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Eigentum und Produktion am Beispiel der Freien Software
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Maintainer: Stefan Merten, Version 3, 11.08.2002  Druckversion
Projekt-Typ:
Status: Archiv

Eigentum und Produktion am Beispiel der Freien Software

[Alle Kommentare ausblenden] (1) ToDo: Neue Rechtschreibung

[Alle Kommentare ausblenden] (2) ToDo: "Geldbasiert" durch "warenproduzierend" ersetzen?

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Vorbemerkung: Der vorliegende Text versteht sich als Teil einer Work in Progress. Er versucht bestimmte Gedankengänge, die im Projekt Oekonux gewachsen sind, auf das in der Überschrift genannte Thema zu fokussieren und einige neue Gesichtspunkte herauszuarbeiten. Er kann einige Aspekte kann der Text nicht erschöpfend behandeln, teilweise nur anreißen und er versteht sich keinesfalls als abgeschlossen. Ziel wäre vielmehr die Anregung einer Diskussion, die im OpenTheory-Projekt zu diesem Text http://www.opentheory.org/eigentum/text.phtml geführt werden kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) ToDo: Bemerkungen zu Durchkapitalisierung und Machtlosigkeit: Freie Software als transkapitalistisch; Freie Software als Chance für die III. Welt; Empowerment durch Freie Software (Für EntwicklerInnen; Für NutzerInnen); Wichtig: Gegenbewegung spielt untergeordnete Rolle (Damit nicht strukturell konservativ (wie z.B. attac) sondern progressiv); Überschrift: Freie Software als politisches Phänomen

1. Begriffsklärungen

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Vor einer direkten Befassung mit dem Thema dieses Textes möchte ich gerne die Begriffe klären, die verwendet werden. Damit soll einerseits ein gemeinsames Verständnis dieser Begriffe geschaffen werden. Andererseits bietet eine solche Klärung die Möglichkeit, diese teils sehr alten Begriffe unter einem neuem Blickwinkel zu betrachten, der für eine emanzipatorische Vision von Nutzen ist.

1.1. Entfremdung

[Alle Kommentare ausblenden] (6) ToDo: Überdenken

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Da der Begriff der Entfremdung für diesen Text von zentraler Bedeutung ist, soll er gleich als erstes eingeführt werden. Dies scheint gerade bei diesem Begriff besonders notwendig, da er mit verschiedenen Bedeutungen verwendet wird.

1.1.1. Entfremdung und immanente Qualitäten

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Als Kurzdefinition für den Begriff der Entfremdung wie er in diesem Text verwendet wird, mag der Satz gelten: Entfremdung liegt dann vor, wenn das Verhältnis zu einer Sache nicht von ihren immanenten Qualitäten geprägt ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Die Sache ist hier weit gefaßt zu verstehen und umfaßt neben materiellen Dingen auch immaterielle Dinge wie Ideen oder Bedürfnisse. Da auch Menschen immanente Qualitäten haben, können sie ebenfalls Sachen im Sinne dieser Definition sein und also Entfremdung unterliegen.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) I.d.R. können einer Sache mehrere immanente Qualitäten zugeordnet werden. Ein Holztisch hat aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften eine immanente Qualität als Tisch, kann aber auch aufgrund seiner stofflicher Eigenschaften als Brennholz verwendet werden. Selbst eine Münze hat beim Münzwurf stoffliche Qualitäten als Zufallsgenerator oder einfach als kleine, harte Metallscheibe, die als behelfsmäßiges Werkzeug eingesetzt werden kann. Die Qualität als Zahlungsmittel ist der Münze dagegen nicht immanent.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Eine immanente Qualität einer Sache spannt gewisse Gesetzmäßigkeiten auf, die der innereren Logik der Qualität entsprechen. So hat der Holztisch sowohl eine bestimmte Höhe als auch einen bestimmten Brennwert. Auch die stoffliche Seite der Münze verfügt über solche Größen, die einen eigenen, unhintergehbaren Raum von Gesetzmäßigkeiten aufspannen. Die zugeordnete Qualität als Zahlungsmittel ist dagegen nicht durch immanente Qualitäten fixiert, sondern wird ihr durch einen formalen, letztlich gesellschaftlichen Akt zugeordnet. Da diese Gesetzmäßigkeit gesellschaftlich gesetzt und keine immanente Eigenschaft ist, unterliegt sie den je geltenden gesellschaftlichen Bedingungen und kann sich mit ihnen verändern. Bei Münzen kennen wir diesen Vorgang als Veränderung ihrer Kaufkraft.

