzung und Eure Nachrichtenkanäle, erstellt Gutachten, verfasst Dossiers und bringt Euren guten Rat ein und ihr werdet sehen, dass wir nicht mehr zu überhören sind. Vergesst auch die internationale Vernetzung nicht, wobei diese mit Eurem Erfolg quasi gleichzeitig auch wachsen wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Die bessere Gesellschaft ist keine Utopie, sie ist lebbare Realität, es fehlt ihr nur an den Menschen, die diese nicht leben wollen, weil sie auf eine bessere Welt warten, die Ihnen je nach Fasson der Staat, die Revolution oder das Leben nach dem Tod bringen wird. Es gibt sicherlich die unverschuldete Bewegungslosigkeit und das mittellose Leben des und der Einzelnen, aber der Anfang ist mit einem nur geringen Anteil an Eigentum und Werten realisierbar, weil der eigentliche Wert der Welt nach wie vor nur über die menschliche Arbeitskraft und den Mut zur Veränderung realisierbar ist.




Quelle: http://www.opentheory.org/thesen/text.phtml
(Last Software Update: 04.01.2004, 23:43)