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Über einige Schwierigkeiten, Marx zu verenglischen (Autor: Wolf Göhring)
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Maintainer: Werner Imhof, Version 2, 09.02.2002  Druckversion
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Status: Final

Die Schwierigkeit, Marx zu verenglischen [1]

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Bei dem Versuch, zwei Texte, in denen ich mich auf Marx und Engels beziehe, ins Englische zu übertragen, bin ich auf Schwierigkeiten gestoßen. Der erste Text ist "The productive information society - a basis for sustainability" (http://ais.gmd.de/~goehring/ProdInfSocSust7-01.pdf), der zweite "E-commerce - Und was kommt danach? Eine Perspektive für die Informationsgesellschaft" (http://www.gmd.de/publications/report/0113/Text.pdf). Die Schwierigkeit tritt bei den Wörtern "Ware" und "aufheben" und ganz besonders bei dem Satzstück "die Warenproduktion aufheben" auf. Das soll erläutert werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Der Begriff der Ware ist wesentlich für das Verständnis der kapitalistischen Produktionsweise, aus der man durch Aufheben der Warenproduktion herauszufinden hätte. Was aber denken sich englischsprachige LeserInnen, wenn ihnen eine windschiefe Übersetzung geboten wird? Werden sie die Analysen von Marx ernst nehmen können, wenn sie durch sprachliche Ungenauigkeiten verfälscht wiedergegeben werden?

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Wie ist "Ware" zu übersetzen? Mit "commodity", mit "merchandise", oder mit - "ware"? Oder mal so und mal so?

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Soweit ich sehen konnte, haben Marx und Engels, wo sie englisch schrieben, "commodity" für "Ware" verwendet. In der ersten, von Engels bevorworteten englischen Ausgabe von "Kapital I" wird durchweg "commodity" verwendet, wo im Deutschen "Ware" steht. Adam Smith verwendet im "Wealth of Nations" (1776) ebenfalls dort "commodity", wo man deutsch und schnell "Ware" schreiben würde. Im englischen Alltagsgebrauch scheint das, was einen hinter den Schaufensterscheiben anlächelt, heute stets "commodity" zu heißen. "Ware" also alternativlos mit "commodity" übersetzen?

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Das Globalwörterbuch "Deutsch-Englisch" (Pons Collins, 2. neub. Auflage, Klett Verlag, Stuttgart, Dresden 1993) zeigt:

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Ware f-, -n product; (einzelne ~) article; (als Sammelbegriff) goods pl, merchandise. ~n pl goods pl; (zum Verkauf auch) merchandise sing, wares pl (esp old, hum). "esp old, hum" meint "besonders alt, humorig".

[Alle Kommentare ausblenden] (7) "Ware" mit "wares" zu übersetzen, hätte vor 500 Jahren gut sein können, heute ist's wohl nur spaßig. Aber, "commodity" kommt bei Pons/Collins für Ware gar nicht vor! Umgekehrt findet man in der englisch-deutschen Version:

[Alle Kommentare ausblenden] (8) commodity n Ware f; (agricultural) Erzeugnis nt. basic or staple commodities (natural) Grundstoffe pl; (St Ex) Rohstoffe pl; (manufactured) Bedarfsgüter pl; (foodstuffs) Grundnahrungsmittel pl; ~ market Rohstoffmarkt m; ~ exchange (St Ex) Warenbörse f. "St Ex" steht für "stock exchange" oder "Börse".