1.1.2. Entfremdung und Nutzung

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Von besonderer Bedeutung in diesem Text ist das Verhältnis zu einer Sache, das wir mit Nutzung der Sache bezeichnen. Dieser Schwerpunkt ergibt sich daraus, daß Eigentum eine Menge mit Nutzung von Sachen zu tun hat. Unter entfremdeter Nutzung einer Sache können wir also solche Nutzungen verstehen, die nicht oder nicht in erster Linie an die der Sache immanenten Qualitäten gebunden sind. Die Grenze zum Mißbrauch wird hier in vielen Fällen fließend sein. Sie unterliegt letztlich den je gültigen gesellschaftlichen Vorstellungen.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Aufgrund der unterschiedlichen immanenten Qualitäten, die eine Sache haben kann, können sich verschiedene Nutzungsarten ergeben, die für unterschiedliche Menschen von unterschiedlichem Interesse sind. Hier ist aber streng zwischen entfremdeten und solchen Nutzungsarten zu unterscheiden, die sich auf immanente Qualitäten einer Sache beziehen.

1.1.3. Entfremdung und emanzipatorische Vision

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Eine emanzipatorische Vision muß kurz gesagt dem Menschen maximal gerecht werden, da nur dann die maximalen Entfaltungsmöglichkeiten erreichbar sind. Dies impliziert, daß alle immanenten Qualitäten eines je konkreten Menschen in allen Fällen beachtet werden müssen. Insbesondere dürfen Menschen nicht als Teil eines entfremdeten Verhältnisses vorkommen, da sie in solchen Fällen eines Teils ihres Menschseins beraubt sind. Dies gilt beispielsweise auch für ihre eigenen Bedürfnisse, zu denen Menschen in einem entfremdeten Verhältnis stehen können. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ein Bedürfnis nicht befriedigt sondern aus dem einen oder anderen Grund verdrängt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Wie wir im weiteren Text sehen werden, sind aber auch entfremdete Verhältnisse zu Dingen durchaus problematisch. Für eine emanzipatorische Vision muß in jedem Einzelfall geprüft werden, ob ein entfremdetes Verhältnis der Vision dient oder ihr schadet.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Eine besondere Klasse von Verhältnissen zu Sachen, die nicht in erster Linie Bezug auf ihre immanenten Qualitäten nehmen, sind symbolische Bedeutungen, die nach obiger Definition ebenfalls als entfremdet gelten müssen. Jede Sprache bildet beispielsweise syntaktische (auch lautliche) auf eine bestimmte eine semantische Bedeutung ab, die der syntaktischen Struktur keineswegs immanent sind. Ob ein Symbol einer emanzipatorischen Vision nützt oder schadet, kann nicht allgemein entschieden werden. Als Indikator für die Nützlichkeit kann die Tatsache dienen, ob die symbolische Bedeutung, die einer Sache zugeordnet wird, den Menschen als nützlich erscheint und somit gerne übernommen wird (wie z.B. Sprache) oder ob die symbolische Bedeutung gegen die Menschen durchgesetzt werden muß - notfalls mit Gewalt.

1.2. Individuelles Eigentum

1.2.1. Eigentum als formales Konstrukt

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Der Begriff Eigentum ist sehr vielschichtig. Eine eingehende Betrachtung seiner Bedeutung kann im Rahmen dieses Textes nicht geleistet werden. Wichtig ist jedoch, daß Eigentum eine soziale Form ist, die nicht ohne eine formale Festlegung auskommt, die in der bürgerlichen Gesellschaft i.d.R. in Verträgen festgehalten wird. Die Notwendigkeit einer formalen Festlegung deutet aber schon an, daß es sich beim Eigentum nicht um eine selbstverständliche soziale Praxis handelt, sondern vielmehr notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden muß.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) ToDo: Verhältnis Eigentum / Herrschaftsmodell?