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Nun ist, wer wußte es besser als Marx und Engels, Ware eine historische Kategorie. Welche Geschichte haben die beiden Wörter "Ware" und "commodity"? Zeigt sich darin auch etwas von der historischen Entwicklung der Kategorie "Ware" samt ihrem Doppelcharakter von Gebrauchswert und Tauschwert? [2]

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Ich fange mit "commodity" an. Das Wort dürfte französischen Ursprungs sein und in der Zeit Wilhelm des Eroberers auf die britische Insel gekommen sein wie so viele der englischen Wörter mit französischem Ursprung. "Commodité" ist eine Bequemlichkeit, gute Gelegenheit, eine Gemächlichkeit (M. A. Thibaut: Vollständiges Wörterbuch der französischen und deutschen Sprache. 45. Auflage. Westermann, La Hachette. Braunschweig, Paris 1864). In moderneren Wörterbüchern ähnlich. Das erinnert an das deutsche Wort, daß etwas kommod, also passend, gut, angenehm sei. Ein "Vollständigstes englisch-deutsches und deutsch-englisches Handwörterbuch" (Friedrich Köhler bei Philipp Reclam, Leipzig 1865, 3. Aufl.) legt ebenfalls die Nähe zwischen "commodity" und "commodité" nahe: Commodity s. Bequemlichkeit f. Vortheil m. Sh.; Waare f. "Sh." meint, daß Shakespeare commodity im Sinne von Vorteil gebrauchte. Die zitierten Wörterbucheinträge deuten darauf hin, daß "commodity" zunächst mal "ein Ding (ist), das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt", womit sich Marx (Das Kapital, Bd. 1, Marx-Engels-Werke MEW Bd. 23, S. 49) ganz ähnlich dem Eintrag in "The Oxford English Dictionary" (Letter C, p687. Corr. re-issue, reprint 1970, Clarendon Press, Oxford) äußert: "a thing of use or advantage to mankind", oder im Plural: "useful products, material advantages, elements of wealth".

[Alle Kommentare ausblenden] (11) "Der natürliche worth jedes Dinges besteht in seiner Eignung, die notwendigen Bedürfnisse zu befriedigen oder den Annehmlichkeiten des menschlichen Lebens zu dienen." So zitiert Marx in eigener Übersetzung den John Locke (ibid., S.50, Fußnote). Die "Annehmlichkeiten" heißen bei Locke "conveniences". Marx verweist in dieser Fußnote noch darauf, daß im 17. Jahrhundert im Englischen "'Worth' für Gebrauchswert und 'Value' für Tauschwert" benutzt wird, "ganz im Geist einer Sprache, die es liebt, die unmittelbare Sache germanisch und die reflektierte Sache romanisch auszudrücken." Marx vergaß hinzuzufügen, daß "value" wohl über das Französische ins Englische gelangte und seinen Ursprung im lateinischen "valere", deutsch: gelten, hat, womit die Entwicklung des Tauschwerts zum Geld im Wort "value" schon drin steckt, vielleicht deshalb, weil die Römer bereits eine Entwicklung hinter sich hatten, die den Germanen noch bevorstand. Immerhin gab es bei den Römern schon Münzen, die im gesamten römischen Reich, so groß wie die europäische Union, aber nicht deckungsgleich mit dieser, Geltung besaßen!

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Deutsch "Ware" kann, wenn auch veraltet, mit englisch "ware" übersetzt werden. "The Oxford English Dictionary" und das "Deutsche Wörterbuch" (Jacob und Wilhelm Grimm, S. Hirzel Verlag, Leipzig 1922. Fot. mech. Nachdr., Deutscher Taschenbuchverlag, München 1984) liefern viele Hinweise zur Herkunft von Ware/ware, die hiernach als das gleiche Wort angesehen werden können. Ware scheint urspünglich etwas zu bezeichnen, das zusammen- oder angebunden ist, was sich im englischen "wire" - Draht - oder im deutschen verwirren, Wirrwarr noch indirekt erhalten hat. Bewahren, verwahren und "in Gewahrsam nehmen" haben auch diese Wurzel, ebenso "gewahr werden" und "Gewährleistung". Im Oxford Dictionary findet sich: "Ware (...) (substantive 3). ... Prob. the same word as ware (substantive 2) used in the conrete sense 'object of care'." Als englisches Verb tritt das wort in "to guard", veraltet "to ward" auf.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Im Deutschen Wörterbuch heißt es: "II. bedeutung und gebrauch, 1) ware in der bedeutung 'handelsgut' ist eine gewisse menge einer beweglichen sache, mit der handel getrieben wird. sie heiszt so besonders bei kauf und verkauf, dann aber auch schon vorher während ihrer gewinnung oder herstellung, während der beförderung und während der aufbewahrung, besonders beim verkäufer."