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Mit Blick auf eine emanzipatorische Vision ist es sinnvoll, dem Begriff Eigentum vom Begriff Besitz zu unterscheiden. Im Gegensatz zum Eigentum beschreibt Besitz ein Verhältnis zwischen Menschen und Dingen, das einer bestimmten sozialen Praxis entspricht: Ein Mensch be-sitzt genau dann etwas, wenn eine direkte Nutzung des Dings durch die BesitzerIn erfolgt.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Aus diesem kleinen Unterschied ergeben sich erhebliche Konsequenzen. So ist die Menge von Dingen, für die ein einzelner Mensch als EigentümerIn auftreten kann grundsätzlich unbegrenzt. In der Praxis ergeben sich aus unbegrenztem Eigentum schnell Probleme mit der Anerkennung der Legitimität von Eigentum. Besitz dagegen ist immer durch eine bestimmte soziale Praxis begrenzt und durch die konkrete Nutzung ergibt sich eine allgemein nachvollziehbare Legitimität. Weiterhin ist Eigentum auch jenseits vertraglicher Festlegungen nicht unbedingt ersichtlich. Dagegen ist Besitz im sozialen Kontext vergleichsweise einfach erkennbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Ein Beispiel aus unserer alltäglichen Lebenspraxis macht diese Unterscheidung augenfällig: Die MieterIn einer Wohnung ist deren BesitzerIn, da sie die Wohnung direkt nutzt. Die VermieterIn ist hingegen die EigentümerIn der Wohnung, die nur indirekten Nutzen aus der Wohnung zieht - eben die Miete.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Da es sich beim Eigentum um ein formales Konstrukt handelt, ist auch die Menge der Sachen nicht eingeschränkt, die zu Eigentum gemacht werden können. So kann neben mobilen materiellen Gütern auch Land bis hin zu entfernten Planeten zum Eigentum erklärt werden. In unserer gibt es Bestrebungen, die Gruppe der immateriellen Sachen - Ideen, Software, Musik, etc. - unter dem Begriff geistiges Eigentum immer stärker unter das Eigentumsregime zu nehmen.

1.2.2. Vorkommen, Begrenztheit, Knappheit

[Alle Kommentare ausblenden] (24) ToDo: Überarbeiten

[Alle Kommentare ausblenden] (25) Sprechen wir über Eigentum an Gütern, so müssen wir immer auch über die Begriffe Vorkommen, Begrenztheit und Knappheit sprechen. Das Konzept des Eigentums macht wenig Sinn für Güter, die sowieso unbegrenzt zur Verfügung stehen: Das allgemeine Eigentum an Luft macht - bislang zumindest - noch keinen Sinn. Das Eigentum an Luft macht aber schon eher Sinn, wenn es sich um begrenzt vorhandene, spezielle Luft handelt - sei es Preßluft oder die gute Luft in einem Kurort. Aber wie sind die Verhältnisse genau?

[Alle Kommentare ausblenden] (26) Zunächst können wir das Vorkommen eines Guts betrachten. Hier ist das absolute Vorkommen gemeint, das jenseits menschlicher Existenz auf der Erde existiert. Die genaue Größe des Vorkommens eines Guts - insbesondere von Naturstoffen - kann dabei in den seltensten Fällen exakt bestimmt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (27) Tritt der Mensch hinzu, so ist die Nutzung eines Vorkommens begrenzt durch technische, soziale und andere Faktoren. Diese Begrenzungen, sind dabei nicht überhistorisch, sondern durch historische und gesellschaftliche Entwicklungen bestimmt. So ist z.B. Erdöl die meiste Zeit in der Geschichte des Menschen lediglich als Unrat betrachtet worden, während heute die begrenzte Menge an Erdöl zur Überlebensfrage eines bestimmten Zivilisationstyps wird. Das Verhältnis von Begrenztheiten zum absoluten Vorkommen ist einerseits durch die technischen Mittel bestimmt, die das Vorkommen real nutzbar machen (z.B. bestimmte Abbauverfahren bei Naturstoffen), andererseits kann es politische Entscheidungen geben, die die Nutzung erkannter Vorkommen verhindern (z.B. Schutz von Naturschutzgebieten).

[Alle Kommentare ausblenden] (28) Die Begrenztheit von materiellen Produkten ist wesentlich dadurch bestimmt, wieviele Produkte hergestellt werden können. In einer konkreten Situation spielt es weiterhin eine Rolle, ob die jeweils benötigten Produkte auch am gewünschten Ort zur Verfügung stehen. Da die Verfügungsmöglichkeit über Güter - der Besitz - für die Handlungsmöglichkeiten eines Menschen von erheblicher Bedeutung ist, ist die Begrenztheit verfügbarer Produkte ein wichtiges Problem. Eine emanzipatorische Vision hat also das Problem zu lösen, wie Produkte in ausreichender Menge zu den Menschen kommen, die sie für ihre Selbstentfaltung benötigen. Die dem erreichten gesellschaftlichen Niveau angemessene Existenzsicherung muß hierbei als Voraussetzung von Selbstentfaltung gesehen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (29) Knappheit ist dagegen ein Begriff, der - zumindest in diesem Text - ein Entfremdungsverhältnis zum Nutzen des verknappten Guts beschreibt. Knappheit ist im Gegensatz zu Begrenztheit also ein Konzept, das in einer emanzipatorischen Vision keinen Platz hat. Folglich muß ein emanzipatorisches Projekt also die Knappheit beseitigen und Formen finden, wie mit weiter bestehenden Begrenztheiten umgegangen wird.

1.2.3. Eigentum wozu?

[Alle Kommentare ausblenden] (30) Wollen wir den Begriff Eigentum in einer emanzipatorischen Vision verwenden, so ist zu klären, welchen konkreten Nutzen Eigentum eigentlich hat. Nur wenn dies geklärt ist, können die wünschenswerten Teile eines solchen Begriffs in eine neue Vergesellschaftungsform hinübergenommen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (31) Ein naheliegender Nutzen von Eigentum ist die Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten. Per Definition vergrößert Eigentum die Handlungsmöglichkeiten der EigentümerIn, weil es ihr mehr oder weniger unbeschränkte Verfügungsmöglichkeiten über die Sache gewährt - bis hin zu ihrer Zerstörung. Eine Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten ist aber zunächst stets eine Erweiterung von Freiheit, so daß diese Qualität von Eigentum für eine emanzipatorischen Vision erhalten bleiben muß.

[Alle Kommentare ausblenden] (32) Auf der anderen Seite schränkt Eigentum natürlich auch Handlungsmöglichkeiten und damit Freiheit ein - nämlich gerade für die Nicht-EigentümerInnen. Wenn eine EigentümerIn die Verfügungsgewalt über eine Sache hat, so hat sie damit selbstverständlich auch die Möglichkeit andere von der Nutzung dieser Sache auszuschließen.

[Alle Kommentare ausblenden] (33) Dieser Ausschluß der Nutzung durch andere kann einerseits inhaltliche Gründe haben. Dies ist inbesondere dann gegeben, wenn die direkte Nutzung des Eigentums - der Besitz also - nicht anders als durch Ausschluß anderer gewährleistet werden kann. Ein einfaches Beispiel für solche inhaltlichen Gründe liefert das oft vorgebrachte Brötchen, das durch Konsum verbraucht wird und somit nur von einem Menschen genutzt werden kann. Ein weiteres Beispiel bilden Geheimnisse, die per Definition ihren Nutzen verlieren, wenn sie anderen zugänglich gemacht werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Andererseits gibt es aber auch nicht-inhaltliche Gründe, die einen Nutzungsausschluß der Nicht-EigentümerInnen für die EigentümerIn attraktiv machen. Die bürgerliche Gesellschaft ist geradezu darauf gegründet, durch Ausgrenzung der Nicht-EigentümerInnen deren Bedürfnisbefriedigung unter Bedingungen zu stellen. Bei Waren schlägt sich dies in der Entrichtung des Kaufpreises nieder, die als Bedingung für die Übertragung des Eigentums gestellt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (35) ToDo: Klärung: Lizenzen oder Miete stellen keine Eigentumsübertragung dar, sondern räumen lediglich ein Nutzungsrecht ein; Verhältnis Eigentum, Besitz, Lizenzen, Miete, Nutzungsrechte?