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Ware steht nach dem Deutschen Wörterbuch im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit für "Kaufmannschatz" und "Pfennigswert".

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Diese Hinweise deuten an, daß mit "Ware" ursprünglich ein ganz anderer Begriff als mit "commodity" verbunden ist. Eine Ware ist etwas Gehütetes. Warum? Hat es Mühe und Schweiß, "toil and trouble" (Adam Smith) gekostet, es herzustellen, es sich zu verschaffen? Würde es im Regen verderben, weshalb es gut verpackt und verschnürt aufbewahrt wird? Wird es zusammengepackt vom Krämer über die Lande gefahren und feilgeboten? Könnte man im Gegenzug, im Tausch etwas dafür bekommen, was einem andere Mühe und Arbeit erspart? Müssen die sorgfältig verwahrten Sachen auch bewacht werden, damit sie nicht geraubt und gestohlen werden und man selbst am Ende trotz Mühe und Arbeit ohne etwas dastehen würde? [3]

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Die Wörterbücher sind keine Geschichtsbücher über ökonomische Kategorien. Die Wörterbücher geben den Gebrauch einzelner Wörter in einzelnen Sätzen wieder. Sinnzusammenhänge sind angedeutet, aber nicht im einzelnen ausgearbeitet. Trotzdem scheint deutlich zu werden, daß "Ware" etwas ganz anderes ausdrückt als "commodity". Während "commodity" den Gebrauchswert in den Vordergrund stellt, steht bei "Ware" das Festhalten, das Bewachen als ein eigenes Stück, als Eigentum, der Austausch, der geordnete Eigentumswechsel, das damit verbundene Gerangel im Vordergrund. "Ware" hebt auf Tauschwert ab. Übersetzt man "Ware" mit "commodity", so übersetzt man - sehr zugespitzt - Tauschwert mit Gebrauchswert! Genau besehen muß man im Deutschen, wo Ware steht, prüfen, ob an dieser Stelle der Tauschwert oder etwa doch der Gebrauchswert im Vordergrund steht oder ob der Zusammenhang dafür sorgt, daß eine Übersetzung mit "commodity" den Sinn nicht entstellen kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Ein Beispiel dazu. Im "Kapital" bemerkt Marx, "wie sehr ein Teil der Ökonomen von dem der Warenwelt anklebenden Fetischismus ... getäuscht wird ..." (MEW 23, S. 97) Übersetzt findet sich in der von Engels noch durchgesehenen Ausgabe: "To what extent some economists are misled by the Fetishism inherent in commodities ..." (Marx-Engels Collected Works, vol. 35, p. 93. Lawrence & Wishart, London). "Anklebend" ist nicht "inherent" und "Warenwelt" nicht simpel "commodities". Aber schlimmer noch: Nach dieser Übersetzung wohnt den angenehmen, nützlichen Dingen des Lebens ein Fetischismus inne. Kein Wunder, daß Churchill 35-jährigen bescheinigte, sie hätten keinen Verstand, wenn sie noch immer dem Sozialismus anhingen.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Mühsamer noch ist es, eine passende Übersetzung für "Warenproduktion aufheben" zu finden.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Zunächst zu "aufheben". Man bräuchte nicht viel Aufhebens zu machen, wenn Hegel - ein Stuttgarter, wenn ich richtig im Bilde bin - "aufheben" nicht in der ganzen, im Süddeutschen gebräuchlichen Fülle benutzt hätte. Zunächst zum unmittelbaren, körperlich sichtbaren Gehalt von "aufheben": Man greift zu, hält fest, lupft hoch, paßt auf, daß nichts runterfällt und legt es schließlich mit etwas Vorsicht irgendwohin, denn man kann es nicht ewig halten. Das hat zwei Nebeneffekte: Der Untergrund, auf dem das Ding lag, wird von dessen Gewicht entlastet. Das Ding ist an andrer, oft höher gelegener Stelle für den weiteren Gebrauch verfügbar. "Sich ein Stück Brot aufheben", ist eine Redewendung, die solches ausdrückt. Oder die Geschichte von Jesus, der sich ein am Wege liegendes Hufeisen aufhob, um es im nächsten Ort gegen frische Kirschen einzutauschen.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Diese drei Aspekte: entlasten, hochheben und weglegen des Wortes "aufheben" sind zunächst auch vorhanden, wenn es in einem übertragenen Sinn, beispielsweise in der Philosophie, gebraucht wird. Aber dann werden häufig ein oder zwei dieser Aspekte ausgeblendet: "Ein Verbot aufheben." Hier wird nur entlastet, das Verbot wird nicht an anderer Stelle "aufbewahrt". Einen Frondienst aufheben: Man kann ebenso gut sagen: einen Frondienst abschaffen. Aber "die Warenproduktion abschaffen" würde heißen, daß von der Ausgangslage nichts mehr da ist; die Produktion selbst könnte auch abgeschafft sein.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) "Die Warenproduktion aufheben" besagt unter den drei genannten Aspekten etwas anderes als "abschaffen". Es soll ja weiterhin vernünftiges Zeugs produziert werden. Vorhandene technische Verfahren werden nicht über Nacht durch gänzlich andere ersetzt. Auf die Kommunikation, die der Produktion und dem Austausch der Produkte zugrunde liegt, wird bei einer Aufhebung der Warenproduktion nicht verzichtet werden können. Wie sonst soll produziert werden können, soll eins zum andern kommen? In diesem Sinne wird bei einer aufgehobenen Warenproduktion auch etwas bewahrt, nicht genau in der alten Weise, sondern in bildhafter Entsprechung, das heißt abstrakt, "auf höherer Ebene".