[Alle Kommentare ausblenden] (36) Die mit Gewalt bewehrte Unbegrenztheit von Eigentum zusammen mit der Möglichkeit des Nutzungsausschlußes prädestiniert Eigentum dazu, neben einer direkten Nutzung auch indirekte, entfremdete Nutzungsarten zu ermöglichen.

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Das Beispiel der Mietswohnung zeigt dies: Während die MieterIn eine direkte Nutzung der Wohnung betreibt, hat die VermieterIn nur ein entfremdetes, nämlich geldförmiges Interesse an der Wohnung. Dieses entfremdete Interesse ist aber der zentrale Antrieb für den Erwerb von Eigentum.

[Alle Kommentare ausblenden] (38) Mit dem Entfremdungspotential von Eigentum geht ein erheblicher Teil der negativen Eigenschaften einher, die in einer emanzipatorischen Vision überwunden werden müssen.

[Alle Kommentare ausblenden] (39) In der bürgerlichen Gesellschaft wird Eigentum insbesondere dazu eingesetzt, um Knappheit zu erzeugen. Besonders augenfällig wird dies heute in den Debatten um geistiges Eigentum. Während durch die historisch neue Möglichkeit der digitalen Kopie Informationen heute praktisch zum Nulltarif beliebig reproduzierbar sind, müssen sie zur Erhaltung der Wareneigenschaft künstlich verknappt werden - denn nur knappe Güter können verkauft werden und nur durch Knappheit kann die Wareneigenschaft eines Guts erhalten werden. Scheint bei Gütern mit nennenswerten Produktionskosten eine Verknappung noch durch die stofflich gegebene begrenzte Verfügbarkeit nachvollziehbar, so ist im Fall der Verknappung digitaler Kopien offensichtlich, daß die künstlich herbeigeführte Knappheit ausschließlich entfremdeten Geldinteressen dient.

[Alle Kommentare ausblenden] (40) ToDo: Wenn Knappheit überwunden wird, wird Eigentum überflüssig.

[Alle Kommentare ausblenden] (41) Neben der Verknappung begünstigt die durch Eigentum mögliche Entfremdung aber noch einen weiteren, subtileren Aspekt. Die EigentümerIn ist nicht primär an den stofflichen Qualitäten der Sache interessiert; vielmehr dienen diese nurmehr als Vehikel für die entfremdete Nutzung als Ware. Auf einem Markt, auf dem sich nur WarenanbieterInnen treffen, wird also tendenziell nicht die maximal mögliche, sondern nur noch die für eine Vermarktung gerade eben nötige stoffliche Qualität von Gütern erreicht. Für eine emanzipatorische Vision ist aber die Orientierung auf eine maximale Güterqualität wünschenswert, so daß auch von dieser Perspektive her eine Überwindung der Entfremdungspotentiale von Eigentum angezeigt ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) Steht der direkte Nutzen eines Gutes zur Debatte, so ist die direkte NutzerIn zweifellos diejenige, die den Nutzen letztendlich am besten beurteilen kann. Ob sie die entsprechenden Gütereigenschaften selbst erzeugen kann oder ob sie ohne die Hilfe von ExpertInnen eine günstige Wahl treffen kann, ist davon unabhängig.

[Alle Kommentare ausblenden] (43) Auch die Verantwortung gegenüber einer Sache ist bei Eigentum nur insofern gegeben, insofern die entfremdeten Nutzungsmöglichkeiten in Frage gestellt sind. Besitz dagegen konstituiert eine selbstverständliche Verantwortung für das besessene Gut, solange eine weitere Nutzung des Gutes angestrebt wird.

1.2.4. Besitz als emanzipatorische Form von Eigentum

[Alle Kommentare ausblenden] (44) Verstehen wir Besitz also als das, was der direkten Nutzung durch die BesitzerIn unterliegt, so beinhaltet es die positive Eigenschaft von Eigentum (Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten), während es die negativen Qualitäten (Einschränkung von Bedürfnisbefriedigung der Nicht-EigentümerInnen, Entfremdungspotential mit Tendenz zu Verknappung, suboptimaler Qualität und Unverantwortlichkeit) vermeidet. In der Konsequenz können wir also unter emanzipatorischem Blickwinkel Eigentum als das verstehen, was wir heute als Besitz kennen.

[Alle Kommentare ausblenden] (45) Ob es sich bei solchem Eigentum um individuelles oder kollektives Eigentum handelt, ist nach diesen Definitionen unerheblich. Wenn von einer direkten Nutzung ausgegangen wird, dann unterscheidet sich kollektives Eigentum von individuellem dadurch, daß es der direkten Nutzung einer Gruppe von Menschen unterliegt anstatt eines einzelnen Individuums.

[Alle Kommentare ausblenden] (46) Allerdings tritt bei kollektivem Eigentum Konfliktpotential auf, da die Individuen des Kollektivs unterschiedliche Ansichten über die bezogen auf die kollektive Nutzung je angemessene Behandlung des kollektiven Eigentums haben können. Diese Frage liegt im Bereich der Konfliktlösung in Kollektiven und ist eine eigene Diskussion wert. Festzuhalten bleibt aber, daß das Konfliktpotential in den meisten Fällen erheblich entschärft sein dürfte, wenn entfremdete Nutzungen des kollektiven Eigentums gar nicht erst möglich sind, sondern es nur noch um eine Optimierung des konkreten Nutzens geht.

[Alle Kommentare ausblenden] (47) Im Sinne einer emanzipatorischen Vision ist es also zunächst sinnvoll, auf den aus der bürgerlichen Gesellschaft tradierten Begriff Eigentum zu verzichten, und stattdessen vielmehr auf den aus einer sozialen Praxis gewachsenen Begriff Besitz einzugehen. Dies fällt deswegen leicht, weil Besitz die für eine emanzipatorische Vision wesentlichen Qualitäten des Begriffs Eigentum umfaßt, während es andere, eher hinderliche Qualitäten vermeidet.

1.3. Vergesellschaftete Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (48) Ist Eigentum ein recht vielschichtiger Begriff so scheint der Begriff Produktion wesentlich leichter greifbar zu sein: Vorgänge, in denen Naturstoffe oder Vorprodukte in andere Produkte umgewandelt werden. Dabei ist es von einem sachlichen Standpunkt aus unerheblich, wer bestimmte Teile einer Produktion konkret zuwege bringt (Maschine, Mensch oder auch ein Naturprozeß). Weiterhin ist es unerheblich, ob es sich bei dem Produkt um ein stoffliches oder geistiges Produkt handelt. Im Zusammenhang dieses Textes soll der Begriff der Produktion auf solche beschränkt sein, bei der Menschen in irgendeiner Form beteiligt sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (49) Wenn Menschen an Produktion beteiligt sind, so hat dies immer schon gesellschaftlichen Charakter. Allein die Produktionsmittel sind immer schon gesellschaftlicher Natur - und sei es nur das Wissen um ihre Herstellung. Eine vergesellschaftete Produktion liegt also im engeren Sinne immer schon vor und somit macht es wenig Sinn, über vergesellschaftete Produktion als solches zu sprechen.

[Alle Kommentare ausblenden] (50) Sinnvoll ist es dagegen, unterschiedliche Produktionsformen zu betrachten und damit die unterschiedliche Form ihrer Vergesellschaftung. Verschiedene Produktionsformen unterscheiden sich nämlich stark voneinander und da sie erheblich die Vergesellschaftungsform bestimmen, haben sie für eine emanzipatorische Vision höchst unterschiedliche Auswirkungen.

[Alle Kommentare ausblenden] (51) Für diesen Text wollen wir Produktionsformen betrachten, bei denen nicht einzelne Menschen oder kleine Gruppen autonom die Produktion je ihrer Gütern regeln (Subsistenzproduktion), sondern bei denen der Produktionsprozeß arbeitsteilig und damit über die Gesellschaft verteilt ist. Ziehen wir uns auf diesen Begriff zurück, ist die Vergesellschaftungsform noch nicht festgelegt. Insbesondere ist nicht festgelegt, inwieweit die Vergesellschaftungsform staatliche Anteile enthält.

[Alle Kommentare ausblenden] (52) Bei der Betrachtung arbeitsteiliger Produktionsformen gilt es mehrere Aspekte zu unterscheiden.