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Das Englische scheint kein Wort zu haben, das direkt dem "Aufheben" entspricht. To pick up - aufpicken, to lift up - hochlupfen - geben nur den Anfang des Aufhebens wieder. To hold up - hochhalten - gibt nur das Ende eines "Aufhebens" wieder. Außerdem werden diese Wörter kaum in einem übertragenen Sinn gebraucht. Vielleicht sollte ein englischer oder amerikanischer Schriftsteller kühn "to up-keep" oder "to keep up" in die Sprache einführen und diesem Konstrukt das ganze Bedeutungsbündel von "aufheben" anhängen. Naheliegend wäre eine solche Konstruktion, denn "to keep" hat die gleiche Herkunft wie "heben", das im Süddeutschen auch festhalten bedeutet.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Einem fremdsprachigen Übersetzer verbietet es sich, wortschöpfend in die fremde Sprache einzutreten. Er muß absuchen, was diese Sprache bietet. Er findet, daß "abschaffen" gerne mit "to abolish" ins Englische übersetzt wird. Wenn ein Gesetz aufgehoben wird, dann kann "to abolish" angebracht sein. Ebenso: den Sklavenhandel aufheben, to abolish slave-trade. Sollte man "to abolish" auch für "Warenproduktion aufheben" verwenden dürfen? Was bedeuten "to abolish" und "abolir" im Französischen ursprünglich? Entstammen diese dem lateinischen ab-olescere, "hinaus-wachsen" oder "ab-wachsen" "schrumpfen", "schwinden", wie im Oxford Dictionary (und im Webster) angedeutet? Wäre "ab-olescere" das Gegenteil von "ad-olescere", "erwachsen werden"? Oder würde "to abolish" dem griechischen "apo-ballein", "weg-werfen" entstammen? Auch ohne den genauen sprachwissenschaftlichen Hintergrund zu kennen, läßt sich ein Resümee ziehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Würde man "Warenproduktion aufheben" mit "to abolish merchandise-production" übersetzen und hätte "to abolish" den erstern Sinn, so hätte man im Englischen "Über die Warenproduktion hinauswachsen" geschrieben, was dem Ausgangssatz nahe käme. Bei der zweiten Bedeutung im Sinne von "schrumpfen", "schwinden", "zum Verschwinden bringen" hätte man "die Warenproduktion zum Verschwinden bringen" geschrieben, was "Aufheben" nicht mehr wiedergeben würde. Schriebe man "to abolish commodity-production", so könnte dieses, wenn "to abolish" gleich "schwinden", so gelesen werden, was zynische Kritiker dem Sozialismus vorwerfen: Die Produktion irgendwelcher vernünftiger, nützlicher Dinge wird zum Stillstand gebracht.