1.3.1. Ausführung der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (53) Die Produktion komplexer Produkte, wie sie auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung die Regel sind, wird nicht von einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen zuwege gebracht. Vielmehr fließt in komplexen Produkten eine Vielzahl elementarer Produktionsprozesse zusammen, die von ganz unterschiedlichen Akteuren beigesteuert werden. Heute sind die Akteure dabei durchaus über den gesamten Globus verteilt.

[Alle Kommentare ausblenden] (54) Die hohe Arbeitsteiligkeit moderner Produktion ist ein unmittelbares Ergebnis einer ständig steigenden Komplexität des Gesamtproduktionsprozesses. Diese steigende Komplexität ist ihrerseits ein Ausfluß der technischen Entwicklung, die immer zahlreichere und immer differenziertere technische Vorgänge ermöglicht, die für die Produktion relevant sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (55) Ein mögliches Ergebnis dieser Technikentwicklung ist eine Steigerung des Automatisierungsgrads, bei der Produktionsprozesse von Menschen auf Maschinen verlagert werden. Automatisierung kann überall dort stattfinden, wo die spezifischen Fähigkeiten von Menschen durch maschinelle Prozesse ersetzt werden können. Dieses Potential von Automatisierung erhöht die Handlungsmöglichkeiten von Menschen, da diese dann die Wahl haben, ob sie den automatisierbaren Prozeß selbst ausführen, oder ob sie ihre Zeit und Energie lieber mit anderen Dingen zubringen wollen. Daher ist eine weitere Steigerung des Automatisierungsgrads in einer emanzipatorischen Vision von zentraler Bedeutung.

[Alle Kommentare ausblenden] (56) Weiter ist festzuhalten, daß die hohe Arbeitsteiligkeit eine ungeahnte Menge an Gebrauchswerten hervorbringt, die mit geringerer Arbeitsteilung nicht erreicht werden kann. Die Arbeitsteilung ist dabei auch eine Folge der ständig steigenden Komplexität der gesamtgesellschaftlichen Produktion sowohl hinsichtlich der Vielzahl von Produktionsprozessen als auch hinsichtlich ihrer inneren Differenziertheit und Kompliziertheit. Aus diesem Grund kann eine emanzipatorische Vision einer vergesellschafteten Produktionsform nicht ohne guten Grund hinter den erreichten Grad an Arbeitsteiligkeit zurückfallen.

[Alle Kommentare ausblenden] (57) ToDo: Spezialisierung und Zentralisierung

1.3.2. Organisation der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (58) Findet die Produktion eines Guts nicht in einer sozialen Einheit (z.B. Betrieb) statt, so benötigen die über die Gesellschaft verstreuten ProduzentInnen eine Organisationsform, mit deren Hilfe der konkrete Ablauf und das möglichst reibungslose Ineinandergreifen verschiedener Produktionen geregelt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (59) In geldbasierten Gesellschaft geschieht diese, in einer arbeitsteiligen Produktionsweise objektiv notwendige Organisation durch die "unsichtbare Hand des Marktes", die sich allerdings bekanntlich nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, sondern vielmehr an der abstrakten Geldvermehrung orientiert ist. Folgerichtig funktioniert diese Organisationsform überhaupt nicht, wenn in einer geldbasierten Gesellschaft der Faktor Geld aus dem einen oder anderen Grund herausgenommen wird. Tauschringe belegen z.B. eindrucksvoll, wie nach wie vor auf Tausch fixierte Geldmonaden eine Güterproduktion in der Regel gar nicht und wenn dann nur auf niedrigstem Niveau hinbekommen.

[Alle Kommentare ausblenden] (60) Eine emanzipatorische Vision hätte also Lösungen für dieses Organisationsproblem zu benennen, günstigstenfalls Organisationsformen vorzuschlagen.

1.3.3. Entscheidung über die Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (61) Der dritte Aspekt einer arbeitsteiligen Produktionsform, der mit der Frage der Organisationsform zwar zusammenhängt, aber dennoch getrennt davon zu betrachten ist, ist die Frage, wer darüber entscheidet, was wann produziert werden soll. In einer emanzipatorischen Vision ist grundsätzlich davon auszugehen, daß die Produktion sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, da nur unter solchen Bedingungen die maximale Entfaltung der Menschen gewährleistet sein kann. Entscheidungen über die Produktion müssen sich daher einerseits an den Nutzungsbedürfnissen der Menschen orientieren. Andererseits müssen sie die Bedürfnisse der Menschen in der Produktion selbst berücksichtigen.

[Alle Kommentare ausblenden] (62) Fallen entfremdete Interessen wie das Geldinteresse weg, so reduzieren sich die möglichen Konflikte in solchen Entscheidungsprozessen auf unterschiedliche Einschätzungen sachlicher Aspekte. Die Entscheidungen über den Einsatz z.B. von Naturressourcen wird dadurch sicher nicht wirklich leicht, aber sicher wäre schon viel gewonnen, wenn immer auf einer sachlichen Ebene von Entscheidungsprozessen geblieben werden könnte und nicht sachfremde, entfremdete Interessen inhaltlich sinnvolle Lösungen blockieren würden.

1.4. Universelle Entwicklung der Individuen

[Alle Kommentare ausblenden] (63) Schnell beantwortet werden kann die Frage, was unter der universellen Entwicklung der Individuen zu verstehen ist: Selbstentfaltung.

[Alle Kommentare ausblenden] (64) Der Begriff der Selbstentfaltung geht dabei über den individualisierenden Begriff der Selbstverwirklichung hinaus, indem er ständig das gesellschaftliche Sein eines Menschen im Blick behält. Gleichzeitig ist Selbstentfaltung ein Wachstumsprozeß, der erst mit dem Tod des Individuums endet.

[Alle Kommentare ausblenden] (65) Die Inhalte von Selbstentfaltung - was also ein Individuum als Selbstentfaltung begreift - sind dabei so verschieden wie die Individuen selbst. Insbesondere ist es durchaus möglich, daß Aktivitäten, die einem Menschen zuwider sind, anderen Freude bereiten und damit Teil ihrer Selbstentfaltung sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (66) Ein integraler Bestandteil von Selbstentfaltung ist die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln, da eine entfaltete Persönlichkeit ohne ein Bewußtsein von Verantwortung undenkbar ist. Aus einer solchen Übernahme von Verantwortung wird auch die Erledigung ungeliebter Notwendigkeiten ein Teil von Selbstentfaltung - wobei dann die Abschaffung solcher Notwendigkeiten ebenso ein Ziel von Selbstentfaltung sein wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (67) ToDo: Ausführlicher

1.5. Universelle Entwicklung der Gesellschaft

[Alle Kommentare ausblenden] (68) Individuelle Selbstentfaltung so verstanden eröffnet in einer emanzipatorischen Vision die Möglichkeit einer Gesellschaft, die um ihres Funktionierens willen ihre Mitglieder nicht mehr strukturell oder unmittelbar zwingen muß, sondern wo sich die individuelle Unterschiedlichkeit der Menschen zu einem komplexen Ganzen verwebt. In einer solchen gesellschaftlichen Formation wird die individuelle Selbstentfaltung genauso die Voraussetzung für die Entfaltung der Gesamtgesellschaft, wie die Entfaltung der Gesamtgesellschaft Lebensgrundlage und Mittel für die individuelle Selbstentfaltung bietet und somit zu ihrer Voraussetzung wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (69) Beschäftigen wir uns näher mit der Gesellschaft als Ganzes, so kann argumentiert werden, daß wie jede Sozialeinheit auch eine Gesamtgesellschaft mit Herrschaft verknüpft ist. Herrschaft zerfällt in dieser Sicht in zwei Anteile. Im Anteil der Repräsentation fällt Herrschaft die Aufgabe zu, das ansonsten unsichtbare Ganze der Sozialeinheit, die verbindenden Prinzipien gegenüber Mitgliedern und Außenstehenden wahrnehmbar zu machen. In dieser Funktion übt Herrschaft einen wichtigen integrativen und klärenden Beitrag für die Sozialeinheit aus, der aufgrund seiner nützlichen Funktion in der Regel von den Mitgliedern der Sozialeinheit auch nicht als problematisch empfunden wird.