[Alle Kommentare ausblenden] (25) Bleibt noch zu fragen: Welche Schwierigkeiten macht es, Marx in andere Sprachen zu übersetzen?

Fußnoten:

[Alle Kommentare ausblenden] (26) [1] Friedrich Engels: Wie man Marx nicht übersetzen sollte. Marx-Engels-Werke (MEW) Bd. 21 , S. 229 - 237

[Alle Kommentare ausblenden] (27) [2] Marx' Schwiegersohn Lafargue hat den Werdegang von Wörtern für "Gesetz" (Nomos) und "Gut" in der griechischen und römischen Antike untersucht. Nomos entstammt der "Ökonomie des Nehmens", als man nomadisierend mit seinen Herden über die Weiden - griechisch: nomos - strich. Die Wortwurzel "nem" ist im Griechischen wie im Deutschen die gleiche und in der indogermanischen Sprachfamilie verbreitet. Sie bezeichnet vermutlich zuerst das Sich-Bücken oder Sich-Beugen, wenn man Früchte einsammelt oder wenn Vieh Gras abweidet. Bei den Wörtern "Einvernehmen", "Benehmen" und "Benimm" hat sich im Deutschen eine ähnliche Änderung wie mit dem griechischen "nomos" von "Weide" zu "Sitte", "Gesetz" ergeben. Lafargues Schrift hat mich angeregt, bei einer Übersetzung auch auf die Entwicklung und die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes zu achten. Paul Lafargue: Vom Ursprung der Ideen. Eine Auswahl seiner Schriften von 1886 bis 1900, VEB Verlag der Kunst, Dresden, ca. 1970.

[Alle Kommentare ausblenden] (28) [3] Ware heißt im Georgischen "sakoneli", in seine Bestandteile zerlegt: sa-kon-eli. "eli" ist eine Endung, die aus dem Ganzen ein Substantiv macht. "sa-kon" ist "etwas, das man haben kann", etwas "zum Haben", im saarländischen Dialekt wär' das "ebbes fa se han", "etwas für zum Haben", eine Konstruktion ganz ähnlich der georgischen. Ob nun "sa-kon" ethymologisch sogar die gleiche Wurzel wie "zum Haben" hat, sei dahingestellt. Das Deutsche Wörterbuch verrät, daß "haben" auch die Bedeutung von "festhalten" hat, daß "Habe" das ist, was man festhalten kann. Und damit ist man wieder bei "heben", "to keep", "capere" (lateinisch). "Kon" trägt die Bedeutung des Festhaltens ebenfalls. So würde "sakoneli" im Georgischen "Ware" um vieles besser wiedergeben als "commodity" im Englischen.




Quelle: http://www.opentheory.org/translat/text.phtml
(Last Software Update: 09.02.2002, 15:01)